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18.02.1994

Individualentwicklung rechnet sich erst ab 200 Nutzern CBT: Einsatz neuer Medien als Inselloesung ist problematisch

Computerbasiertes Training (CBT) bietet nach Meinung von Karl Hoffelner* die Moeglichkeit, den heutigen Schulungsanforderungen bezueglich Qualitaet, Zeit und Kosten gerecht zu werden. Im nachfolgenden Beitrag erlaeutert er, worauf es bei einem erfolgreichen CBT-Projekt ankommt, soll das innovative Konzept nicht nach anfaenglicher Euphorie wieder in der Versenkung verschwinden.

Der Einsatz von CBT hat bei Digital Equipment langjaehrige Tradition. Es werden viele CBT-Loesungen entwickelt und in der Mitarbeiterschulung erfolgreich eingesetzt. Die Akzeptanz des computergestuetzten Trainings liegt bei 95 Prozent. Durch die Moeglichkeit des individuellen Lernens reduzierten sich die Ausbildungszeiten durchschnittlich um 30 Prozent. Die Kosten sanken um 40 Prozent, da sich die Schulungen dezentral durchfuehren liessen.

Die Lernprogramme wurden zum Grossteil fuer den technischen Kundendienst entwickelt, aber der Einsatz erfolgt auch im Verkaufs-, Management- und Applikationstraining. Allerdings nutzt diese Schulungssoftware oftmals die Videotechnik, wofuer spezielle Hardware (Video-Board, Bildplattenspieler) erforderlich ist. Dadurch stand CBT nur auf speziellen Lernsystemen zur Verfuegung.

Hohe Entwicklungskosten bilden den kritischen Punkt

Die Technologie hat sich in den letzten Jahren jedoch rasant weiterentwickelt. Dem gezielten und effektiven Multimedia-Einsatz steht heute im Prinzip nichts mehr entgegen. In diesem Zusammenhang haben die neuen Medien - speziell die Audio- und Videotechniken in Verbindung mit dem Rechnereinsatz - in der Aus- und Weiterbildung besonders an Bedeutung gewonnen. Die Technologie sollte jedoch nicht im Vordergrund stehen, sondern das didaktische Konzept. Es muss so ausgerichtet sein, dass eine adressaten- und mediengerechte Ausbildung gewaehrleistet ist.

CBT-Ausbildung findet nicht zentral, sondern vor Ort (am Uebungs-, moeglicherweise auch am Arbeitsplatz) statt. Feste Zeitvorgaben bestehen nicht, es wird individuell geschult, wenn die Anforderung besteht. Das Training erfolgt dabei nicht produkt-, sondern aufgabenorientiert.

CBT setzt bestimmte Rahmenbedingungen voraus. So muessen die Inhalte eine gewisse zeitliche Gueltigkeit haben und darstellbar sein. Ferner benoetigt der Adressat die Faehigkeit des Selbstlernens. Um flaechendeckend schulen zu koennen, ist zudem die entsprechende Infrastruktur aufzubauen, zum Beispiel PCs als Uebungsplaetze.

Entsprechend den Lernzielen erfolgt die Informationsdarstellung durch gezielten Einsatz von Text, Grafik, Animation, Realbildern, Audio und Video. Speziell Audio- und Videotechnik kann die Qualitaet von Lernprogrammen wesentlich verbessern beziehungsweise schafft erst die Moeglichkeit, vorgegebene Ziele zu erreichen.

Das Lesen am Bildschirm ist aus ergonomischer Sicht ein kritischer Punkt von CBT-Loesungen, da es relativ anstrengend ist. Durch Verwendung von Audio laesst sich der Umfang der Textinformationen auf das Wesentliche reduzieren. Die Informationsaufnahme wird betraechtlich erleichtert. Dies ist aber nicht der einzige Vorteil.

Die synchrone Darstellung von Informationen unterstuetzt den Lernprozess entscheidend. Werden Grafiken und Animationen mit begleitendem Text erklaert, fuehrt dies zu einem permanenten Wechsel von Lesen und Betrachten. Durch Einsatz von Ton koennen Grafiken, Bilder, Animationen und Ablaeufe wirkungsvoll kommentiert werden.

Diese Erfahrung machte auch ein oesterreichisches Unternehmen, das derzeit per CBT die Grundlagenschulung in der grafischen Datenverarbeitung durchfuehrt. Man nutzt dort eine auf einer grafischen Oberflaeche basierende Applikation zum Erfassen und Aendern von Plaenen.

Die hohen Entwicklungskosten fuer solche Lernprogramme stellen einen oft diskutierten und kritischen Faktor dar. Sie stehen jedoch den verglichen mit herkoemmlichen Schulungsmethoden niedrigen Nutzungskosten pro Lernenden und den geringen Organisationskosten gegenueber. Ausserdem entfallen die hohen Entwicklungskosten beim Einsatz von Standardsoftware.

Manchmal sind Lernprogramme bereits in das zu trainierende Produkt integriert; zusaetzliche Schulungssoftware wird zum Preis von 80 bis 400 Mark fuer zwei bis fuenf CBT-Stunden angeboten. Die Akzeptanz solcher Loesungen ist aber mit 40 Prozent gering. Der Grund dafuer liegt darin, dass die meisten Standardlernprogramme Trainingsinhalte produktorientiert und funktionsspezifisch vermitteln, methodisch dem Adressaten nicht gerecht werden und in den wenigsten Faellen Audio- oder Videounterstuetzung aufweisen. Der Benutzer findet sich nicht wieder, das Lernziel wird in vielen Faellen nicht erreicht. Der Lernerfolg liegt bei rund 50 Prozent.

Bei individuellen, adressatenspezifischen Lernprogrammen liegt die Akzeptanz dagegen bedeutend hoeher, naemlich bei 80 bis 90 Prozent. Der Benutzer findet sich hier in seinem Arbeitsumfeld wieder, die vermittelten Inhalte entsprechen seinen Anforderungen. Selbststeuerungs- und Interaktionsgrad sind aufgrund einer Adressatenanalyse in das Lernprogramm integriert, die Informationsdarstellung ist adressaten- und mediengerecht. Um dies zu erreichen, sind fuer die Entwicklung einer Stunde Lernprogramm etwa 200 bis 250 Entwicklerstunden einzukalkulieren. Damit sich eine solche Loesung rechnet, sind mindestens 200 Schulungsteilnehmer Voraussetzung.

Waehrend im DV-spezifischen Umfeld der Einsatz von Text, Grafik, Animation und Realbildern sowie optional Ton oft zum Erreichen der Lernziele ausreicht, sind bei Nicht-DV-Themen, beispielsweise im Bereich Fertigung und Wartung, noch hoehere Anforderungen an die inhaltliche Darstellung zu erfuellen. Tonunterstuetzung ist fast ein Muss, der Einsatz von Video in vielen Faellen unerlaesslich.

Stufenkonzept erleichtert Weg zum Medieneinsatz

Fuer einen grossen Automobilhersteller wurde ein videogestuetztes Lernprogramm zur Schulung der Mitarbeiter in den Produktionsstaetten erstellt, das sich mit dem Thema "Qualitaet - unsere Aufgabe" auseinandersetzt. Die einfache Bedienung ermoeglicht ein beruehrungsempfindlicher Bildschirm, der alle Interaktionen umsetzt, ohne dass der Lernende die Tastatur benutzen muss. In Videosequenzen wird dem Werker in Fallbeispielen aufgezeigt, wie sich Qualitaetsmaengel beim Kunden auswirken, wie der Kunde reagiert und worin die Ursache lag. Es werden einzelne Produktionsschritte dargestellt und Abhaengigkeiten aufgezeigt - dem Mitarbeiter wird damit sein Beitrag zur Qualitaet bewusst.

Bei solchen videogestuetzten Lernprogrammen liegt die Akzeptanz im Bereich von 90 Prozent. Daneben ist aber vor allem die Verbesserung der Qualitaet in den einzelnen Produktionsstellen anzumerken. So verringerten sich die Maengel zum Beispiel in der Lackiererei um ueber 30 Prozent. Die Entwicklung eines Lernprogramms innerhalb eines CBT-Projekts ist vergleichbar mit einer Software-Entwicklung und soll gemaess den Qualitaetsanforderungen nach ISO 9001 durchgefuehrt werden.

Ein Phasenkonzept mit Analyse-, Design-, Entwicklungs- und Implementierungsabschnitt sichert die Angebotsstellung in bezug auf Umfang und Kosten. Ferner ermoeglicht diese Vorgehensweise eine exakte Planung. Sie laesst eine klare Aufgabenverteilung zu, gewaehrleistet eine einheitliche Darstellung, garantiert die kostenguenstige Realisierung und unterstuetzt die Fehlerfreiheit.

Der Einsatz der neuen Medien in der Schulung ist problematisch, wenn er nicht strategisch geplant und in einem Gesamtkonzept umgesetzt wird. Dies zeigt sich bei den vielen Inselloesungen, die vom Ansatz her zwar sehr vielversprechend sind und in der Pilotphase auch durchwegs die volle Akzeptanz der Adressaten finden, dann aber doch nach einmaligem Gebrauch in der Versenkung verschwinden.

Da die Infrastruktur oftmals nicht in dem geforderten Ausmass zur Verfuegung steht, bieten sich Stufenkonzepte an, die unter Einbindung der existierenden Basis in mehreren Schritten zu einer flaechendeckenden Loesung fuehren.

Eine Bank wollte ihre Beschaeftigten fuer die Arbeit mit dem PC ausbilden. Hier fand zunaechst ein eintaegiges Seminar statt. In der ersten Tageshaelfte erfolgte die Schulung in konventioneller Form ueber Trainer und mit Videounterstuetzung mit dem Ziel, zu informieren und zu motivieren. In der zweiten Haelfte wurden, angeleitet durch den Trainer, Lernprogramme bearbeitet, die Grundlagen im Umgang mit dem PC, das Arbeiten auf einer grafischen Oberflaeche sowie die Benutzung einer spezifischen Bankapplikation erklaerten.

Die Mitarbeiter koennen mit diesen Lernprogrammen auch am eigenen Arbeitsplatz lernen, wiederholen oder das Wissen auffrischen. In weiteren Ausbaustufen ist die Einbeziehung von Multimedia in Form von Audio und digitalisiertem Video vorgesehen.

Einsatzmoeglichkeiten

Mit CBT koennen Lernziele wie

- die Vermittlung grundlegender Fakten und Zusammenhaenge auf der Wissens- und Verhaltensebene,

- die Anwendung von Wissen in simulierten Situationen (lineare Fallbeispiele),

- die Foerderung von Problemloesungskompetenz (komplexe Fallbeispiele) sowie

- das Training von Effektivitaet und Kommunikation (Verhaltenstraining)

erreicht werden.

* Dr. Karl Hoffelner ist Gruppenleiter fuer den Bereich Rechnergestuetzte Informations- und Ausbildungssysteme bei der Digital Equipment GmbH, Bildungszentrum, Unterfoehring bei Muenchen.

Vorteile

Die wesentlichen Vorteile von CBT sind:

- Unabhaengigkeit von Zeit und Ort,

- Individualitaet bezueglich Lernweg und Lerntempo,

- gleichbleibende Ausbildungsqualitaet,

- Konsistenz der Ausbildung,

- permanente Verfuegbarkeit,

- permanente Lernkon- trolle,

- objektive Beurteilung,

- zentrale Administration der Auszubildenden,

- jederzeitige Wiederhol- barkeit,

- schnelle Aenderbarkeit sowie

- guenstige Kosten.