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05.12.1997 - 

Interview

"In Zukunft wird es nur noch Solaris und NT geben"

CW: Erwarten Sie, daß der Prozeß zwischen Sun und Microsoft negative Auswirkungen auf das Geschäft der Redmonder haben wird?

Zander: Nein, dazu wird in dieser Branche viel zuviel prozessiert. Größere Aufmerksamkeit dürfte dagegen das Vorgehen des US-Justizministeriums gegen Microsoft hervorrufen. Ich hoffe, daß in diesem Zusammenhang endlich ans Tageslicht gebracht wird, in welchem Maße Microsoft mit seinen Kunden ein falsches Spiel getrieben hat.

CW: Glauben Sie wirklich, daß sich dadurch etwas ändert?

Zander: Ich weiß nicht, wie das hier in Europa ist, aber in den USA habe ich bereits mit einer ganzen Reihe von Microsoft-Kunden gesprochen. Und die haben so richtig die Nase voll von den Geschäftspraktiken der Gates-Company.

CW: Aber der Trend läuft doch zur Zeit eher gegen Sie. Beispielsweise rollt Microsoft mit Windows NT den Markt für Workstations auf. Müssen Sie nicht auch am Ende klein beigeben und ebenfalls Ihre Workstation auf NT umstellen?

Zander: Die meisten Computerhersteller, die in den letzten Jahren zusätzlich NT-Workstations in ihre Produktpalette aufgenommen haben, erlitten damit Schiffbruch. Nehmen wir zum Beispiel Digital Equipment. DEC begann vor zwei Jahren mit dem Bau von NT-Workstations. Seitdem hat das Unternehmen in diesem Bereich nur Verluste gemacht. Ähnlich geht es Hewlett-Packard. HP hat seitdem kontinuierlich bei den Workstations Marktanteile verloren, und auch ihre Gewinne sind in diesem Bereich rückläufig. Es gibt zahlreiche weitere Firmen, die mit NT ihr Glück versucht haben und schließlich gescheitert sind. Ich denke da an Unisys, Tandem und NCR. So viele Firmen progagieren ihren Einstieg in die NT-Technologie. Doch die einzigen, die am Ende daran Geld verdienen, sind Intel und Microsoft.

CW: Und was ist mit Compaq und Dell?

Zander: In der Tat sind das zwei weitere Firmen, die mit NT gute Gewinne erzielen. Aber zu welchem Preis? Um diese Überschüsse einstreichen zu können, mußten beide Unternehmen ihre eigenen Entwicklungsabteilungen drastisch verkleinern. Technologisch sind Dell und Compaq jetzt völlig abhängig von Microsoft und Intel.

CW: Aber wie können Sie langfristig gegen Intel und Microsoft bestehen? Die beiden verkaufen ihre Software und ihre Chips millionenfach - Sun dagegen nur wenige tausend pro Jahr.

Zander: Wir müssen jedes Jahr bestimmte Stückzahlen erreichen. Aber gerade das ist auch einer der Gründe, warum wir nicht zusätzlich auch noch NT-Rechner anbieten. Dann würden wir nämlich damit anfangen, unser eigenes Geschäft kaputtzumachen. Wie schnell das passiert, sehen Sie bei HP, IBM oder DEC.

CW: Sie glauben, daß Computerfirmen nicht Unix und NT gleichzeitig anbieten können?

Zander: Die Firmen, die das versucht haben, haben ihren eigenen Unix-Markt zerstört. Das liegt daran, daß man auf Dauer eben nicht zwei Betriebssysteme vermarkten kann, die dasselbe Marktsegment adressieren. Nach unseren Kenntnissen gibt es keinen anderen Anbieter, der mit dem gleichen Aufwand die Weiterentwicklung von Unix betreibt wie Sun. Deshalb gehe ich davon aus, daß sich in Zukunft nur noch Solaris und NT halten werden. Die anderen Unix-Derivate wie AIX von IBM, das DEC-Unix oder HP-UX katapultieren sich selbst aus dem Markt.

CW: Könnte das aber nicht auch das Ende von Unix bedeuten?

Zander: Nein. Alle wichtigen Marktbeobachter sind sich einig, daß NT in absehbarer Zeit nicht die Leistung von Unix erreichen kann. Sie raten sogar davon ab, NT einzusetzen, wenn die Systeme mehr als 150 aktive Benutzer verwalten müssen. Unix ist ein Betriebssystem mit Zukunft.

CW: Sun will nicht nur mit Solaris, sondern auch mit Java Microsoft das Leben schwermachen. Welche Bedeutung hat Java für Sun?

Zander: Java steht für ein völlig neues Verständnis vernetzter Computertechnik - eben für das Network Computing. Durch den Verkauf leistungsfähiger Server, Workstations, Service- und Supportleistungen sowie Entwicklungswerkzeuge streben wir für das laufende Geschäftsjahr in diesem Bereich einen Umsatz von etwa zehn Milliarden Dollar an. Und dieser Markt wächst rasant, denn rund um Java und damit ums Network Computing entstehen permanent neue Geschäftsfelder.