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14.09.1990 - 

Neuer Vorstandschef feilt an einem Service-Profil

Info AG zieht sich ganz aus dem Hardwaregeschäft zurück

HAMBURG (see) - Der seit zehn Monaten verwaiste Posten des Vorstandssprechers der Info AG ist wieder besetzt: Lutz Meyer-Scheel, zuvor bei Enator und SCS, plant wesentliche Eingriffe in die Angebotsstruktur des Hamburger RZ- und Netz-Dienstleisters. So will der neue Mann das Handelsgeschäft komplett aufgeben und die Consulting-Aktivitäten ausweiten.

"Riesenverluste" habe der Handelsbereich der AG in der Vergangenheit eingetragen, so der Nachfolger von Hans-Peter Bauer, weshalb es an der Zeit sei, sich vom Hardwaregeschäft zu trennen. Nachdem im Frühjahr dieses Jahres bereits das eigene Leasing-Portfolio abgestoßen worden war, will man ab dem Jahreswechsel auch nicht mehr als Handelsagentur auftreten. Im vergangenen Geschäftsjahr generierte Info einen Hardware-Umsatz (Handel plus Leasing) von 57,2 Millionen Mark.

"Gesundschrumpfen" durch die Konzentration auf Dienstleistungen, das ist die Devise, mit der Meyer-Scheel bei Info antritt: Ohne den Handelsbereich kalkuliert er zum Jahresende mit einem Umsatz von 65 Millionen Mark; 1989 hatte das Geschäftsvolumen noch 116,8 Millionen Mark betragen. Der Gewinn (1989:1,5 Millionen Mark) soll konstant bleiben.

Zur Zeit setzen die Hamburger auf ihre Netzservices als Wachstumsmotor; der Expansionspfad soll jedoch im kommenden Jahr in Richtung Software und Beratung ausgedehnt werden. Das Backup-Geschäft, stellt Meyer-Scheel fest, habe sich "auf hohem Niveau stabilisiert", eine Ausweitung sei jedoch schwierig, weil auch Großanwender sich häufig noch zu wenig mit der Möglichkeit von Systemausfällen befaßten.

So nähmen erst 15 Prozent der etwa 1200 westdeutschen Betreiber von Inhouse-Rechenzentren externe Backup-Dienste in Anspruch; an diesem Volumen hält Info laut Meyer-Scheel einen Anteil von 60 Prozent, der in diesem Jahr 36,5 Millionen Mark Umsatz ausmachen soll.

Möglichst zügig werde der Backup-Bereich weiter internationalisiert werden; nachdem bereits Kapazitäten des schwedischen RZ-Betreibers Backup Centralen in einer Kooperation zur Verfügung stehen, seien Verhandlungen mit britischen und niederländischen Anbietern im Gange.

Auf momentan 40 Abnehmer ihrer Netzdienste mit insgesamt 211 Punkt-zu-Punkt- oder Knotenverbindungen verweisen die Hamburger. Davon nutzten 21 Kunden Datenverbindungen mit Partnern oder Niederlassungen in der DDR; dort selbst seien inzwischen acht Satellitenverbindungen installiert. Der Auftragsbestand in diesem Bereich läßt Info zufolge bis Ende 1990 eine Installationszahl von insgesamt 600 Leitungs- und Satellitenanschlüssen - erwarten. Meyer-Scheel kalkuliert bis zum gleichen Zeitpunkt mit einem Netze-Umsatz von etwa sechs Millionen Mark, der 1991 auf über zehn Millionen Mark gesteigert werden soll. Derzeit arbeite der Bereich kostendeckend.

"Der Verbund der Dienstleistungen hat bisher nicht immer geklappt", kritisiert Meyer-Scheel das Management seiner Vorgänger. - Kommissarisch hatten nach Bauers Ausscheiden die Vorstandsmitglieder Frank Winkler und Günther Schulte die Gesellschaft geleitet.

- Deshalb müsse mit der Verstärkung der Software- und Beratungsaktivitäten eine Klammer für alle Bereiche geschaffen werden. Die Info AG stehe in Verhandlungen mit potentiellen Softwarepartnern - auch aus dem Ausland -, mit denen man Kooperationen beziehungsweise Beteiligungs- oder Übernahmeverträge anstrebe. Als Zweck der Expansion nennt Meyer-Scheel das Bestreben nach mehr "Kompetenz in Nischenmärkten" sowie eine Internationalisierung. Demnächst wollen die Hamburger ein PC-basiertes Finanz-Informationssystem mit Host-Schnittstelle für die Zielgruppe der mit Vermögensverwaltung befaßten Unternehmen vermerkten.

Auch über einen Einstieg in das Facilities Management denkt Info nach Angaben Meyer-Scheels nach: Es lägen fünf Anfragen deutscher Mittelständler und Großunternehmen "aus dem Dienstleistungssektor" vor, ob eine Auslagerung ihrer DV-Verantwortung beziehungsweise ihrer gesamten Installationen realisierbar und sinnvoll wäre. Ein komplettes Out- sourcing sei gleichwohl, so der Info-Chef, aus seiner Sicht nur dann zu empfehlen, wenn mit der DV nicht gleichzeitig "vitales Know-how" aus einem Unternehmen abgezogen werde.