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15.07.1988 - 

Hochschulen fehlt es an Geld und wissenschaftlichem Personal:

Informatik-Dozenten proben den Aufstand

MÜNCHEN (ih) - Hochschul- und Arbeitsmarktexperten schlagen Alarm: 40000 Informatiker fehlt in der Bundesrepublik. Vier Stellenangebote je Bewerber - damit liegt der Informatikabsolvent weit vor seinen Studienkollegen aus anderen Fachgebieten. Hochschulen und Ausbildungsinstitutionen können den benötigten Nachwuchs indes nicht anbieten.

Arbeitsplatzprobleme sind für Studienabgänger des Informatik-Fachs der Statistik nach ein Fremdwort. Werner Dostal, vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, weist darauf hin, daß allein im Softwarebereich jährlich ein Bedarf von etwa 10000 neuen Fachleuten entsteht. Von den Hochschulen kommen jedoch nicht mehr als 2000 bis 3000 Absolventen mit Informatikausbildung. Dostal: "Solange diese enorme Unterdeckung besteht, sind die Unternehmen gezwungen, sich aus anderen Bereichen zu versorgen."

Die 26 Hochschulen und Ausbildungsstellen in der Bundesrepublik sehen sich fast unlösbaren Problemen gegenüber. Zum einen stehen sie zunehmend unter "Haushaltsdruck", zum anderen beklagen sie das Fehlen von 100 Dozenten an den überfüllten Universitäten. Professor Hans Peter Zima, Inhaber des Lehrstuhls für Programmiersprachen und Softwaretechnologie an der Universität Bonn, bringt die Kritik auf den Punkt: "Unter diesen Bedingungen ist Grundlagenforschung praktisch nicht möglich." Auch im Ausland sind Deutschlands Computerwissenschaftler sehr begehrt. Häufig werden sie "über die Grenzen gelockt", um in den Nachbarstaaten oder in den USA Studenten zu unterrichten.

Umgekehrt leidet die Attraktivität des Lehrorts Bundesrepublik bei den Ausbildern aus anderen Ländern unter der strengen Administration. So sei im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten der Lehrkörper sehr eng in Verwaltungszwänge eingebunden. Zima: "Dies hat schon so manchen willigen ausländischen Informatikexperten frustriert die Rückreise antreten lassen."

Des weiteren moniert der Bonner Softwareexperte das knappe Budget, mit dem der Lehrbereich immer wieder zu kämpfen habe. So werde sein Jahresetat von 120000 Mark nahezu von Wartungsverträgen aufgezehrt. Zima steht wie andere Kollegen auch vor dem Problem, daß seine Mittel für das Jahr 1988 bereits zur Jahresmitte verbraucht sind.

Das Nord-Süd-Gefälle ist auch im Ausbildungsbereich zu spüren. Während besonders die Landesregierungen in Bayern und Baden-Württemberg die Informatik stark unterstützen, gibt es in Nordrhein-Westfalen nur eingeschränkte Förderungsmöglichkeiten. Gegenwärtig sind in Bonn von zehn Professorenstellen nur sechs besetzt. Dieser Anzahl stehen indes 1200 Studenten gegenüber. Zima befürchtet, daß schon im nächsten Studienjahr das Lehrangebot nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Die Bedenken seines Bonner Kollegen teilt Professor Gerhard Krüger vom Institut für Telematik der Universität Karlsruhe. Obwohl die Studentenzahlen aufgrund schwächer werdender Jahrgänge zurückzugehen beginnen, habe - dem Trend entgegen - die Zahl der Bewerber für das Informatikstudium weiter zugenommen. Trotz dieser starken Überlastung der Informatikfakultäten und -fachbereiche lehnten die Bundesländer die Einführung eines Numerus clausus immer wieder ab - auch gegen die erklärte Absicht des Fakultätentages. Krüger: "Dem Argument der Landesregierung gegen einen Numerus Clausus ist kaum zu widersprechen. Informatikberufe gelten als eine der aussichtsreichsten akademischen Tätigkeitsfelder überhaupt." Die Nachfrage nach Informatikern liegt bei ungefähr vier Stellenangeboten pro Bewerberanfrage. Damit hält sich dieser Beruf weit an der Spitze aller akademischen Fächer - und das, obwohl erst in den letzten drei bis vier Jahren mehr als die Hälfte der insgesamt etwa 10000 berufstätigen Informatiker auf den Arbeitsmarkt gekommen ist, erklärt der Karlsruher Ausbildungsexperte. Viele Skeptiker prophezeiten bei diesem vergrößerten Informatikerangebot, daß damit der Nachholbedarf befriedigt wäre. "Doch gerade das Gegenteil ist eingetreten", konstatiert Krüger.

1984 einigten sich die Länder, das Informatik-Fach bundesweit von derzeit jährlich etwa 3200 Studienanfängern auf eine Kapazität von 4000 auszubauen. Der Verwirklichung dieses Beschlusses stehen indes neben personellen auch finanzielle Probleme entgegen. Für die Misere glaubt Eberhard Böning, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft in Bonn, ein Rezept parat zu haben: "Eine Infrastruktur bereitzustellen, die es den Hochschulen erlaubt, den steigenden und gleichzeitig rasch wechselnden Anforderungen in Forschung und Lehre gerecht zu werden, gehört zu den wichtigsten Aufgaben staatlicher Hochschulpolitik."