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22.02.2002 - 

Return on Investment (RoI)/Rechnen Sie sich reich!

Inflation der Scharlatanerie im Zeichen des RoI

MÜNCHEN (ajf) - Die Berechnungsansätze für IT-Investitionen treiben seltsame Blüten: Der Markt erlebt eine Schwemme an Online-RoI-Rechnern, mit denen die Anwender - innerhalb weniger Minuten - den genauen Zeitpunkt bestimmen können, an dem sich "die neue Lösung" rechnet. Die erzielten Ergebnisse offenbaren häufig eine unfreiwillige Komik; als Argumentationsgrundlage bei Investitionsvorhaben eignen sie sich in der Regel jedoch nicht.

Mit einem derartigen Online-Rechner für den RoI ihres Defragmentierungsprogramms "Defrag" traut sich beispielsweise die O&O Software GmbH ins Internet. Annahme des Herstellers ist ein grassierender "Effizienzverlust" durch fragmentierte Festplatten in den PCs der Nutzer. Sollte die Einbuße dadurch nur ein Prozent der täglichen Arbeitszeit betragen, komme bei Lohnkosten von 25 Euro pro Stunde und 100 Mitarbeitern ein Jahresfehlbetrag von 48000 Euro heraus.

Dem lasse sich mit dem Kauf einer Defragmentierungssoftware entgegensteuern, die sich bei Lizenzkosten von rund 3000 Euro bereits innerhalb von 16 Tagen amortisiert habe. Leider, so schränkt der Berliner Hersteller im Kleingedruckten ein, handelt es sich bei der Berechnung lediglich um eine "Schätzung", die zur Veranschaulichung der Kosten-Nutzen-Aufstellung dient und keine verbindliche Größe ist.

Grund für den Rückzieher sind die vielen Unbekannten in der Gleichung, die sich für eine konkrete Analyse nur schwer eingrenzen lassen: Kein Arbeitgeber kann ernsthaft davon ausgehen, dass seine Mitarbeiter 100 Prozent ihrer Arbeitszeit sinnvoll und vor allem effizient nutzen, bloß weil die Festplatten regelmäßig defragmentiert werden. Erschwerend kommt in diesem Fall hinzu, dass die meisten Windows-Installationen ohnehin über ein kostenloses Defragmentierungs-Tool verfügen.

Die E-Marketiers von Llynch bieten hingegen ein kleines Excel-Tool an, mit dem sich das vermeintliche Sparpotenzial für eine Firma mittels automatisch beantworteter E-Mails messen lässt. Grundlage der RoI-Rechnung sind einmalige Anschaffungskosten für die Softwaresuite von 40000 Mark - allerdings explizit ohne Anpassung an die Bedürfnisse des Anwenders. Dies führt kurzerhand zu einem völlig neuen IT-Paradigma: Der finanzielle Aufwand für Customizing ist eine zu vernachlässigende Größe. Endlich einmal gute Nachrichten für IT-Anwender.

Etwas geschickter geht der US-amerikanische Softwareanbieter Extensity ans Werk. In seinem RoI-Calculator für ein Programm zur Reisekostenabrechnung muss der Nutzer einige Felder anklicken und dadurch seinen internen Prozess definieren. Die durchschnittlichen Aufwendungen für die Abwicklung lassen sich dann an der "Kennzahl" einer vermeintlich neutralen Best-Practice-Untersuchung messen. Das Ergebnis ist in der Regel erschütternd: Der Idealfall ist weit entfernt, stattdessen bewegt man sich im Dunstkreis des "Worst-Case-Szenarios". Mit einer Einschränkung: Die wahren Kosten seien wegen der individuellen Situation jedes Unternehmens nur schwierig zu messen, heißt es.

So weit, so schlecht. Unter der Hand geben die meisten IT-Anbieter unumwunden zu, dass es sich bei den RoI-Rechnern in erster Linie um ein zusätzliches Verkaufsargument handelt. Vielleicht, so die vage Hoffnung, fällt ja jemand darauf rein. Das Hauptmotiv der Bemühungen scheint jedoch zu sein, auf eventuelle Anwenderfragen nach dem RoI stets eine wie auch immer geartete Antwort parat zu haben. Dies betrifft auch das Web, schließlich handelt es sich hierbei lediglich um einen weiteren Vertriebskanal.

Folglich ist die Liste der RoI-Tools im Web in den letzten Monaten stetig angewachsen; allein die Suchmachine Google.com listet 37000 Einträge mit den Begriffen "RoI" und "Calculator" auf. So findet sich neben Firmen wie J.D. Edwards, Lotus, Cisco, Computer Associates, Surfcontrol, Datacore oder Autonomy auch eine spezielle Website für den Nutzen des Umstiegs auf Windows XP. Dadurch spare jeder Anwender pro Woche allein 20 Minuten seiner Arbeitszeit, "da nicht ständig neu gestartet werden muss". Durch die "verbesserte Benutzerfreundlichkeit" von Windows XP werden pro Monat noch einmal 60 Minuten herausgeholt. In das skurrile Ergebnis fließt dann noch ein "Diskontsatz" von 15 Prozent ein - man hätte wohl auch die Raumtemperatur im Büro und den Reifendruck des Dienstwagens berücksichtigen können.