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Info '95: IT-Tools kurbeln das Geschaeft von morgen an

01.12.1995

Seit fuenf Jahren veranstaltet der Berliner Unternehmensverband e.V. (UVI) sein jaehrliches DV-Gespraech. In diesem November praesentierte sich die Konferenz neu. Nicht nur das Logo - Info '95 - hatten die Initiatoren geaendert, sondern auch den Rahmen des Treffens: Zwei bisher parallel im Land Brandenburg veranstaltete Tagungen wurden mit dem Erfahrungsaustausch in Potsdam zusammengelegt.

Als kurz nach der Wende der in Ostberlin gegruendete UVI 1991 zum ersten DV-Talk einlud, waren die neuen ostdeutschen Firmen gerade dabei, sich in der Marktwirtschaft zu orientieren und Kunden zu akquirieren.

Bereits ein Jahr spaeter, erinnert sich Jaroslav Piclek, Vorstandsvorsitzender des Vereins, habe das damals als DV- Unternehmergespaech Ost bezeichnete Treffen bei den Teilnehmern "zu Verwirrungen gefuehrt". Der Osten alleine, meinten sie, koenne kaum noch viel bewegen. Mit westlichen Partnern seien die Chancen groesser.

Das seit dieser Zeit in DV-Unternehmergespraech - "eine viel zu lange Bezeichnung fuer unsere Branche", so der Informatiker - geaenderte Logo habe sich nun ueberlebt.

Waren es frueher vorwiegend Anbieter, die das Podium fuer einen Erfahrungsaustausch nutzten, so kaemen jetzt vor allem Nutzer aus allen Branchen.

Die jaehrliche Konferenz moechte der UVI kuenftig nicht mehr im Alleingang organisieren. Mit dem Brandenburger Ministerium fuer Wirtschaft, Mittelstand und Technologie einigte man sich erst einmal fuer die diesjaehrige Veranstaltung, die am 10. und 11. November in Potsdam stattfand, auf ein gemeinsames Meeting, das das UVI-Gespraech, die III. Brandenburger IuK-Tagung sowie die Eva Berlin-Brandenburg unter einen Hut brachte. Im Hinblick auf die zu erwartende Laenderehe sei die Integration der drei Veranstaltungen in die Info '95 der einzig richtige Weg, so die Initiatoren.

Der Schritt wird von den Landesvaetern nicht ungern gesehen, zumal es um den Aufbau einer globalen Informationsstruktur gehe, sagte Michael Pieper, Staatssekretaer im Brandenburger Ministerium fuer Wirtschaft, Mittelstand und Technologie, in Potsdam.

Das gegenwaertige Volumen der IuK mit ihren Dienstleistungen wuerde zur Zeit weltweit auf etwa 1,2 Billionen Mark geschaetzt: "Mehr als ein Drittel des bundesdeutschen Sozialproduktes." Schon aus wirtschafts- und beschaeftigungspolitischen Gruenden duerften Berlin und Brandenburg dieser Entwicklung nicht hinterherhinken.

Mit gezielter Foerderung sollten innovative Projekte von den Laendern staerker finanziell gestuetzt werden. Eine grosszuegige Verteilung von Geldern nach der Devise "Fuer jeden ein bisschen" bringe jedoch kaum Erfolge. Brandenburg habe als erstes Bundesland 1993 spezielle IuK-Programme gestartet und bisher 15 Projekte mit rund drei Millionen Mark abgesichert.

Nach Brandenburg und Berlin wollen im naechsten Jahr auch die anderen Bundeslaender gleichziehen. Im Rahmen der Offensive "Bayern Online" haelt die dortige Staatsregierung unter anderem 100 Millionen Mark fuer die IT-Modernisierung bereit. Thueringen will demnaechst ein landeseigenes IuK-Foerderkonzept auflegen und Pilotprojekte mit bis zu vier Millionen Mark unterstuetzen. Etwa acht Millionen Mark laesst sich Mecklenburg-Vorpommern sein neues Landesinformationsnetz kosten, und Sachsen ist zur Zeit dabei, im Rahmen des europaeischen Projekts "Iris" das "Multimedia-2009"- Programm zu realisieren. Beteiligt sind daran sechzig Firmen und Institutionen.

Auch im Bereich der teilweise breitbandigen Netze gebe es derzeit diverse Feldversuche - finanziert mit Mitteln aus der privaten Wirtschaft sowie dem Topf des Bundes -, berichtete Dieter Poetschke vom Brandenburger Wirtschaftministerium. Allerdings habe man bisher der Oeffentlickeit noch keine "Empfehlungen zum Aufbau einer Informationsgesellschaft" vorgelegt. Eine Aenderung sei in Sicht: Noch Ende dieses Jahres wolle das Bundeskabinett das Konzept "Info 2000" beschliessen. Es scheine, dass dem Thema Kommunikations- Highways in Laendern wie den USA, Australien, Japan und Daenemarkt "wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird" als in Deutschland.

Laut Klaus von Dohnanyi, Beauftragter der Bundesanstalt fuer vereinigungsbedingte Sonderaufgaben, hat Ostdeutschland trotz einer "Luecke in der Handelsbilanz von 220 Milliarden Mark" gute Fortschritte gemacht. Beweis seien die hohen Investitionen. Allerdings stehe dem eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 14 Prozent gegenueber. Es fehle an einer Industrie, die meistens Dienstleistungen erst ermoegliche. Mit Innovationen alleine koenne jedoch dieses Loch nicht gestopft werden, sagte er den rund 400 Teilnehmern der Tagung.

Das sei eher eine "Frage der Rahmenbedingungen und des gesellschaftlichen Klimas". Gemeinsam solle man die verknoecherten Strukturen im Lande durch neue Ideen abloesen. Fuer die neuen Laender bedeute das "Ueberholen ohne einzuholen", zitierte er einen Schlachtruf der ehemaligen SED-Regierung.

Dohnanyi selbst will dabei mithelfen und "Maerkte fuer ostdeutsche Produkte oeffnen".

Dass der IT-Fortschritt nicht auf Nachzuegler wartet, wollte Werner Maus, Vertriebschef von Hewlett-Packard, beweisen. Per Video demonstrierte er den Einsatz von multimedialen Systemen waehrend eines Erdbebens in den USA, die "laengst keine Hirngespinste mehr sind", wie Video on demand, interaktives TV sowie automatische Spracherkennung und Uebersetzung. Im Jahr 2015 wuerden diese Anwendungen zum normalen Alltag der Buerger gehoeren.

Um gegenwaertige Loesungen ging es in Potsdam in sechs parallel organisierten Workshops.

Mit so manchen wirren Client-Server-Traeumen raeumte Christoph Burghardt, Geschaeftsfuehrer der CBS GmbH, Cottbus, auf. Das im letzten Jahr von einigen Fachmedien hochgejubelte "einfach zu kontrollierende Computing der neuen Art" habe sich fuer viele Nutzer eher als Pferdefuss entpuppt.

Grund der scheinbaren Wende: Die Firmen seien sich ueber die Probleme bei der Einfuehrung der Technologie oft nicht im klaren. Zumal die IT-Industrie suggeriere, es sei einfach, ein komplexes Informations-Management-System zu realisieren. Mit dem Vernetzen von ein paar Computern habe das Ganze jedoch nichts zu tun, so der Cottbusser. Client-Server-Architekturen spielten kuenftig "eine wichtige Rolle in der modernen dezentralen, verteilten DV". Eine Voraussetzung sei die Neuorganisation in den Unternehmen (Business Re-Engineering).

Bodo Cramer von der Berliner Powersoft GmbH verglich das Entwerfen von heterogenen Architekturen - "ein Spannungsfeld zwischen Client, Netzwerk und Server" - mit einem Drahtseilakt ueber dem Krater des Vulkans Ruapehu: "Wer einseitig seine Last verteilt, wird mit einem Absturz bestraft." Das Gleichgewicht von Client und Server in einem LAN sei eine Frage von moderner Hard- und Software.

Um die Einfuehrung von neuen Konzepten wie Facility-Management (FM) scheint es in deutschen Firmen traurig bestellt zu sein. Michael Rudolph von der Gesellschaft fuer technische Informations-Systeme mbH aus Duisburg kritisierte die kurzsichtige Denkweise in manchen Unternehmen. Selten arbeiteten die Bereiche zusammen: "Jeder macht etwas fuer die Firmen, haeufig sogar gegeneinander." Wer geglaubt habe, dass mit Technologien wie CIM ohne Aufwand Maengel im Management in den Datenbestaenden in den Griff zu bekommen seien, "steht nun vor einem Scherbenhaufen". FM-Systeme fuehrten nur dort zum Erfolg, wo alle Abteilungen involviert seien und die Segmente Planen, Realisieren, Betrieb sowie Controlling nicht vernachlaessigt wuerden.

Die immer noch geringe Bereitschaft einiger Firmen, alte Zoepfe abzuschneiden und fuer das naechste Jahrtausend zu planen, sei auch ein Grund fuer die "komplizierte Situation der IT im Osten", behauptete Uwe Seidel, Geschaeftsfuehrer der Delta Projekt GmbH aus Limbach-Ober-

frohna. Obwohl innovative Loesungen heute die Kunden "schneller ueberzeugen als noch vor zwei Jahren".

Das 1990 gegruendete Unternehmen - heute eine "rein saechsische" 50koepfige Firmengruppe (Umsatz 1994: drei Millionen Mark) - bietet eigene Informationssysteme fuer PCs und Workstations an.

Auf der Systems '95 habe man eine Neuheit praesentiert: ein Client- Server-Tool fuer den Data-Warehouse-Markt. Ohne spezielles Datenbank-Know-how und SQL-Kenntnisse seien damit Manager und Controller in der Lage, in einer Applikation ueber grafische Sympole auf Datenquellen und -strukturen "durchgaengig zuzugreifen".

Will man den Organisatoren des Potsdamer Treffens glauben, so war das erste Berlin-Brandenburger Gespraech ein Erfolg. Bestaetigt wurde das auch von den Gaesten aus Ost und West. Sie fanden die Seminare "interessanter als den Besuch einer riesigen Messe".

Bleibt zu hoffen, dass sich die Initiatoren einig bleiben und das veraenderte Konzept beibehalten. Fuer den Besuch von diversen parallel organisierten IuK-Workshops duerften Anbieter und Nutzer kaum viel Zeit und Musse haben.