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14.09.1984 - 

Reform bereits ab dem Schuljahr 198485 geplant:

Informatik soll "verbindliche Übung" werden

WIEN (apa) - Eine "Zwischenreform kündigt sich beim EDV-Unterricht an Österreichs Mittelschulen an. Bereits ab dem kommenden Schuljahr soll durch einen Erlaß die Computerausbildung vom "Korsett" des Freigegenstandes ausgeklammert und damit ohne Stundenbeschränkung angeboten werden können. Ab dem Schuljahr 85/86 wird der Unterrichtsgegenstand Informatik in ganz Österreich als verbindliche Übung, ohne Noten, für 21 000 Schüler der fünften AHS-Schulstufe eingeführt.

Der Begriff Informatik, der für das neue Unterrichtsfach gewählt wurde, ist weiter gefaßt als der bisherige Freigegenstand Datenverarbeitung. Der Unterricht wird sich, die Genehmigung des im Herbst vorliegenden Gesetzt, unter anderem mit der Technik von Computern, deren Anwendungsmöglichkeiten sowie Fragen wie Datenschutz beschäftigen. "Keinesfalls wollen wir Programmierer oder Computeringenieure an den AHS heranbilden", schränkt Ministerialrat Dr. Eduard Szirucsek vom Unterrichtsministerium im Gespräch mit der apa ein.

Schneeballsystem soll sich bewähren

Der Informatikunterricht wird voraussichtlich zunächst in zwei Wochenstunden ab dem fünften Jahrgang angeboten werden. Das bedeutet für die Schüler eine Lehrplanstunde mehr, denn zum Ausgleich soll ein bisheriges Pflichtfach um eine Stunde gekürzt werden. Künftig sei denkbar, daß bereits die dritte oder vierte Schulstufe der AHS und der Hauptschulen in den Informationsunterricht einsteigen, sagte Szirucsek.

Die Ausweitung des Computerunterrichts, der in vielen Ländern noch im Probierstadium ist, sei von Geräten und Lehrpersonal abhängig, erklärte Dr. Reinhold Havle vom Unterrichtsministerium. Die Grundausstattung sehe maximal vier Schüler je Computer von in weiterer Folge werde ein Verhältnis von 2 zu 1 angestrebt. Bei der Lehrerausbildung soll ein "Schneeballsystem" wirksam werden: Bis Herbst 1985 sei beabsichtigt zumindest einen Lehrer an jede der 240 staatlichen sowie der privaten AHS und der 200 polytechnischen Lehrgänge "computertauglich" zu machen. Die ausgebildeten Kräfte würden Ihr Wissen dann unter ihren Kollegen verbreiten.

Derzeit verfügen etwa 80 AHS in Österreich über 320 Computer mit einem Anschaffungswert von rund 20 Millionen Schilling. Der zusätzliche Finanzbedarf für die Totalausstattung mit vier Computern je AHS wird von Szirucsek mit 35 bis 40 Millionen Schilling beziffert. Im EDV-Informations-, Schulungs- und Trainingszentrum, das auf Anregung des Unterrichtsministeriums in Wien installiert wurde und als Verein betrieben wird, können sich sowohl Schüler, Lehrer, wie auch Computerklubs betätigen. Das Interesse soll bereits jetzt den Rahmen sprengen.

Dauerleihgabe aus der Industrie

Insgesamt stehen 60 Computer 15 verschiedener Marken als "unbegrenzte Dauerleihgaben" der Industrie im DV-Zentrum sowie weitere 40 an derzeit sieben Schulen. "Wenn sich die Industrie mit zusätzlichen 60 kostenlosen Geräten einstellt, können wir die Lehrerausbildung in einem knappen halben Jahr auf die Bundesländer, insbesondere in Salzburg und Graz oder Klagenfurt, ausdehnen", sagte Havle. Zusätzliche Kapazitäten für die Lehrerausbildung stellen derzeit die Firmen IBM und Philips in ihren eigenen Schulungszentren zur Verfügung, Siemens wird ab November mit einsteigen. Das Ausbildungsprogramm für die Lehrer umfaßt eine zweiwöchige Schulung bei den Herstellern und eine einwöchige in der "Computerspielwiese" des DV-Zentrums. Rund ein Drittel der Ausbildung beinhaltet gesellschaftliche Aspekte der Informatik und wird vom öGB und der Arbeiterkammer gelenkt.

Das pragmatische Vorgehen des Unterrichtsministeriums bei der raschen Einführung des allgemeinen Informatikunterrichts kritisiert Helmut Schauer vom Institut für Informatik an der TU Wien. Er betrachtet die Informatik als umfassendes Wissensgebiet ähnlich der Mathematik und ist mit dem "Schnellsiedekurs" bei der Lehrerausbildung nicht einverstanden, da für Mathematik ein Lehramtsstudium im Ausmaß von fünf Semestern erforderlich sei. Laut Schauer wäre es richtiger, zunächst Bildungsziele zu erarbeiten, danach die Fragen der Software (Computerprogramme) und erst zuletzt jede der Hardware. Ferner plädiert Schauer für einen projektorientierten Unterricht, der aufzeige, wie komplexe Projekte zu lösen sind. Dies forderte auch die Gruppenarbeit an der Schule. Für die umfassende Lehrerausbildung erachtet Schauer ein Fernstudium als günstig, wie es bereits an der Uni Klagenfurt durchgeführt worden sei.

Uneinigkeit über Basic

Die Orientierung der derzeitigen Schulcomputer auf die Programmsprache Basic empfindet Schauer als überholt, da diese Sprache bereits als überaltet gelte und sich mit modernen Systemen nicht in Einklang bringen lasse. Szirucsek ist dagegen der Ansicht, "Österreich soll alle Geräte kaufen, die derzeit preiswert am Markt angeboten werden".