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22.03.2007

Infor bringt Datenanalyse zum ERP-System

Mit dem erweiterten "Infor Performance Management" (PM) sollen Business-Software-Nutzer Analysewerkzeuge für industriespezifische Auswertungen erhalten. Anwender begrüßen den Schritt.

Der ERP-Anbieter ordnet mit der Ankündigung sein Portfolio an Business-Intelligence-Lösungen neu. Infor hatte solche Funktionen unter anderem durch den Erwerb von Systems Union hinzugekauft, zu der auch der deutsche Datenanalysespezialist MIS AG aus Darmstadt gehört.

Was ist neu?

• Infor überlässt das Geschäft mit Business-Intelligence (BI) nicht mehr allein Partnern wie Cognos.

• Neben auf Finanz-Controlling abzielenden Werkzeugen soll es funktionsspezifische Analyseprodukte etwa für den Vertrieb und den Einkauf geben.

• Die BI-Tools werden integriert in die jeweiligen Lösungen, beispielsweise in Infor.com, Varial und ERP LN.

Das nach den Worten von Infor ausgebaute Performance Management erlaube es, gezielter als bisher möglich Geschäftsdaten aus Finanzbuchhaltungs-, Fertigungs- und Supply-Chain-Management-Programmen zu ziehen und unterschiedlichen Anwendergruppen im Unternehmen Auswertungsfunktionen zu liefern. Beispielsweise könnten Anwender auf diese Weise Kreditorenkonten, Außenstände, Absatz und den Lagerbestand auswerten. Hierzu ständen laut Anbieter vordefinierte Metriken und Berichte zur Verfügung.

Infor PM setzt sich aus "Business Process Applications" (BPAs) und "Business Specific Analytics" zusammen. Ersteres bezeichnet der Softwarekonzern als Unternehmensanwendungen für die strategische und operative Planung, Budgetierung, Prognoserechnungen, Reporting und Konsolidierung. Hier fließt die bereits bestehende Lösung "MPC" ein, die Infor mit der Übernahme der Business-Software von Geac erwarb.

Lagerbestandskontrolle

Während die BPAs Disziplinen des Corporate-Performance-Management umfassen, wenden sich die Produkte der Reihe Business Specific Analytics (BSAs) an abteilungsspezifische Belange. Die auf die jeweilige Anwenderrolle zugeschnittenen Analysewerkzeuge sind für den Vertrieb, den Einkauf sowie für Verantwortliche der Lagerhaltung ausgelegt. Hierzu verfügen sie über vorkonfigurierte Metadaten, Berichte und Kennzah- len, wie sie zum Beispiel für Betriebe aus der Serienfertigung von Belang sind. Zudem sollen die Analyse-Tools in die unterschiedlichen Business-Software-Lösungen integriert werden, etwa in "ERP LN" (vormals "Baan"), Infor.com und Varial. Die technische Basis liefern Produkte der MIS AG. Erste BSAs will das Unternehmen im Herbst freigeben.

Geplant ist ferner, BPAs und BSAs innerhalb der nächsten zwei Jahre auf eine gemeinsame Plattform zu heben und auch so zu vermarkten.

Wie andere ERP-Hersteller versucht auch Infor, sein Angebot an eigenen Business-Intelligence-Produkten zu schärfen. Bisher hatte der Anbieter diesen Produktbereich über zahlreiche Partnerschaften mit Spezialisten abgedeckt, beispielsweise mit Cognos. Nun legt das Unternehmen eigene Lösungen vor, die somit in Wettbewerb mit Partnerprodukten treten. Grundsätzlich soll die Zusammenarbeit mit Cognos jedoch bestehen bleiben.

Mittelstand hat Bedarf

Methoden, um betriebswirtschaftliche Daten auszuwerten, etwa um Entwicklungen in Sachen Liquidität frühzeitig zu erkennen sowie Deckungsbeiträge zu ermitteln, stehen bei mittelständischen Unternehmen - Infors Kernzielgruppe - hoch im Kurs. Da auch Mittelständler zunehmend aus mehreren Firmen bestehen, die noch dazu nicht selten in unterschiedlichen Ländern angesiedelt sind, fallen zusätzlich Aufgaben an, Finanzdaten zu konsolidieren. Häufig verwenden solche Firmen für diese Zwecke jedoch Excel und erzeugen so oft redundante Datenbestände. Sofern Infor-Kunden bereits in solche Lösungen investiert haben, benutzen sie oft keine einheitlichen Produkte, sondern setzen etwa für die Vertriebs- und die Cash-flow-Planung unterschiedliche Systeme ein, die von verschiedenen Kooperationspartnern des ERP-Anbieters stammen.

Wolfgang Kirn, IT-Leiter der Firma Rhein-Getriebe aus Meerbusch ist Infor.com-Anwender und zugleich Vorsitzender des Infor ERP COM Anwendervereins. Er bezeichnet die vom Hersteller geplanten Produkte als "Bereicherung der Angebotspalette". Zwar habe es vom BI-Spezialisten Cognos bisher schon Funktionsbausteine gegeben, diese eigneten sich im Zusammenspiel mit der ERP-Lösung aber nur für das Berichtswesen. Anwender benötigten jedoch vermehrt Methoden zur Geschäftsplanung und Budgetierung. Überhaupt dürfte der Bedarf an Performance-Management-Funktionen durch Basel II zunehmen.

BI-Integration über SOA

Unlängst hatte Infor weitere Details der Produktstrategie für Service-orientierte Architekturen bekannt gegeben. Das Konzept spielt auch bei der Integration von Business-Intelligence-Funktionen mit der bestehenden Software eine Rolle. (fn)