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VDMA-Tagung weist der Unternehmensführung neue strategische Aufgabe zu, doch:

Info-Strategien noch nirgendwo auszumachen

10.04.1987

WIESBADEN - MAP/TOP ist tot - es lebe MAP/TOP V3.0. Inkompatible alte und neue Protokollversionen scheinen die Rechnerintegration in Fabrik und Büro in weite Ferne zu rücken. Wunschdenken bleibt dann auch. was auf einer VDMA-Tagung DV-Experten als die Herausforderung des Managements formulierten: den "neuen Rohstoff Information" nun in eine Produktivkraft zu wandeln.

Das Benutzerinteresse an offenen Netzen ist unbestritten groß, kann diese Technik doch eine offene Kommunikationswelt im Inhouse-Bereich zur Verfügung stellen und dem Anwender zugleich größtmögliche Freiheit in der Wahl der Systeme gewähren. Darüber waren sich die Referenten der Tagung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) zum Stichwort "Mit Technologie die Zukunft bewältigen" einig. Noch ist die Standardisierung indes nicht abgeschlossen, bilanzierte Rüdiger Meisenburg, LAN-Experte von der Nixdorf Entwicklungsgesellschaft für Kommunikationstechnik in Berlin. Alte und neue MAP-Versionen seien nicht kompatibel. Im Bereich Fertigung "ist daher eine deutliche Zurückhaltung auf Benutzerseite gegenüber Produkten der früheren

Versionen zu spüren".

Nächste absehbare Schritte bei diesen Produkten werden im Juni 1988 in Baltimore von dem Enterprise Network Event (ENE) erwartet. Dort wird die Corporation for Open Systems (COS), ein Zusammenschluß von Computerherstellern, zum erstenmal die neueste MAP/TOP-Version 3.0 mit sogenannten "Gold Dots" prämieren. Diese goldenen Punkte bescheinigen, daß MAP/ TOP-Produkte den ISO-Standards, die im 3.0-Rahmen zur Anwendung kommen, entsprechen.

Noch erscheint fraglich, ob eine europäische Zelle unter der Leitung des britischen Department for Trade and Industry (DTI) in Baltimore dabeisein wird. Ebenso unklar ist, ob das "Projekt 955" der Communication Networks for Manufacturing Application (CNMA) als "Remote site" mit der Zelle in Samlesburg über X.25 an das ENE angeschlossen wird.

Als bisheriges Ergebnis konnte CNMA einen Implementation-Guide veröffentlichen. Er soll in vereinfachter Form Grundlage für den zweiten Meilenstein sein: die Demonstration eines Teils einer Produktzelle auf der Industriemesse in Hannover, zu der ein Subset von RS511 (MMS) verwendet wird. Offene Systeme zu schaffen, ist offenbar langwieriger, als sich dies Anwender meist eingestehen wollen. "Sicher nicht nur Herstelleregoismus führt dazu, daß heute eine Vielzahl von Kommunikationsschnittstellen und Protokollen existieren", kommentiert Netz-Experte Meisenburg bestehende Hemmschwellen, nämlich uneinheitliche Protokoll-Forderungen der User. Die Kommunikation werde im gleichen Maß komplex wie die darüberliegenden Anwendungen Seien diese jedoch immer begrenzt, solle die Kommunikation möglichst offen sein.

Im Gegensatz zu internen Netzen scheint die externe Kommunikationswelt via Postdienst in Ordnung. Für die Zukunft, so die Erwartung der Referenten auf der VDMA-Tagung, kann über Schmalband- und Breitband-ISDN der unternehmensübergreifende Informationsverbund gepflegt werden. In vielen Branchen werden die Unternehmen künftig mehr dezentrale Rechnerkapazität vernetzen; in Versicherungen steht derzeit schon an jedem dritten Arbeitsplatz ein Bildschirm, in der Fertigung an jedem fünften. Grund genug, machte Helmut Röder von der IBM Deutschland GmbH in Stuttgart deutlich, mit Blick auf die Kommunikation über öffentliche Netze und Dienste das Monopol der Post neu verstanden zu wissen: Dieses Recht sei der Post fraglos für die Übertragungsdienste zuzugestehen; inhouse habe es indes bei der Gestaltung der angeschlossenen Geräte zu enden.

Eine "Unternehmensführung im Wandel", so das Motto der VDMA-Tagung, hat indes nicht nur mit technischen Problemen allein zu ringen. Informationen bleiben hierzulande derzeit zu 95 Prozent unbearbeitet auf Schreibtischen oder in Ein- und Ausgabekörben liegen. Diese Aussage der Siemens AG läßt zumindest Zweifel daran aufkommen, ob es Unternehmensführungen bald gelingen wird, aus dem neuen "Produktionsfaktor Information" auch Produktivkraft entstehen zu lassen. "Künftig muß das Management beweisen, daß es Möglichkeiten der Informationstechnik für das Sammeln, Übermitteln und Verarbeiten von Informationen wirtschaftlich einsetzen kann", formulierte das Mitglied der Geschäftsleitung der W. Schlafhorst & Co. Maschinenfabrik in Mönchengladbach, Klaus von der Pahlen. Ein Prüffeld sei die Bürotechnik mit ihren inhomogenen Informationsformen. Denn hier prallen die "Office Automation" -Vision vom "Cockpit des Managers" auf die Wirklichkeit des Büroalltags mit Papier, Akten und Schreibmaschine hart aufeinander.

Moderne Werkzeuge und neue Tätigkeiten, wie etwa die des Datenbankmanagers, könnten Abhilfe schaffen. Er sorgt nicht nur bei dem neuen Rohstoff für Bestandsführung und Zugriffsmethoden. Der Recherche-Fachmann hat künftig vor allem das Vertrauen der Nutzer in der Technik zu rechtfertigen. Denn der Weg von der konkreten Frage bis zur gesuchten Information, führte Antje Pieper vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln aus, erscheine besonders im Mittelstand zu lang.