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10.02.1995

In Zukunft Siemens-on-demand? SNI praesentiert sich in London als Anbieter mit Ambitionen

LONDON (kk) - Seit Monaten bemueht sich die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG, Muenchen, Aufbruchstimmung zu signalisieren. Das war auch auf der Vor-CeBIT-Pressekonferenz in London nicht anders. Das Re-Engineering-Konzept, das der neue Firmenchef Gerhard Schulmeyer bei Amtsantritt im vergangenen Herbst der angeschlagenen SNI verordnete, scheint erste Fruechte zu tragen.

Die neue Organisation kennt nur mehr die drei Sparten Service-, Loesungs- und Produktgeschaeft. Damit, so das nahezu komplett aufgebotene Management, spiegele die Unternehmensstruktur den Marktbedarf wider und druecke den direkten Bezug zum Kunden aus.

Wie SNI den Gedanken der Kundennaehe umsetzen will, erklaerte Wolfgang Jaeger, frischgebackenes Mitglied der Geschaeftsfuehrung, der im Herbst 1994 von Digital Equipment zu SNI kam. Wegen der sich rasch veraendernden Marktbedingungen fordere die Kundschaft, "dass Siemens- Nixdorf echte Kompetenz im jeweiligen Geschaeftsfeld des Klienten erlangt, ehe ein Auftrag vergeben wird". Deshalb konzentriere SNI kuenftig Ressourcen und Fachwissen in Loesungshaeusern oder Kompetenzzentren dort, wo die betreffende Branche schwerpunktmaessig anzutreffen ist.

Im Klartext heisst das, dass SNI an den Industrieschwerpunkten Vertretungen errichten wird. So soll beispielsweise die Kompetenz fuer den Bankenbereich in der europaeischen Finanzmetropole London angesiedelt werden. Die Automobilindustrie wuerde von Deutschland aus betreut - mit Stuttgart als moeglichem Standort - und die Elektronikbranche von den USA aus. Die jeweils erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen wuerden im Rahmen von "major projects groups" auf andere Laender uebertragen.

Das Konzept erschien den anwesenden Teilnehmern einleuchtend, warf jedoch die Frage auf, wie ein Konzern mit einer eher buerokratischen Tradition diesen Wandel in der Praxis leisten will. So koennte sich die mangelnde Mobilitaet der SNI-Mitarbeiter negativ auswirken. "Es ist nicht so einfach, einen Spezialisten dazu zu bewegen, freiwillig von Muenchen beispielsweise nach London oder Stuttgart umzuziehen", befuerchtet auch Jaeger.

Horst Nasko, ehemaliger Nixdorf-Vorstandssprecher und nun stellvertretender Vorstandschef von SNI, hat fuer das Servicegeschaeft mit dem Bereich Outsourcing eine neue Einnahmequelle geoeffnet. Aehnlich wie Daimler-Benz es mit Debis vorexerziert hat, planen auch die Muenchner, die Ressourcen des Gesamtkonzerns einer Mehrfachverwertung zuzufuehren. Neben 45 Mainframes will man auch das weltweite Firmennetz zur Nutzung anbieten.

Die Outsourcing-Aktivitaeten wurden bereits vor zwei Jahren mit der Gruendung der Sietec Consulting GmbH und Co. OHG (SCG) begonnen, sollen nun aber deutlich ausgeweitet werden. Zusammen mit der Konzernmutter wird SNI eine neue Gesellschaft gruenden, deren Management die IT-Tochter uebernehmen soll.

Den spaeten Eintritt in diesen lukrativen Markt versuchen die Manager dadurch wettzumachen, dass sie nicht nur die blosse Rechenkapazitaet anbieten. Geplant ist vielmehr, Beratung, Realisierung und Betrieb von Hard- und Software sowie Netzdiensten im Sinne einer verteilten und dezentralen DV fuer die Kunden bereitzustellen.

Die neue Gesellschaft soll dabei - entsprechend dem Siemens-Netz - weltweit mit rund 1800 Mitarbeitern agieren.

Grosse Plaene hat der Vorstands-Vize auch mit den BS2000-Mainframes. Das proprietaere Betriebssystem BS2000/OSD soll kontinuierlich um offene Programm- und Kommunikationsschnittstellen erweitert werden, damit es nicht zur Sackgasse fuer die Kunden geraet. Die Grossrechner bezeichnet er als wichtigen Baustein fuer das Client- Server-Konzept von SNI.

Nasko verkuendete auf der Pressekonferenz auch die Hardware- Marschrichtung, in die man die Brummis bringen will: "Wir arbeiten bei den Mainframes an der Umstellung von CMOS-Prozessoren auf herkoemmliche RISC-CPUs." Gemeint sind die Rechenbausteine von Mips, die SNI bereits fuer seine Unix-Maschinen verwendet. Als Ziel-CPU kommt fuer Nasko der zukuenftige Mips-Chip R 10000 in Frage, der ein besseres Preis-Leistungs-Verhaeltnis als die derzeitigen Bausteine garantiere.

Diese Umstellung erfordert allerdings auch eine umfangreiche Anpassung des Betriebssystems, das weitgehend in der prozeduralen Sprache SPL geschrieben ist und einige Zusatzfunktionen in C enthaelt. Konkrete Zeitangaben wollte Nasko nicht machen, zu erfahren war nur, dass man hofft, im dritten Quartal die ersten Chips im Labor zu haben. Mips-Mainframes sind nicht vor Ende 1996 zu erwarten.

Der zukuenftige Mips-Baustein bekommt fuer SNI zusaetzliche Bedeutung dadurch, dass er als Schmelzpunkt der Technologien von SNI und der gerade uebernommenen Pyramid Technology auserkoren wurde. Wie bereits gemeldet, legen die Muenchner 207 Millionen Dollar oder 16 Dollar pro Aktie fuer die noch ausstehenden 83 Prozent am Kapital des kalifornischen Unternehmens auf den Tisch. Nasko betonte, dass der Hersteller von Unix-Multiprozessor-Rechnern auf Mips-Basis eigenstaendig weitergefuehrt werden solle. Entscheidend ist das insbesondere fuer die Weiterentwicklung der Pyramid-Software.

Klaus Gewald, der das Midrange-Geschaeft von SNI leitet, sieht sich durch die Pyramid-Akquisition einen Schritt naeher an sein Ziel gekommen, Unix im Bereich des Enterprise Computings zu etablieren. Die Erfolgsbilanz der Abteilung weist bislang 10000 verkaufte Rechner vom Typ RM200 aus, 2000 gelieferte RM400-Maschinen und bereits 100 installierte Grosssysteme des Typs RM600.

Das juengste Produkt aus den Entwicklungslabors sind Cluster aus RM600-Mehrprozessor-Rechnern. Maximal vier Unix-Server lassen sich zu einem Gesamtsystem mit bis zu 96 Prozessoren koppeln. Als Datenbank empfiehlt sich Oracles Parallel-Server (OPS).

Multimedia treibt die DV-Industrie an

Mit der Pyramid-Uebernahme hat sich SNI zugleich einen Stuetzpunkt in den USA angeschafft - der Markt, den der PC-Verantwortliche Walter Roessler in diesem Jahr mit seiner Truppe bearbeiten will (zur PC-Strategie von SNI siehe CW Nr. 5 vom 3. Februar 1995, Seite 4: "Der PC-Bereich von SNI...").

Die SNI-Strategie im Bereich Anwendungssoftware erklaerte Peter Page, der im April 1994 von der Software AG zum Unternehmen kam: Weiterhin Mainframe-Software fuer offene Plattformen verfuegbar machen, Loesungen auch auf der Server-Seite verteilt strukturieren sowie komponentenbasierte Anwendungen, die per Softwarebus gekoppelt werden.

Einen Ausblick auf die SNI-Aktivitaeten bei Multimedia gab Vorstandsmitglied Nasko, der diesem Anwendungsfeld nicht nur die groessten Wachstumschancen zubilligt, sondern es gar als "einen der wichtigsten treibenden Faktoren der gesamten Informationstechnik" ansieht.

"PCs ohne Multimedia-Eigenschaften", so Nasko weiter, "werden bald fast unverkaeuflich sein."

Ein starke Position will das Haus Siemens auch beim Video-on- demand-Geschaeft der Zukunft einnehmen. Mit der Konzernmutter Siemens und deren ATM-Know-how koenne man die Netztechnik anbieten. SNI liefere die passenden Multimedia-PCs und steuere auch die Server bei. Das einzig fehlende Glied in der Kette sind die Set- top-Boxes, die von Herstellern aus der Consumer-Electronic wie Philips angeboten wuerden. In Zukunft also: Siemens on demand?