Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.11.1991 - 

Weg vom Bodyshopping, hinein in die Nische

Indische Softwerker wollen sich mit Produkten profilieren

MÜNCHEN (qua) - Vom günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis der indischen Softwareschmieden konnte das eine oder andere europäische Unternehmen bereits profitieren. Oft werden die Kostenvorteile jedoch von aufwendigen Kommunikationsprozessen nahezu aufgefressen. Einen alternativen Marktzugang sucht die Software-Industrie des asiatischen Subkontinents deshalb mit ihren Fertigprodukten.

Auch in diesem Jahr bot das von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) initiierte "lndo-German Export Promotion Projekt" (Igep) einigen indischen Software-Unternehmen die Möglichkeit, ihr Angebot im Rahmen der "Systems" zu zeigen. Im Mittelpunkt der Messepräsentation stand eine Reihe von Softwareprodukten, die durchaus dem westlichen State-of-the-Art entsprechen.

Dazu gehört beispielsweise das Grafiksystem "lcad" von der U & I Software Ltd. mit Sitz im zentralindischen Bangalore. Das Produkt soll sich am Markt vor allem wegen seiner Schnelligkeit durchsetzen, die es einer eigenen Grafikkarte verdankt.

Dreidimensionale Animationsprogramme lassen sich mit "3D Geometry - Men at Work" erstellen. Die Entwickler des Systems sitzen in der westindischen Universitätsstadt Puna und haben sich die Produktbezeichnung zum Firmennamen erkoren.

Nicht auf der Systems vertreten, aber als Nischenanbieter sicher interessant, sind zwei andere Unternehmen: Wie Men at Work so hat auch Brainware seinen Standort in Puna. Die von der indischen Luftwaffe eingesetzte und jetzt für den internationalen Vertrieb freigegebene "Brainware-Box" ist dafür ausgelegt, Flugschreiber-System eizuspeisen, um kritische Flugsituationen zu analysieren.

Unterschriften zu verifizieren, ist die Aufgabe von "Signmaster", einem Produkt der Computech International, Kalkutta, die sich damit vor allem an die Finanzdienstleistungs- Branche wendet. Wer sich für die beschriebenen Softwaresysteme interessiert, sollte sich an die International Trade Marketing GmbH (ITM) in Bad Homburg wenden.

Eine Sonderstellung unter den indischen Software-Anbietern nimmt die Larsen & Toubro Ltd. (L&T) ein: Zum einen haben die 130 auf den Export von Turnkey-Projekten und Software-Maintenance spezialisierten Software-Entwickler des in Bombay ansässigen Industriekonzerns Zugang zu einem - aufgrund der restriktiven Importpolitik fast unerschwinglichen - IBM-Mainframe mit ES/9000-Architektur.

Zum anderen unterhält L&T auch eine kleine Niederlassung in Düsseldorf, was die Inder in die Lage versetzt, statt des klassischen Bodyshoppings die eigenverantwortliche Abwicklung von Softwareprojekten anzubieten: Wenn der Kunde es wünscht, führen L&T-Mitarbeiter die Systemanalyse vor Ort durch; codiert wird dann - wie gehabt - in Indien.

Die Präsenz des Anbieters im Absatzland wirkt sich entscheidend auf die Akzeptanz der Produkte aus und stellt deshalb für die indischen Software-Unternehmen eine Conditio sine qua non für den Zugang zum europäischen Markt dar. Da die Bundesrepublik Deutschland Nicht-Europäern im Regelfall nur eine auf drei Monate befristete Arbeitserlaubnis erteilt, müssen sich die Igep-Verantwortlichen etwas einfallen lassen: In der Diskussion ist ein "Software Promotion Center", das in den Räumen der ITM installiert werden und als Gesprächsangebot für die Kunden zur Verfügung stehen soll.