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04.04.2003 - 

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten arbeitslos?

Infineon stoppt Leistungsprogramm

MÜNCHEN (CW) - Der Halbleiterkonzern Infineon mustert seine so genannten Minderleister in Deutschland vorerst nicht mehr aus. Das umstrittene Programm zur Steigerung der Effizienz der Mitarbeiter läuft weltweit allerdings weiter. Hierzulande sucht das Unternehmen nach einer Einigung mit den Betriebsräten. Von CW-Mitarbeiterin Bettina Wirth

Unter dem Druck des Gesamtbetriebsrates setzt die Infineon AG ihr Programm zur Effizienzsteigerung der Mitarbeiter vorerst aus. Das Programm sah vor, bis zu 20 Prozent der Beschäftigten mit schwachen Leistungen zu identifizieren und sie entweder weiterzubilden, zu versetzen oder zu entlassen. Die deutschen Mitarbeiter dürfen zwar verschnaufen - weltweit ist das Thema aber keineswegs vom Tisch. Ulrich Schumacher, der das Programm im Herbst letzten Jahres bekannt gab, plant, sich weltweit von etwa fünf Prozent der Belegschaft zu trennen. Weitere 15 Prozent will das Unternehmen qualifizieren oder intern versetzen.

Wigand Cramer, Infineon-Experte bei der IG Metall, warnt, dass es irgendwann jeden treffen könne: "Wenn Minderleister aussortiert werden, sind immer wieder zehn Prozent die Schlechtesten." Außerdem habe das Ranking bei Konzernen in den USA Formen der klassischen Diskriminierung angenommen: Überproportional häufig seien ältere, farbige und spanischstämmige Mitarbeiter unter den Schwächsten gelandet.

Ein Vorgesetzter bewertet bei dem Modell "Performance Culture" einerseits die Arbeitsleistung und andererseits das Potenzial seiner Mitarbeiter jeweils nach einer dreistufigen Skala: Der Mitarbeiter erfüllt die Erwartungen demnach nicht angemessen, angemessen oder er übererfüllt sie. Das Potenzial reicht entweder für diese Position, für die nächsthöhere oder für die übernächste Stufe auf der Karriereleiter.

Durch dieses simple Bewertungsschema seien die Mitarbeiter stark vom Vorgesetzten abhängig, so Cramer: "Ich halte das System für Quatsch. Es ist die Kapitulation des Managements vor der Personalführung." Ohnehin sei dieses Instrument überflüssig, da Firmen bereits über ausreichend Möglichkeiten verfügen, Arbeitsergebnisse zu überprüfen und Mitarbeitern zu kündigen.

Infineon will dennoch an dem System festhalten und die Verhandlungen über das Beurteilungsverfahren im Juni fortsetzen. Cramer rechnet allerdings mit schwierigen Gesprächen. So sei beispielsweise noch nicht über das Trennungs-Management verhandelt worden. Da es sich bei dem Modell um ein relatives Beurteilungssystem handele, entstehe kein objektiver Maßstab: "Nach zwei Jahren gibt es keinen mehr im Unternehmen, der wirklich schlecht ist", mahnt der Gewerkschaftsvertreter. Danach beginne der Kampf unter den Guten. Nach welchen Kriterien sich der Arbeitgeber dann von den unteren fünf Prozent trennen darf, sei derzeit völlig unklar.