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15.01.1982 - 

Informatik-Schüler im Stich gelassen

Vom 7. Semester der Fachhochschule München

MÜNCHEN - Was eine Klasse mit 34 Studenten der Informatik so alles erlebt, wenn sie sich aufmacht. die Sprüche der Hersteller auf ihren Wahrheitsgehalt hin abzuklopfen, schildert der folgende Beitrag. Als Autor wollte sich keiner hervortun, denn die Lippe, die hier riskiert wird, ist recht keß. Der künftige Arbeitgeber könnte empfindlich reagieren.

Die Fachpresse schreibt viel über den Einsatz des Computers in Schulen, auch über das Interesse vieler Hersteller, Kontakte zu jungen Leuten bereits an den Hochschulen zu bekommen, um sie über ihre Produkte zu informieren oder auch sonstwie für ihr Unternehmen zu begeistern. Haben sich die Zeiten geändert, haben es vielleicht auch einige Firmen nicht mehr nötig, Studenten zu betreuen oder können sie vielleicht nicht mehr?

An der Fachhochschule München wird seit Jahren im Rahmen des Lehrplans eine Fallstudie durchgeführt, bei der es darum geht, einen Industriebetrieb zu durchleuchten, ihn zu organisieren und für ihn eine EDV-Anlage vorzuschlagen. Gut dieser Betrieb existiert nicht, aber irgendwie müssen wir doch üben und dazu sind wir auf die Mithilfe der EDV-Hersteller angewiesen.

Einige haben uns sehr zuvorkommend geholfen. Andere haben sehr geringes Interesse an uns gezeigt. Über diese Erfahrungen möchten wir berichten. Dabei gehen wir alphabetisch vor.

Übrigens haben wir bei unserem Experiment nicht den Ansprechpartner zur Betreuung von Behörden angesprochen, denn wir sollten ja einen Beratungsfall nachvollziehen. Also mußten wir uns an die Vertriebsbeauftragten wenden; die für den Bereich Industrie zuständig sind.

Der Vertreter der Firma Digital Equipment nahm sich Zeit, mit unserer Gruppe den Fall zu besprechen. Auch erhielten wir einen Vorschlag für die Hardware eines EDV-Systems einschließlich Preisangaben. Aber gibt es denn für den industriellen Bereich keine Software?

Bei Honeywell Bull zeigte man sich äußerst kooperativ; zwei Systemberater und ein Vertriebsrepräsentant nahmen sich einen Vormittag Zeit- und das zum Jahresende.

IBM hat allen unseren Versuchen standgehalten. Auch nach sehr vielen Telefonaten haben wir keinen gefunden, der uns bei der Lösung unserer Fallstudie unterstützt hätte. Aber wir wurden großzügig mit Unterlagen versorgt und durften sogar an einem Seminar teilnehmen, aus dem wir allerdings nichts für unsere Fallstudie entnehmen konnten.

Sehr zuvorkommend war auch das Unternehmen ICL. Repräsentanten nahmen sich insgesamt über sechs Stunden Zeit, den Fall durchzuarbeiten.

Noch freundlicher war man bei Kienzle; man überreichte uns ein phantastisch ausgearbeitetes Angebot, übrigens das einzige, was wir in ausgearbeiteter Form erhielten.

Große Probleme hatten wir mit NCR. Beim ersten Anruf wurde kein Termin festgelegt, weil man "nur kurzfristig arbeiten" wurde, und beim zweiten Anruf war der zuständige Herr nicht mehr bei NCR tätig. Beim dritten Anruf glaubte man, es handle sich um einen Beratungsauftrag und sagte zuerst freundlich zu, jedoch kam aus zeitlichen Gründen der Termin dann doch nicht mehr zustande.

Auch Nixdorf hatte wenig Interesse. Das Angebot bestand in einem auf einem einfachen Zettel dargestellten Vorschlag für Hardware. Für die Software wurde ein vorhandenes Angebot fotokopiert. Hier hält man vielleicht nichts von Studenten.

Die Zuständigkeit bei Philips war praktisch nicht klärbar. Man wies uns jedenfalls ab mit dem Hinweis, man habe keine entsprechende Anlage und die Fachhochschule kaufe sowieso nichts.

Bei Siemens sind wir vollkommen gescheitert. Nach dem ersten Gefühl, wie der Buchbinder Wanninger behandelt zu werden, stellten wir weiter eigentlich in allen Abteilungen nur ablehnende Haltung fest: Vertriebsbeauftragte könne man zum Jahresende nicht für ein fiktives Programm freistellen, wurde uns mit geteilt. Allerdings wurden wir auch kritisiert, uns fehle das Fachwissen, um ein vernünftiges Gespräch zu führen.

Im Gegensatz dazu war Sperry Univac sehr zuvorkommend. Uns wurde ein ganzer Nachmittag "geopfert". Die Hardware wurde gezeigt, die Funktionsweise mit Eingabe von Spielprogrammen immerhin demonstriert.

Das waren unsere Ersterfahrungen mit EDV-Herstellern in München. Vielleicht haben wir zur Weihnachtszeit etwas Pech gehabt, aber wir haben den Eindruck, daß vor allen Dingen deutsche Firmen, mit Ausnahme von Kienzle, sich auch mehr um den Nachwuchs kümmern könnten.