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02.08.1991

Informatik-Controlling ist mehr als ZahlenakrobatikMit Max Michel*, Swissair Schweizerische Luftverkehr AG in Zürich, sprach Wolf-Dietrich Lorenz.

*Max Michel ist tätig im Swissair-weiten Ergebnisverbesserungs-Projekt "Move" und sorgt für eine nachhaltige Effizienzsteigerung in der Informatik. Wolf Dietrich Lorenz leitet CSE Conferences, Seminars, Education, die Seminarabteilung der IDG Communications Verlag AG in München.

CW: Welche Ziele sollte ein Controlling der Informationsverarbeitung verfolgen? Kostenkontrolle im Bereich der Informatik oder ihre Wirtschaftlichkeit sicherzustellen, liegen nahe.

Michel: Der Begriff "Kostenkontrolle" gefällt mir nicht, und zwar erstens, weil ich die Informatik eben nicht als Kostenkomponente verstehe, sondern als Erfolgsfaktor. Zweitens erinnert die "Kontrolle" der Kosten zu stark an die Polizistenfunktion des Controllers, und die ist überholt.

CW: Was noch darüber hinaus?

Michel: Zusammen mit der Wirtschaftlichkeit gehören zum Informatik-Controlling sämtliche Unterstützungstätigkeiten, die sicherstellen, daß die Informatik wirklich voll und ganz eingesetzt wird - und nur dafür - , die Unternehmensziele zu erreichen.

CW: Welche Aufgaben sind für ein Informatik-Controlling wichtig?

Michel: Zu den wichtigsten Aufgaben gehören sicher die Budgetierung der Informatik-Ressourcen, bei der strategischen Planung mitzuwirken sowie die Kosten- und Ertragslage zu verfolgen .

CW: Womit sollte ein Informatik-Controller noch betraut werden?

Michel: Die finanz- und betriebswirtschaftliche Beratung zählen ebenfalls dazu, weiterhin Prioritäten für den Einsatz der Informatik zu markieren, aber auch, kritisch bei Kredit- und Projektanträgen Stellung zu beziehen. Gleichfalls erwähnen möchte ich die Soll/Ist-Analysen und die Nachkalkulationen.

Doch erst das richtige Verständnis dieser Aufgaben als Hilfsmittel für die verantwortlichen Linienstellen bringt den weitreichenden Nutzen. Sie sind nicht Selbstzweck.

CW: An wen sollte ein Informatik-Controller berichten?

Michel: Ganz allgemein läßt sich dies kaum beantworten. Das Controlling muß unternehmensindividuell gestaltet sein, denn dies hat einen wesentlichen Einfluß auf die Berichterstattung. Auch hängt die Antwort vom Inhalt und vor allem von der erwünschten Wirkung ab, die mit einem Bericht erreicht werden soll ...

CW: ... und lautet mit Blick auf Ihre Airline wie?

Michel: In Swissair ist der Controller hierarchisch und organisatorisch dem Finanzdepartement angegliedert. Seinen Platz hat er in der Abteilung Informatik. Die Kontakte zu den Informatik-Verantwortlichen sind indes stärker als zum Finanzbereich. Diese Organisationsform hat sich aus meiner Sicht bewährt.

CW: Über Wirksamkeit und Nutzen von Methoden des Informatik-Controlling scheiden sich die Geister - ich denke etwa an Portfolio-Techniken, Kosten-Nutzen-Analysemethoden oder Investitionsrechenverfahren.

Michel: Ich bin kein Anhänger eines starren Reporting-Systems. Ein mündliches Gespräch mit dem Direktverantwortlichen, das dann auch eine Maßnahme auslöst, ist viel mehr wert als ein perfekt abgefaßter Bericht ohne konkrete Folgen.

CW: Was könnte Sie von der Einführung einer Informatik-Controllingstelle abhalten?

Michel: Nichts. Ich bin von der Notwendigkeit eines effizienten Informatik-Controlling absolut überzeugt.

CW: Noch nicht einmal der traditionell schlechte Ruf des Controlling als "Schnüffelei "?

Michel: Ob man diese Tätigkeit nun unbedingt "Controlling" nennen muß, ist eine ganz andere Frage!

CW: Wie läßt sich der Implementierungsstand eines - bleiben wir dabei - Controlling in der Schweizerischen Luftverkehrs AG beschreiben?

Michel: Sie müssen sich darüber klar sein, daß besonders die verantwortlichen Linienstellen das Informatik-Controlling zu erledigen haben. Der Controller selbst ist lediglich ein professioneller "Supporter". Wenn eine entsprechende Stelle geschaffen wird, ist daher das Problem eben noch lange nicht gelöst!

Nur wenn Management und Controlling der Informatik auf das gleiche Ziel hinarbeiten, ist der Implementierungsgrad am höchsten. So betrachtet, bin ich davon überzeugt, daß das Informatik-Controlling in unserer Firma gut verankert ist.

Verbesserungen sind natürlich überall und immer möglich. Um auf dem international hart umkämpften Airline-Markt erfolgreich weiterzubestehen, ist die Swissair geradezu zu wirtschaftlichem Handeln verurteilt.

Verantwortung und Kontrolle

Kosten machen Kummer. Das Unternehmensmanagement fordert daher von der EDV ein verstärktes Kostenbewußtsein - und darüber hinaus, endlich die optimale Ergiebigkeit des "Produktionsfaktors Information" sicherzustellen. Ein richtig verstandenes Informationssystem-Controlling kann die Lösung bringen: Doch dafür genügt es nicht, die EDV vom schwer kalkulierbaren Projekt mit ungewissem Ausgang auf nüchterne Zahlenakrobatik zu reduzieren. Erfolgreiches Informatik-Controlling hängt besonders vom Verantwortungsbewußtsein der Linienstellen ab.