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06.09.1996 - 

Interview/

In Zukunft wird nur noch objektorientiert entwickelt

CW: Entwickelt sich die Konferenzmesse Objectworld nach Ihren Vorstellungen?

Hoffman: Auf jeden Fall. Wir hatten dieses Mal rund 400 Aussteller und ein paar tausend Besucher. Für rund 60 Prozent ist das Thema Objektorientierung neu.

CW: Trotzdem wirkt die Veranstaltung, als hätten Sie mehr Besucher erwartet?

Hoffman: Was passiert, ist folgendes: Es kommen zwar mehr Firmen, aber erst wenige Kunden. Trotzdem prophezeien die Analysten, der Markt werde in ein paar Jahren auf 4,5 Milliarden Dollar angewachsen sein. Wenn wir von der Objektfraktion unseren Job gut machen, wird es bald keine Veranstaltung wie die Objectworld mehr geben. Objekttechnologie wird schlichtweg die Basis für jede Neuentwicklung sein, egal ob es sich um verteilte Unternehmens-DV oder um Web-Applikationen handelt.

Netscape-Gründer Marc Andreessen hat gesagt, das Internet werde die Objekttechnologie in den Tornado, den es entfacht hat, hineinziehen. Das hat mich ein wenig amüsiert - war ich doch bisher der Meinung, daß wir der Wirbelsturm sind. Jetzt sieht es so aus, als seien wir nur die darunterliegende Strömung.

CW: Sind Objekttechnologie und Internet notwendigerweise gekoppelt?

Hoffman: Ja. Das ist ein weiterer Trend, den man hier beobachten kann: Jeder Aussteller zeigt etwas, was mit dem Internet beziehungsweise dem Web zu tun hat.

Dazu kommt das Interesse an der Programmiersprache Java. Im vergangenen Jahr zeigten nur neun Prozent der Konferenzteilnehmer Interesse an der Sprache. Als wir im Mai auf der Bostoner Objectworld nachfragten, setzten bereits 54 Prozent der Teilnehmer Java ein. Das ist gut für die Industrie und für die OMG.

CW: Die OMG und ihre Standardisierungsbemühungen befinden sich also im Aufwind?

Hoffman: Ganz sicher. Wir freuen uns über den Internet-Boom denn wir betrachten uns als dessen Bestandteil. Nehmen Sie die Netscape-Ankündigung: Der OMG-Vorsitzende Chris Stone und ich saßen zusammen in dem Vortrag von Andreessen. Wir haben versucht, nicht zu breit zu grinsen, als wir hörten, daß er in den kommenden zwölf Monaten mehr als 20 Millionen IIOPClient-ORBs ausliefern will. Für das Back-end werden wir von der OMG mit Middleware und Objekt-Architektur sorgen.

CW: Einige Probleme der Objekttechnologie scheinen nicht lösbar. Zum Beispiel gibt es noch kein einheitliches Objektmodell.

Hoffman: Ich gehe davon aus, daß es zumindest zwei unterschiedliche Objektmodelle geben wird. Für das Back-end haben wir Corba, und dann bietet Microsoft etwas für den Desktop, das sie heutzutage "Active X" nennen - man wird sehen, wie es morgen heißt und was es kann.

CW: Wie ist das Verhältnis zwischen OMG und Microsoft?

Hoffman: Microsoft ist seit 1992/93 Mitglied der OMG.

CW: Und engagiert sich entsprechend?

Hoffman: Die ersten Jahre haben die Microsoft-Abgesandten lediglich an den Treffen der verschiedenen OMG-Gruppen teilgenommen. Seit etwa zwei Jahren sagen sie auch etwas. Seit der Arbeit an Distributed COM wurde Microsoft sogar noch aktiver. Ich führe das zurück auf den Marktdruck, dem das Unternehmen heutzutage ausgesetzt ist.

CW: Wie weit sind Sie bei der Einbindung von Legacy-Systemen in Objektsysteme und bei der einheitlichen Definition von dynamischen Geschäftsobjekten? Gegen diese Aufgaben scheinen die Probleme auf der Entwicklungsebene marginal.

Hoffman: Sie haben ganz recht. Die OMG hat immer vertreten, daß Objektorientierung schwierig ist, ein erstes Projekt sogar drei- bis zehnmal soviel kostet als bei herkömmlicher Programmierung.

CW: Das trifft es nicht ganz.

Hoffman: Ja, sicher. Die anderen Probleme haben mit der Komplexität von Systemen zu tun und sind 30 Jahre alt. Es wäre naiv zu denken, die Probleme könnten sich ganz plötzlich durch die Objektorientierung in Luft auflösen. Trotzdem: Es gibt nichts besseres als Objektorientierung. Allen, denen wir zuwenig leisten, sage ich: "Machen Sie es doch besser, und stellen Sie uns dann Ihren Lösungsweg vor." In diesem Land gibt es Cobol-Programmierer, die zirka 90 Prozent ihrer Zeit damit beschäftigt sind, Fehler in Altanwendungen zu beheben. Während die Hardware immer billiger wird, verzeichnet die Software einen Preisanstieg von derzeit fünf Prozent pro Jahr. Daran ist doch etwas faul, meinen Sie nicht?