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Digital installiert Pilotsystem mit Client-Server-Architektur


24.12.1993 - 

In Zukunft recherchieren die Patentamt-Pruefer unter Unix

MUENCHEN - Beim Deutschen Patentamt (DPA) in Muenchen hat die offizielle Uebergabe des Pilotsystems fuer den Aufbau einer Client- Server-basierten Recherche stattgefunden. Die Digital Equipment GmbH installierte den Pruefern eine neue Unix-Umgebung, an der auch die grossen Patentaemter der USA und Japans ihr Interesse bekundet haben. Beide Behoerden wollen voraussichtlich bei der Modernisierung ihrer DV-Anlagen auf das Muenchner Konzept zurueckgreifen.

Das Pilotsystem ist der erste Schritt zum Aufbau des Recherchesystems "Patis", das in seiner Endausbaustufe bis zu 30 Millionen Dokumente verwalten soll. Mittels einer vereinheitlichten Abfragesprache werden die Pruefer vollelektronischen Zugriff auf eine DPA-interne und auf weltweite kommerzielle Host-Datenbanken wie Orbit, Questel oder STN haben.

Die Vorgaben des DPA an die Auftragnehmer waren sehr anwenderorientiert definiert. Die Technik, so Volker Hartung, Projektleiter beim DPA, solle lediglich Mittel zum Zweck sein und duerfe die Forderungen nach groesstmoeglicher Ergonomie nicht einschraenken. Das DPA hat die derzeitige Vorgehensweise bei der Pruefung eines zur Anmeldung vorliegenden Patents in ein funktionales DV-Konzept umgesetzt, das der Auftragnehmer als Anwendungssoftware unter einer grafischen Oberflaeche mit einer offenen modularen Architektur realisieren sollte.

Eine Herausforderung besonderen Ausmasses stellte ein Punkt im Forderungskatalog dar, bei dem das DPA zu keinem Kompromiss bereit war: Um eine moeglichst breite Akzeptanz bei den Usern zu erreichen, sollten nach der Auswahl der Dokumente die recherchierten Faksimiles in weniger als einer Sekunde am Bildschirm erscheinen. Der Pruefer muesse am Rechner genauso schnell die in der Datenbank selektierten Patentanmeldungen "umblaettern" koennen wie in den Papiervorlagen. Zum Zeitpunkt des Projektbeginns erschien diese Forderung als technisch nicht realisierbar, letztlich konnte die Digital Equipment GmbH in Muenchen, die den Zuschlag fuer das Pilotprojekt erhielt, jedoch auch diese Vorgabe erfuellen.

Der Hersteller entwickelte ein Pilotsystem auf Basis seines Unix- Derivats "Ultrix". Unter der grafischen Benutzeroberflaeche OSF/Motif laeuft die Anwendungssoftware bereits auf vier Recherchestationen. An jedem Arbeitsplatz steht eine Decstation 5000 mit 64 MB Arbeitsspeicher und einer Plattenkapazitaet von 1,35 GB. Zur Ausstattung gehoeren darueber hinaus ein Scanner und ein Drucker. Die wichtigsten Requisiten der Pruefer duerften jedoch zwei nebeneinander angeordnete DIN-A4-Tektronix-Bildschirme mit einer Aufloesung von 150 dpi darstellen. Beide Monitore sind zusammen als ein logischer Bildschirm konfiguriert, so dass der Anwender den mausgesteuerten Cursor vom einen zum anderen Bildschirm bewegen kann. An diesen Stationen haben die Pruefer auch die Moeglichkeit, die Dokumente durchzublaettern. Die durchschnittliche Zeit fuer die Anzeige einer Faksimile-Seite betraegt 0,8 Sekunden.

In das auf Glasfaserbasis aufgebaute Ethernet-Netzwerk sind des weiteren Decstations zur Datenhaltung und Datenerfassung eingebunden. Die installierte Umgebung verwaltet auf der internen Datenbank derzeit rund 300000 Faksimiles und 100000 Textdokumente. Die Anbindung an internationale Datenbanken wurde via Datex-P realisiert.

Voraussichtlich im Sommer 1994 wird die Ausschreibung der Grundausbaustufe vorgenommen. Der Beginn des letzten Projektabschnitts ist fuer 1997 vorgesehen.

Unter welchem Betriebssystem und mit welcher Hardwarebasis Patis letztlich laeuft, darauf hat sich das DPA noch nicht festgelegt. Aufgrund der offenen und modularen Architektur des Systems ist das DPA unabhaengig und kann sich aktuellen Entwicklungen anpassen. Denkbar ist auch, so Projektleiter Hartung, dass Windows NT oder OSF/1 zum Einsatz kommt.