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13.12.2002 - 

Die Offshore-Anbieter weiten ihr Portfolio aus

Indien macht Druck

Immer, wenn Sparen angesagt ist, rücken Offshore-Services, also die Auslagerung von Softwarearbeiten, ins Zentrum des Interesses. Anders als in früheren Jahren räumen Analysten insbesondere den Anbietern aus Fernost nun Chancen ein, sich nachhaltig im internationalen IT-Markt zu etablieren. CW-Bericht, Joachim Hackmann

Seit dem Jahr-2000-Problem und der Euro-Umstellung werden vor allem zwei Leistungen indischer Softwarehäuser wahrgenommen: Sie gelten als günstig und beschränken sich auf Großrechnerumgebungen. "Dem ist heute nicht mehr so", rückt Pascal Matzke, Senior Industry Analyst bei der Giga Information Group, das Bild zurecht. Zwar bieten die indischen "Big Five" (Tata Consultancy Services, Infosys, Wipro, HCL Technologies und Satyam) nach wie vor Wartungs- und Unterhaltsdienste für Altapplikationen an, doch ihr Portfolio umfasst längst Entwicklungsdienste im ERP- und CRM-Umfeld mit aktuellen Methoden und Konzepten wie XML, J2EE, Web-Services und .NET von Microsoft.

Die Konkurrenz wächst

Allerdings haben die indischen Häuser schon lange kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Etablierte Konkurrenten - Giga-Analyst Matzke bezeichnet sie als "hybride Anbieter" - sind Service-Provider wie Covansys, Syntel und Cognizant. Diese Dienstleister wurden meist von indisch-stämmigen US-Amerikanern gegründet und haben Entwicklungszentren auf dem Subkontinent errichtet. Im Prinzip arbeiten sie alle nach dem Onsite-Offshore-Prinzip: Vor Ort beim Kunden gibt es Projektverantwortliche (entweder eingeflogene oder heimische Experten), die die entfernten Entwicklerteams steuern.

Mit diesem Modell können die indischen und hybriden Anbieter die in anderen Ländern erwachsende Konkurrenz noch auf Distanz halten. Potenzielle Wettbewerber entstehen in Südamerika, Osteuropa und Südostasien. In Polen, Rumänien, Tschechien, der Slowakei und den baltischen Staaten gibt es gut ausgebildete Ingenieure, doch das Geschäft krankt an unzureichenden Unternehmensstrukturen. "Den meisten Ländern fehlt eine starke Venture-Capital-Szene", beschreibt Matzke das Manko. Gleiches gilt für China, wo zwar erste Offshore-Zentren entstehen, junge Unternehmen sich aber schwer tun, über die Landesgrenzen hinaus Kontakte zu knüpfen. Die Giga Information Group und Gartner zählen auch Länder wie Irland, Nordirland, Israel und Kanada zu den Offshore-Herausforderern. Sie haben gegenüber indischen Anbietern zwar den Nachteil der weniger günstigen Arbeitslöhne, können aber auf geringere kulturelle Unterschiede verweisen.

Das ist kein unerhebliches Verkaufsargument, denn bei einer Umfrage der Fachhochschule Pforzheim unter Leitung von Regina Moczadlo bemängelten immerhin ein Drittel von insgesamt 75 befragten Unternehmen Kommunikationsschwierigkeiten kultureller Art. Wie derartige Probleme aussehen, beschreibt Klaus Brehm, Abteilungsleiter Informationssysteme Sach bei der Allianz Versicherungs AG: "Die indischen Mitarbeiter hatten ein Problem damit, schlechte Nachrichten zu überbringen", erläutert der Manager, der mit Covansys bereits zwei Offshore-Projekte betrieb. Das führte anfangs dazu, dass Brehm nicht über Schwierigkeiten in der Entwicklung informiert wurde und die Projektverantwortlichen beharrlich am Fertigungstermin festhielten. Den Offenbarungseid leisteten sie erst kurz vor vereinbarter Ablieferung. Der Zeitpunkt zum rechtzeitigen Gegenlenken wurde somit verpasst.

Brehm hat das nicht davon abgehalten, nach dem ersten Pilotvorhaben noch ein weiteres Projekt in Auftrag zu geben. Zunächst wurde den Covansys-Mitarbeitern die Pflege und Wartung von Mainframe-basierenden Versicherungsapplikationen übertragen, um den Allianz-Mitarbeitern Freiräume für Neuentwicklungen zu schaffen. Unter dem Strich verlief die Zusammenarbeit mit Covansys immerhin so gut, dass Brehm dem Service-Provider auch die Entwicklung einer mobilen PC-Lösung in C++ übertrug, als ein hiesiger Dienstleister aus Kosten- und Qualitätsgründen ausfiel. "Wir waren der Meinung, dass man sich derartigen Angeboten nicht verschließen darf", erläuterte Brehm die Gründe. "In der Theorie nachzuweisen, dass es nicht geht, ist sinnlos. Man muss es ausprobieren."

Große Dienstleister gehen nach Indien

Das lässt sich auch bei den großen Beratungs- und Systemintegrationshäusern bewerkstelligen. Die meisten unterhalten eigene Entwicklungszentren in Billiglohnländern oder kooperieren mit dort ansässigen Firmen. Einer Untersuchung von McKinsey zufolge verfügen 80 Prozent der weltweit 40 größten IT-Dienstleister über Niederlassungen in Indien. Allein IBM Global Services soll dort 3000 Mitarbeiter an sechs Niederlassungen beschäftigen.

Die etablierten Dienstleister werden nicht allein durch den Preisdruck in ihren Heimatmärkten dazu angehalten, ihr Dienstleistungsportfolio um günstige Enwicklungsservices zu ergänzen. Das Engagement in Offshore-Ländern ist zudem der Versuch, den indischen Anbietern den Kostenvorteil zu nehmen. Die US-amerikanischen und europäischen Servicehäuser dürften die fernöstlichen Service-Provider zunehmend als ernst zu nehmende Konkurrenz erkennen. Denn die bieten neben Offshore-Arbeiten mittlerweile auch Dienste im Outsourcing- und Business-Process-Outsourcing-Markt an. Stark vertreten sind sie derzeit vornehmlich beim Betrieb von Call-Centern für englischsprachige Kunden. Zudem erwartet Gartner, dass indische Häuser sich in Europa einkaufen. Das alles wird zu einem Erstarken der Offshore-Anbieter führen. Noch verbuchen die Anbieter vom Subkontinent laut Merrill Lynch allerdings nur rund drei Prozent der weltweiten IT-Ausgaben auf ihren Konten. Doch im nächsten Jahr sollen bereits sechs Prozent der gesamten IT-Aufwendungen in indische Taschen fließen.

Abb.1: Stundensätze für Offshore-Arbeiten

Das Gros der befragten 75 Unternehmen, die Offshore-Anbieter engagiert haben, zahlt Stundenlöhne zwischen zehn und 19 Euro. Quelle: Moczadlo, FH Pforzheim

Abb.2: Offshore-Services

Am häufigsten werden Programmierarbeiten in Billiglohnländer ausgelagert. Quelle: Moczadlo, TH Pforzheim