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24.07.1987 - 

Doppelt soviele Hochschulabsolventen in Japan wie in Deutschland:

Info-Techniker mobil machen für Integration

MÜNCHEN - Informationstechniker sind eine gefragte Ware auf dem Arbeitsmarkt hierzulande. Auf eine Nachwuchskraft aus dieser Querschnittsdisziplin warten immerhin rund drei offene Stellen. Experten an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Münchner Technischen Universität blasen deshalb zur "Mobilmachung".

Integration an der Technischen Universität (TU) München: Die Fakultät für Elektrotechnik trägt seit Sommersemester 1987 den Zusatz "und Informationstechnik". Bereits seit 1974 firmieren die drei Disziplinen Nachrichtentechnik, Datenverarbeitung und Rechnertechnik als "Institut für Informationstechnik". Für Dekan Günther Schmidt bedeutet der offizielle Titel gleichzeitig "eine programmatische Aussage über die Weiterentwicklung von Forschung und Lehre im kommenden Jahrzehnt". Sie betreffe die Verschmelzung von Büro-, Telekommunikations- und Automatisierungstechnik. Auch Peter Bocker, Zentrallabor der Siemens AG in München und Vorsitzender der Informationstechnischen Gesellschaft im Verein Deutscher Ingenieure (VDE), meint elektrotechnisches Wissen allein reiche künftig nicht mehr aus. Als Grundlage komme nämlich die Informatik hinzu. Gleichgültig ob ein Student nun Energie- und Nachrichtentechnik oder Mikroelektronik betreibe, sei es für ihn - oder sie - wichtig, mit dem PC und programmgesteuerten DV-System umgehen zu können sowie das Programmieren zu beherrschen. "Sie sollen lernen, Optionen der Technik auszuwählen", definiert der Münchener Dekan.

Stichwort auf dem Lehrplan für den Nachwuchs an der TU ist auch die Dienste- sowie technische Integration. Dienste-Integration bilde künftig die Grundlage verschiedener Teildisziplinen der Elektrotechnik. Einmal kommt sie in der Praxis zum Tragen, wenn unterschiedliche Dienste-spezifische Nachrichtennetze zu Dienste-integrierenden Netzen - ISDN - zusammengefaßt werden. Zum andern wachsen Übertragungs- und Vermittlungstechniken zusammen. Innerhalb dieser Integrationsformen verschieben sich dann Funktionen und Aufgabenstellungen des Anwenders, sieht Bocker voraus. Neben technischem Wissen seien vom informationstechnischen Ingenieur deshalb auch organisatorisch-betriebswirtschaftliche Kenntnisse erforderlich. Diese Integration der bisher getrennten Disziplinen streben derzeit verschiedene Arbeitskreise an deutschen Hochschulen sowie beispielsweise die Informationstechnische Gesellschaft im VDE an.

Den frischgebackenen Informationstechniker mit fundiertem Anwendungs-Know-how umwirbt die herstellende Industrie für Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung, Fertigung und Vertrieb. Bei Anwenderunternehmen ist er für die Gestaltung von Inhouse-Netzen gefragt. Schließlich sucht auch die Deutsche Bundespost dringend diese Fachkraft für öffentliche Netze (siehe CW Nr. 29, Seite 34).

Vergangenes Jahr, meldete der Zentralverband Elektrotechnischer Industrie (ZVEI) in Frankfurt, standen für Informationstechniker 5000 Stellen offen. An Arbeitskräften waren jedoch nur beträchtlich weniger als die Hälfte vorhanden. "Uns werden die Absolventen vom Markt weggesaugt", illustriert Dekan Schmidt.

Im Hinblick auf die bisher chronisch zu geringe Nachwuchszahl erklärt Bocker daß der Beruf des Ingenieurs mit einer Million Beschäftigten hierzulande leider kein allzuhohes Sozialprestige aufzuweisen hat - im Gegensatz zu Japan oder auch europäischen Nachbarländern. Aus dem mangelnden Vertrauen des Bürgers in den Techniker und seine Bereitschaft, die Folgen seiner Arbeit abschätzen zu wollen, resultiere eine beachtliche Diskrepanz zwischen objektiver Leistung und öffentlicher Wertschätzung dieses Berufsstandes, stellte Karl Eugen Becker, Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure, auf dem Deutschen Ingenieurtag 1987 fest. Der Numerus clausus schließlich, aber auch das auf Hochglanz polierte Image von Medizinern und Juristen nagen an dem technischen Studentenpotential in der Bundesrepublik.

Nach Ansicht von Bocker ist es Zeit für eine "Mobilmachung". Es müsse einem - im internationalen Vergleich - gebremsten Wachstum der Absolventenzahlen innerhalb des nächsten Jahrzehnts entgegengewirkt werden.

Schließlich betrage, rechnet der Vorsitzender der Informationstechnischen Gesellschaft vor, der Exportanteil von High-Tech-Waren an der gesamten deutschen Produktion über 50 Prozent, in Japan die Hälfte und in den USA nur 15 Prozent auf. Der Trend bis 1995 indes wird im Vergleich hierzulande mit fünf Prozent am niedrigsten eingestuft. Mit einem Punkt darüber liegen die USA, Japan mit fast drei Prozentpunkten. Zudem kann Japan eine doppelt so hohe Absolventenzahl in Elektro- und Informationstechnik pro Kopf der Bevölkerung als Deutschland verzeichnen.

Ein Volk der Dichter, Denker - und Umweltschützer -, so war als Fazit an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik zu hören, bedürfe immer zunächst einer soliden wirtschaftlichen Basis. Und diese ließe sich auch künftig wesentlich durch die Ingenieur-Technik erwerben.