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26.03.1999 - 

Industrie fordert mehr Hilfe

Industrie fordert mehr Hilfe IT muß in der Politik zur Chefsache werden

HANNOVER (CW) - Daß sich Bundespräsident Roman Herzog bei der Eröffnung der CeBIT zum Fürsprecher für die Informationstechnologie aufgeschwungen hatte, paßte IBM-Personalvorstand Klaus Kuhnle gut ins Konzept. In seinen Augen müssen Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen, um den Mangel an IT-Experten abzubauen.

"Wenn der Bundespräsident die IT-Industrie als Wachstumsbranche rühmt, hört sich das aus seinem Mund ganz anders an als aus meinem", gab Kuhnle bei der Pressekonferenz des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) zum IT-Standort Deutschland zu. Für den IBM-Manager sind schöne Worte aber nur der Anfang. Angesichts von 500000 unbesetzten IT-Arbeitsplätzen in Europa und 75 000 offenen Stellen in Deutschland müßten auf Worte Taten, sprich Gelder folgen, damit der Expertenmangel nicht zur Wachstumsbremse werde.

Auf seiten der Industrie sieht Kuhnle schon alle Hebel in Bewegung gesetzt. So hätten große Firmen wie etwa IBM in den vergangenen Jahren kontinuierlich ihre Ausbildungskapazitäten erhöht. Außerdem würden sowohl Firmen wie auch der VDE bereits in den Schulen für informationstechnische Studiengänge werben. Denn auch in den Hörsälen gibt es noch genügend freie Plätze, wie Jörg Eberspächer, Ordinarius am Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der Technischen Universität München, berichtet.

Was den Anschluß der Schulen ans Internet betrifft, sah Kuhnle einen großen Nachholbedarf: "In Deutschland hinken wir im Vergleich zu Ländern wie den USA und Singapur eineinhalb Jahre hinterher. Wir müssen nicht die Schulen, sondern jeden Schüler ans Netz bringen." In der entscheidenden Frage der Finanzierung dürfe die Politik aber nicht auf die Industrie warten, sondern müsse selbst Gelder lockermachen (siehe Interview auf Seite 11). Die Industrie investiere nicht in die Schulen, da diese kein Geld hätten und darum "schlechte Kunden" seien. Dem widersprach Hochschullehrer Eberspächer: "In den USA wird das Internet 2 im wesentlichen durch die Industrie finanziert." Auch in Deutschland sollte man eine Mischfinanzierung finden, wenngleich der Staat in die Lehrerfortbildung investieren müsse.

Daß sich solche Investitionen in Zukunft auszahlen, davon waren die VDE-Vertreter überzeugt. Denn auch nach dem Jahr 2000 und der Umstellung auf den Euro prophezeien sie der IT-Branche einen ungebrochenen Boom. Für Kuhnle ist der Electronic Commerce der Hoffnungsträger in Sachen Wachstum und mehr Arbeitsplätze. Eberspächer sieht in der Kommunikation zwischen den Endgeräten ein ungeahntes Potential: "Wer hätte geglaubt, daß Cisco oder 3Com mit ihrem komischen LAN-Geschäft einmal so erfolgreich werden?" In diesem Sinn müsse man auch in Deutschland Marktnischen entdecken.