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18.05.1990 - 

Messe AG will künftig fertigungsnahe Losungen forcieren

Industrie-Messe: DV-Branche nur noch als Komponentenlieferant

HANNOVER (dow) - Im fünften Jahr nach der Teilung sind die Verhältnisse klar: DV-Anbieter müssen künftig den Messeplatz Hannover nur noch einmal beschicken. Bereits zur diesjährigen Industrie-Messe fehlte die Mehrzahl der Betriebe aus der Datenverarbeitungs-Branche.

Unternehmen wie DEC oder Norsk Data - 1989 noch mit einem eigenen Stand als Aussteller in der Halle 18 dabei - waren in diesem Jahr gleich zu Hause geblieben; dies veranlaßte Prime-Deutschland-Chef Erwin Leonhardi, der in der Leinestadt Flagge zeigte, zu der Feststellung: "Wenn die Konkurrenz ganz fehlt, dann haben auch die Kunden nichts mehr von der Veranstaltung."

"Wo Industriemaschinen ausgestellt werden, da sind unsere Kunden", begründet IBM-Standleiter Roland Czernich die Teilnahme seines Unternehmens an der Messe. Der Branchenerste hat es den Partnern auf seinem Stand überlassen, ein CIM-Konzept mit Lösungen zu zeigen, und sich selbst mit seinen Rechner-Produkten sehr zurückgenommen. Damit hielten sich die Stuttgarter weitgehend an das von der Messe AG vorgegebene Konzept.

Die Strategie der Messeplaner skizziert Erwin Kontny, bei der Messe AG als Geschäftsbereichsleiter Halle 18, so: Zur Industrie-Messe sind lediglich Anbieter von fertigungsnahen Produkten erwünscht, und DV-Hersteller fallen nach dem Willen der Messemacher künftig nur noch unter die Rubrik "Komponentenlieferant". Mit diesem Konzept sollen die Fehler der vergangenen Jahre nicht wiederholt werden.

Messe-Trennung fand keine Akzeptanz

Nach der Trennung hatte die DV-Branche zur CeBIT und zur Industrie-Messe im wesentlichen die gleiche Produktpalette ausgestellt. Die Anbieter mußten freilich feststellen, daß damit die typischen Messebesucher, nämlich die Ingenieure nicht anzusprechen waren. Noch im vergangenen Jahr versuchten daher beispielsweise Unternehmen wie Norsk Data über CAD-Angebote die Schnittstelle zwischen CeBIT und Industrie-Messe zu überbrücken. Aber auch dies fand offenkundig nicht die Zustimmung der Fertigungsexperten.

Messeplaner Kontny, selbst ein gelernter Ingenieur, meint den auch mit Blick auf die Akzeptanz des Themas CIM in den vergangenen Jahren, daß die DV Branche sich mit dem Versprechen, Komplettlösungen liefern zu können, selbst übernommen und demgegenüber dem Dialog mit den Ingenieur en zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. Dieses Manko wollte er in diesem Jahr mit der Organisation der "Fabrik mit Zukunft" ausgleichen.

Kernstück der Modellfabrik war eine von Festo und dem Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes entwickelte Fertigungsanlage, die aus fünf Stationen bestand. Drei Funktionsebenen zur Planung, Konstruktion und Fertigung kommunizierten über ein Ethernet-Netz mit dem Standardprotokoll TCP/IP.

"Weitgehend zufriedenstellend", beurteilte Stefan Amts von Apple am letzten Tag der Industrie-Messe die Teilnahme an der "Fabrik mit Zukunft". Zwar habe man den deutlichen Besucherrückgang gespürt - zur Messe kamen nach Angaben des Veranstalters in diesem Jahr nur 400 000 Besucher gegenüber rund 445 000 im Jahre 1988 -, doch habe beispielsweise das Apple-Team, das im Rahmen des Projekts für die Qualitätssicherung zuständig war, "deutlich mehr Kontakte als im Vorjahr zu Kunden anbahnen" können. Erstaunlich sei außerdem, daß die Anzahl der ausländischen Besucher mit 28 Prozent höher gewesen sei als im Vorjahr, bemerkte Amts. Zur Messe kamen übrigens auch rund 20 000 Studenten weniger nach Hannover als 1988, weil in diesem Jahr zur Messe keine Semesterferien waren.

Mit der technischen Realisation der Modell-Fabrik sehr zufrieden waren auch die für den Bereich Konstruktion und Planung verantwortlichen NCR-Mitarbeiter. Als Verfechter offener Systeme zeigte sich Standleiter Heinz-Günter Kirschen besonders beeindruckt von der Zusammenarbeit der am Markt miteinander konkurrierenden Unternehmen. Auf eine Teilnahme mit eigenem Messestand hatte NCR bereits im dritten Jahr nach der Teilung verzichtet. In der Mitarbeit an dem Projekt der Modellfabrik sieht der NCR-Vertreter eine gute Möglichkeit zu zeigen, "was überhaupt möglich ist".

Andererseits sei die Industriemesse auch das Forum, Kunden aus der Fertigung anzusprechen, die sich sonst nur selten mit der Datenverarbeitung auseinandersetzen.