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Studie untersucht ostdeutschen Arbeitsmarkt


23.08.1991 - 

Informatik soll den Weg in die Dienstleistungsgesellschaft ebnen

MANNHEIM (hk) - Der ostdeutsche Arbeitsmarkt gleicht sich innerhalb kurzer Zeit dem westdeutschen an. Eine Umstrukturierung in Richtung Dienstleistung, in der die Datenverarbeitung eine wichtige Rolle spielt, wird stattfinden. So lautet das Fazit einer breit angelegten Untersuchung zum Qualifizierungsbedarf von Arbeitnehmern in der ehemaligen DDR, die Claus Loroch an der Universität Mannheim vorgelegt hat.

Der Autor geht in seiner Studie davon aus, daß in den neuen Bundesländern sehr schnell westdeutsche Verhältnisse am Arbeitsmarkt existieren werden. Loroch prophezeit den unrentablen Betrieben, zum Beispiel in der Schwerindustrie, ein schnelles Ende. Durch die Umstellung auf die Marktwirtschaft bliebe den Unternehmen auch gar nichts anderes übrig, als nach den Kriterien des neuen Wirtschaftssystems zu agieren und damit viele Mitarbeiter zu entlassen.

Genau wie in der alten Bundesrepublik werde die Entwicklung in kürzester Zeit eindeutig in Richtung Dienstleistungsgesellschaft gehen, ist Loroch überzeugt. Dabei solle man berücksichtigen, daß die Datenverarbeitung eine bedeutende Rolle spiele - unter anderem auch deshalb, weil "durch die Einführung der neuen Technik die meisten Ostdeutschen umgeschult werden oder zumindest an Weiterbildungsprogrammen teilnehmen müssen".

"Das heißt", so der Verfasser der Studie weiter, "daß die gleichen Berufsbilder, die zum Beispiel durch die Einführung der Datenverarbeitung bei uns enstanden sind, bald auch in Ostdeutschland existieren werden." Von Übergangslösungen hält er nichts, auch glaubt er nicht, daß diese, falls es sie geben sollte, von Bestand sein würden.

Auch die Mitarbeiter der aufgeblähten Ostverwaltungen müßten sich nach neuen Jobs umschauen. Gerade für sie biete sich "die große Chance, in den Dienstleistungsbereich zu wechseln, der in den neuen Ländern kaum existierte", so Loroch.

Der Mannheimer Betriebswirt empfiehlt hier entweder eine Fortbildung innerhalb des Berufes oder eine Umschulung in einen neuen Beruf. Er verlangt in jedem Falle eine bedarfsorientierte Ausbildung - sie sollte die Fähigkeiten desjenigen, dem die Arbeitslosigkeit droht, berücksichtigen. Seine Erfahrungen hätten aber genau das Gegenteil gezeigt. In Erfurt, so sein Beispiele hätte das Arbeitsamt die Umschüler zu einem Ausbildungsinstitut geschickt, das die Qualitätsbedingungen der Arbeitsverwaltung zwar erfüllte, das aber keine Rücksicht auf den vom Arbeitsmarkt geforderten Bedarf nahm.

Als großes Handikap erweist sich laut Loroch auch die Tatsache, daß Spezialisten einer Branche in großen Kombinaten konzentriert waren und jetzt in anderen Unternehmen fehlten. Ein typisches Beispiel dafür sei Robotron gewesen, wo die Mehrzahl der Datenverarbeiter beschäftigt waren.

Durch die Neugründung von Klein- und Mittelbetrieben fehlten nun die Spezialisten in diesen Unternehmen.

Die größte Schwierigkeit, die durch die schnelle Einführung der Marktwirtschaft entstanden ist, hat der Autor in der Denkweise der "Ossis" ausgemacht. 40 Jahre Gängelung hätten das Verantwortungsbewußtsein und den Initiativgeist des einzelnen verkümmern lassen, "und den kann man nicht auf die Schnelle durch Kurse aufbauen", so Loroch. Hier brauche es noch Zeit und Geduld von seiten der oft ungeduldigen "Wessis".