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21.04.1989 - 

Zeit der Rekorde in Hannover ist vorbei:

Industriemesse bei CIM-Anbietern umstritten

HANNOVER (CW) - Das CIM-Konzept der Deutschen Messe AG in Hannover für die diesjährige Industriemesse hat nicht gegriffen. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Anbieter von C-Technologien unzufrieden. In der Halle 18 blieben die meisten Stände im Vergleich zu vorangegangenen Jahren weitgehend leer. Der allgemeine Besucherschwund fiel bei den DV-Unternehmen doch drastischer aus als bei den übrigen Ausstellern.

Trotz der Jubelarien von Ministern, Vertretern der Industrie und von Verbänden über den Aufschwung der Wirtschaft haben die Besucherzahlen in diesem Jahr die Rekordmarken der vergangenen Jahre nicht erreicht. Bis zur Halbzeit am Samstag waren insgesamt 232 000 Besucher auf das 2 176 600 Quadratmeter große Areal gekommen. Im Jahr 1987, das wegen des zweijährigen Rhythmus mancher. Ausstellungsbereiche zum Vergleich für die diesjährige Messe herangezogen werden muß, zählte die Messe AG sogar fünf Prozent mehr Besucher als in diesem Jahr.

Aloys-Dieter Lükewille, Standleiter der Philips Kommunikations Industrie AG (PKI), schätzt, daß in die Halle 18 sogar 10 Prozent weniger Besucher kamen als im Vorjahr. Am ersten Messetag mußte sich der Leiter des Comptence Centers Industrie der PKI in Siegen sogar nur mit 60 Prozent der Besucherscharen von 1 988 begnügen.

Weitgehend Flaute herrschte auch auf dem Stand von Norsk Data. Der zweite Tag brachte nach Auskunft von Unternehmenssprecher Axel Schornstein zwar eine leichte Steigerung, das angesteuerte Ziel konnte jedoch längst nicht erreicht werden. Das deutliche Auftragsplus seines Unternehmens von 30 Prozent im ersten Quartal des Geschäftsjahres spiegelte sich nach seiner Meinung im Messegeschehen nicht wider.

Auch die ClM-Experten der Nixdorf Computer AG hatten geruhsame erste Messetage. "Da auch für die zweite Messehälfte nichts anderes zu erwarten ist, werde ich Personal nach Hause schicken", beschloß der Standverantwortliche Dieter Maszcyk am Samstag. Der vom Stuttgarter CIM-Technologiecenter angereiste Leiter Industriemarketing stellt den Sinn der Teilnahme seines Unternehmens an der Industriemesse deutlich infrage. Sein Maßstab für eine erfolgreiche Präsenz ist die Zufriedenheit der Vertriebsleute. Und die können auf der Industriemesse zusätzlich zur CeBIT kein Geschäft mehr machen faßt er seine Erfahrungen zusammen.

Die Unternehmensvertreter sind sich über die Gründe für das Ausbleiben der Kundschaft im großen und ganzen einig: C-Techniken wollen die Besucher auf der CeBIT sehen. Der Zeitabstand zwischen den beiden Messen sei außerdem für die Klientel der Aussteller in der Halle 18 zu kurz. Hinzu komme, daß eine Differenzierung im Produktangebot für die CeBIT und Industrie für DV Unternehmen, die Komplettlösungen zeigen wollen, erhebliche Probleme bringe. Die von der Messe AG gewünschte Festlegung des Ausstellungsprogramms auf die Teilbereiche Bürokommunikation zur CeBIT und Fertigung zur Industrie sei in einer Zeit, in der der Kunde Lösungen verlange, für die Aussteller ein Problem. Es können zur Industriemesse nicht einfach Komponenten ausgelassen werden, die zum Gesamtangebot einer ClM-Lösung gehören meint dazu Jeanette Greis von der Strässle Datentechnik GmbH.

Die Verantwortliche für Marketingservice und Werbung des Stuttgarter Anbieters für Konstruktionssysteme beklagt auch einen deutlichen Besucherrückgang für die diesjährige CeBIT, deren Verlauf von den übrigen Unternehmern im Rückblick positiv bewertet wird. Der finanzielle und personelle Aufwand des Unternehmens für die Industriemesse ist ihrer Meinung nach ein kostspieliger Beitrag zur Imagepflege Als Konsequenz will Strässle im kommenden Jahr auf die Teilnahme an der Industriemesse verzichten

Auf eine völlige Messeabstinenz für die Industriemesse 1990 mögen sich die anderen DV-Anbieter noch nicht festlegen. Das Beispiel von HP und DEC, die in diesem Jahr nur auf der CeBIT vertreten waren, erscheint den übrigen, unzufriedenen Standleitern richtungsweisend. Eine Alternative zur völligen Abstinenz demonstrierte die IBM: Sie präsentierte sich nur über Partner auf der Industriemesse .

"Kontakte nicht überbewerten"

Obwohl auch auf dem Stand von Wang nicht mehr Besucher zu sehen waren als in anderen Teilen der Halle, schien Peter Zimmer von der Hamburger Geschäftsstelle zufrieden zu sein. Er berichtete von Kontakten mit Geschäftsführern und Inhabern von Betrieben. Dies sei so während der CeBIT nicht zustande gekommen.

Auch auf dem Stand des PC-Anbieters Tulip, für den die Teilnahme an der Industriemesse ebenso wie für Wang eine Premiere darstellte, war die Stimmung ausgezeichnet. Das Ergebnis sei sogar besser als auf der CeBIT, berichtete Produktmanager Axel Riedner, für den eine Teilnahme an der Industriemesse 1990 bereits beschlossene Sache ist. Kollegen anderer Unternehmen beurteilen die Einschätzung der Wang- und Tulip-Mitarbeiter eher skeptisch. Ihrer Meinung neigten Messeneulinge dazu, Kontakte zu hoch zu bewerten, da sie sich einen Mißerfolg nicht eingestehen mögen.

Auch auf dem Stand der Prime Computer GmbH, Wiesbaden, war die Mehrzahl des Personals damit beschäftigt, Kaffee zu trinken statt beratend tätig zu sein. Zwar kämen weniger Besucher als im Vorjahr und der Stand sei für diese Messe auch etwas groß geraten, aber die Messe sei dennoch ein Erfolg, resümierte Michaela Dietz, zuständig für Marketing Kommunikation. Die Begründung für die Erfolgsmeldung lieferte ihr Chef Erwin Leonhardi, Geschäftsführer des Unternehmens. Die Kunden aus der Automobilindustrie seien schließlich als Aussteller auf dem Messegelände, stellte er fest. Die Kunden würden die einmal im Jahr gegebene Möglichkeit der kurzen Wege intensiv nutzen.

Von einem Rückzug der C-Techniken von der Industrie kann nach Ansicht der Verantwortlichen der Messe AG nicht die Rede sein.

Ihre Meinung nach gehören sie als unverzichtbare Bestandteil dazu. Es müsse jedoch noch viel Aufklärrungsarbeit auch seitens der Aussteller geleistet werden, um Productionsfachleute und Ingenieure als Interessenten für das Produktspektrum der DV Anbieter zu gewinnen, meint Karl-Heinz Kontny, zuständiger Geschäftsberichsleister der Messe AG.

Dem Informationsbedarf der Fachleute aus der Fertigung würde eher eine kompakte praxisnahe Demonstration an Maschinen gerecht werden als die aufwendige Präsentation von Gesamtlösungen.