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06.05.2008

Inder fordern IBM und Accenture heraus

Herrmann Gfaller 
Die Unterscheidung in indische und westliche IT-Dienstleister ist hinfällig, da alle enorme Offshore-Kapazitäten unterhalten. Nun drängen die Inder in das von IBM, Accenture und Co. besetzte Beratungsgeschäft.

Wir können alles, was Accenture kann. Man muss uns nur lassen", bringt Peter Heij, Satyams Direktor für Kontinentaleuropa, die Situation selbstbewusst auf den Punkt. Schon jetzt erwirtschaftet sein Unternehmen 21 Prozent des Umsatzes in Europa. Satyam gilt als größter SAP-Spezialist Indiens und ist in den Augen der IBM zu einem Wettbewerber auf Augenhöhe gewachsen - wenn man ihn nur lässt. Doch das ist insbesondere in Deutschland nicht ganz einfach.

Hiesige Kunden, so formuliert es eine IBM-Mitarbeiterin, wünschen sich deutsche Wertarbeit zu Discount-Preisen, sprich: Das Unternehmen muss verlässlich erscheinen, die Qualität der Dienste nachvollziehbar und die Partnerschaft potenziell langfristig sein. Dabei reicht es längst nicht, die deutsche Sprache zu beherrschen. Tata Consultancy Services (TCS) ist seit 1992 hierzulande aktiv, zeitweise mit einem deutschen Geschäftsführer. Nennenswerte Erfolge stellten sich jedoch erst ein, als der Dienstleister neben Nearshore-Zentren in Ungarn eigene Niederlassungen und deutsche Verträge vorweisen konnte. Da störte - zumindest die Großkunden - auch nicht mehr, dass Geschäftsführer Ananthanarayanan Padmanabhan ein englischsprechender Inder ist.

Banken betreiben Offshore-Projekte

Wie viel indische IT-Dienstleister tatsächlich in einem Land erwirtschaften, das sich nur langsam für Outsourcing und Offshoring öffnet, ist schwer zu sagen. Vor drei Jahren gingen nur 2,3 Prozent der indischen Serviceexporte nach Deutschland. Den aktuellen Zahlen des indischen Software-und-Service-Verbands Nasscom zufolge ist der Export nach Kontinentaleuropa seither um 55 Prozent auf 12,3 Prozent des Auslandsumsatzes der indischen Dienstleister gestiegen. Das Gros dürfte jedoch in die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien gehen.

Offene Ohren finden Offshorer - wie überall in der Welt - vor allem bei Finanzdienstleistern. Dabei geht es keineswegs nur um Call-Center, im Branchenjargon zu Business-Process-Outsourcing überhöht. So hat TCS eine hiesige Bank mit Know-how für eine in Japan und Singapur erprobte Handelsplattform versorgt. Stolz verweist TCS-Deutschland-Chef Padmanabhan zudem darauf, dass die Tata-Tochter allen namhaften deutschen Autobauern geholfen habe, den Elektronikanteil in ihren Fahrzeugen deutlich zu erhöhen. Er sieht sich in direkter Konkurrenz zu den hiesigen Anbietern: "Im Automotive-Bereich treffen wir vor allem auf T-Systems, bei TK-Kunden auf Accenture, immer mal wieder auf die IBM und auf viele kleine lokale Anbieter wie Steria Mummert im Finanzsektor."

Lokale Partner und Projekte

Die Konkurrenz mit den etablierten IT-Dienstleistern kommt nicht von ungefähr. So beschäftigt etwa die IBM mit rund 80 000 indischen Mitarbeitern 30 000 mehr als Satyam in der ganzen Welt. Capgemini senkt mit rund 16 000 indischen Mitarbeitern seine Personalkosten.

Auch Satyam, im Vergleich zu TCS noch jung am Markt, versucht sich im Geschäft mit Finanzdienstleistern und Fertigungsunternehmen - und kann auch Automobil-Know-how (etwa als Subkontraktor von Hewlett-Packard und Capgemini bei General Motors) vorweisen. Dabei setzt Satyam nicht nur auf Großkunden, sondern geht mit der Bertelsmann-Tochter Arvato als heimischem Partner SAP-Projekte im gehobenen Mittelstand an. Die Arbeitsteilung soll beim Kunden Vertrauen schaffen und vielleicht den Aufbau der schon seit Jahren geplanten, aber immer wieder verschobenen Nearshore-Delivery-Center in Berlin, Ostdeutschland oder Russland überflüssig machen.

Die etablierten Mitbewerber erwarten einen verstärkten Wettbewerb, sobald in einer zunehmend globalen Wirtschaft die kulturellen Schranken fallen. "Dann", so Andreas Brinkmann, bei IBM Global Business Services verantwortlich für Global Delivery, "halte ich die indischen Dienstleister aufgrund ihrer Agilität und des raschen Wachstums mittelfristig für erfolgreicher als viele ihrer westlichen Mitbewerber."

In Südindien boomt die Baubranche

Tatsächlich ist insbesondere in Südindien die von der ITK-Branche ausgelöste Aufbruchstimmung schon jetzt mit Händen zu greifen. In Hyderabad ziehen neben Lokalmatador Satyam und seinen einheimischen Konkurrenten längst auch Dell, Oracle und vor allem die IBM ihre Bürotürme in die Höhe - und nicht nur dort. Allerdings beklagt der Branchenverband bereits, dass TCS und Co. vor lauter Auslandsgeschäft den wachsenden Inlandsmarkt vernachlässigten und ohne Not Anbietern wie der IBM überließen. (jha)

Hier lesen Sie …

  • welche Kunden indische Anbieter in Deutschland haben;

  • was hiesige Anwender fordern;

  • wie die Offshore-Anbieter darauf reagiert haben.