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22.12.1989 - 

Joint-venture für die Entwicklung von Unix-Software

Indische Softwerker greifen Nixdorf unter die Targon-Arme

POONA (qua) - Von bislang ungewohnter Seite läßt sich die Paderborner Nixdorf AG dabei helfen, die Softwarelücken für ihre Targon-Familie zu schließen. Im Januar starten die Paderborner ein Joint-venture mit der im südindischen Poona beheimateten Kale Consultants Ltd. Ziel der Unternehmung ist die Entwicklung von Unix- und Konvertierungssoftware.

Wie der Geschäftsführer des indischen Softwarehauses, Narendra H. Kale, mitteilt, wird die Kale Nixdorf Software Associates Ltd. ihre Zelte in der nahe Bombay gelegenen Santa Cruz Electronics Export Processing Zone (SCEEPZ) aufschlagen. Bei den sogenannten Exportzonen handelt es sich um unseren Freihäfen vergleichbare, streng abgeschlossene Industrie-Territorien, die sich den importfeindlichen Zoll- und Steuergesetzen des Subkontinents entziehen.

So entfällt der bis zum Anderthalbfachen des Kaufpreises zählende Importzoll auf aus dem Ausland eingeführtes technisches Equipment; außerdem brauchen die betreffenden Unternehmen ihre Umsätze in den ersten fünf Jahren nicht zu versteuern. Diese Privilegien gelten allerdings nur so lange, wie die in der Exportzone produzierten Waren nicht auf dem indischen Markt vertrieben werden.

Kale und Nixdorf halten sich also die Option auf Gründung einer Tochtergesellschaft außerhalb der SCEEPZ offen. Um in diesem Falle die bestehenden Eigentumsverhältnisse beibehalten zu können, beschränken sich die Deutschen schon jetzt auf den für ausländische Beteiligungen an regulären indischen Unternehmen vorgeschriebenen Grenzwert von 40 Prozent.

Ziel des Gemeinschaftsunternehmens, so Kale, ist zunächst die Entwicklung eines "Branch Management Systems" für den Bankenbereich.

Während die derzeit eingesetzte Nixdorf-Lösung auf die 8870-Serie zugeschnitten sei, sehe das neue, voraussichtlich Mitte kommenden Jahres serienreife Softwaresystem als Front-end-Pozessoren die unter Unix betriebenen Targon-Rechner vor. Ende 1990 soll die Bankensoftware auch auf dem deutschen Markt zu haben sein.

Die Kontakte zwischen Paderborn und Poona, so war von der Nixdorf AG zu erfahren, bestehen bereits seit mehr als einem Jahr. Zwar räumen die Westfalen den "Wunsch nach einer Ausweitung der bisherigen Zusammenarbeit" ein; zu Einzelheiten" wollen sie derzeit jedoch keine Stellung beziehen.

Was Kale Consultants für Nixdorf interessant machen dürfte, ist das Know-how der Inder auf dem Gebiet der Konvertierungssoftware - gepaart mit einer seit 1982 kontinuierlich ausgebauten Unix-Expertise. Somit könnte das indische Unternehmen dem gebeutelten Computerhersteller bei der Lösung eines seiner dringendsten Probleme helfen, nämlich bei der Software-Umstellung von den alten 8870-Systemen auf die modernen Targon-Rechner.

Laut Kale ist die Entwicklung eines solchen Konvertierungstools denn auch Gegenstand von Gesprächen mit Nixdorf. Allerdings werde derzeit noch erörtert, ob nicht die Neuentwicklung oder eine manuelle Umstellung der vorhandenen Software sinnvoller seien.

Die finanzielle Ausstattung der gemeinsamen Unternehmung gibt Kale mit fünf Millionen Rupies an, was rein rechnerisch einem Startkapital von rund 550 000 Mark entspricht. Viel vorgenommen haben sich die Joint-venturer in punkto Mitarbeiterentwicklung: Fürs erste werde das neue Unternehmen zwar nur 20 Köpfe zählen; doch soll sich die Anzahl der Beschäftigten künftig in jedem zweiten Jahr verdoppeln.

Beredtes Schweigen

Ein indischer Programmierer verdient 5000 Rupien im Monat; das sind umgerechnet etwa 550 Mark. Wird er in die USA oder nach Europa ausgeliehen, bemißt sich sein Gehalt an den dortigen Miet- und Nahrungspreisen.

Fazit: Für den Auftraggeber ist es billiger, das Produkt auf dem Subkontinent fertigen zu lassen. Zudem liegt den Indern daran, ihr Image als Body-shopper loszuwerden. Das Nixdorf-Kale-Venture dient also den Interessen aller Beteiligten.

Friede, Freude, Eierkuchen? Leider nein; denn die deutsche Klientel wird vermutlich erst einmal vor dem Label "Made in India" zurückzucken. Nicht von ungefähr versuchen die Paderborner, ihre indischen Aktivitäten mit dem Mantel des Schweigens zu bedecken. Haben sie etwa vor, die in Bombay geschmiedete Software mit dem Nixdorf-Etikett zu vertreiben?

Auf der anderen Seite müssen sich die potentiellen Kundenfragen lassen, was eigentlich gegen einen Versuch mit den hochmotivierten indischen Softwerkern spricht. Schließlich kann auch bei US-amerikanischer oder europäischer Weichware niemand sicher sein, genau das zu bekommen, was ihm versprochen wurde. qua