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09.05.2003 - 

Das neue Stichwort lautet Dezentralisierung

Infineon muss weiter sparen

MÜNCHEN (CW) - Statt die viel diskutierte Frage nach der Verlagerung der Firmenzentrale zu beantworten, kündigte Infineon-Chef Ulrich Schumacher vor Pressevertretern in München in der vergangenen Woche zunächst nur verschiedene Einzelmaßnahmen an. Unter anderem wird der Konzern 900 weitere Mitarbeiter entlassen.

Es scheint im Moment der Weg des geringsten Widerstandes zu sein: Die Konzernzentrale von Infineon bleibt bis auf weiteres in München. Damit ist auch die Frage, ob Infineon weiter im Dax vertreten sein wird, zurückgestellt. Nach dem Regelwerk der Deutschen Börse ist die Aufnahme in den wichtigsten deutschen Aktienindex lediglich für Firmen möglich, die ihren Sitz in Deutschland haben. Spekulationen, wonach in Frankfurt darüber diskutiert wird, auch nicht-deutsche Unternehmen in den Index aufzunehmen, wollte eine Börsensprecherin nicht bestätigen.

Eine konkrete Mitteilung der Münchner zur Standortfrage wird nun frühestens ab Herbst dieses Jahres erwartet. Dennoch verabschieden sich schon jetzt Teilbereiche des Unternehmens ins Ausland. Ein erster Schritt war die Verlegung der Buchhaltung nach Portugal, nun gab Schumacher bekannt, dass die Sparte Automobil- und Industrieelektronik komplett in das österreichische Villach umziehen wird. Da Infineon bereits einen Großteil der Forschung und Produktion des Geschäftsbereiches mit rund 2000 Beschäftigten hier angesiedelt hat, müssen lediglich 70 bis 80 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz wechseln.

Bis zu 900 andere Infineon-Mitarbeiter werden nicht so glimpflich davonkommen. Wie Schumacher mitteilte, müssen angesichts der weiter angespannten Marktlage in den nächsten Monaten wieder Arbeitsplätze abgebaut werden. 2001 hatte der Siemens-Ableger bereits 5000 Stellen gestrichen. Diesmal trifft es rund 150 schwedische Kollegen aus der von Ericsson übernommenen Mikrochipsparte, bis zu 500 Beschäftigte in Zentralfunktionen sowie zirka 250 Angestellte, die der Auslagerung unterschiedlicher Aufgaben zum Opfer fallen werden. Infineon prüft derzeit Angebote für die Ausgliederung von Bereichen wie IT, Logistik, Gebäude- und Facility-Management sowie Personalwesen, die "nicht zur Kerntätigkeit des Konzerns zählen". Laut Schumacher dürfte es in zwei bis drei Monaten konkretere Ergebnisse zu diesem Thema geben.

Für den Konzern, der seit acht Quartalen rote Zahlen schreibt, sei es das Wichtigste, die Profitabilität zu erreichen, so Schumacher: "Diesem Ziel sind alle Maßnahmen und Planungen untergeordnet". Prüfungen hätten ein Einsparpotenzial von rund 500 Millionen Euro ergeben, allein in diesem Jahr ließen sich die Kosten bereits um 50 Millionen Euro reduzieren.

Während Schumacher auf der Pressekonferenz ausgiebig die organisatorischen Pläne diskutierte, schwieg er zu weiteren finanziellen Maßnahmen und ließ einen Tag später völlig überraschend mitteilen, dass der Konzern eine siebenjährige Wandelanleihe im Volumen von rund 700 bis 725 Millionen Euro begeben wird. Die Aktien von Infineon kamen nach der Ankündigung unter Druck: Die Papiere fielen in den ersten eineinhalb Handelsstunden um 5,4 Prozent auf 6,63 Euro. (rs)