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27.01.1989 - 

Universitäten fehlt es an moderner DV-Ausstattung und Dozenten:

Informatik-Studenten proben den Aufstand

MUNCHEN (ih) - Die Studenten streiken: Dies ist die Antwort auf die katastrophale Ausbildungssituation an den Universitäten. Bislang nämlich müssen die Informatik-Studenten bei ihren Praktika und Diplomarbeiten mit Ellenbogen gegen ihre Kommilitonen kämpfen und den Platz am Computer auslosen. Die Nachwuchs-Akademiker fordern einmütig eine Reform des Bildungssystems.

Zehntausende von Studenten gingen zusammen mit ihren Professoren auf die Straße - wohl vor allem, weil sie sich von der offiziellen Bildungspolitik im Stich gelassen fühlen. Tatsächlich sehen sich die bundesdeutschen Hochschulen fast unlösbaren Problemen gegenüber. Zum einen stehen sie zunehmend unter "Haushaltsdruck", zum anderen fehlen an den überfüllten Universitäten die Dozenten. Die Palette der Forderungen, die die Nachwuchs-Akademiker durchsetzen wollen, reicht von der "gleichberechtigten studentischen Mitbestimmung", über "die Einführung einer Quotenregelung bei Professorinnen" bis zum Wunsch nach einer "Aufwertung der Lehre gegenüber der Forschung".

Genauso wichtig wie die politischen Forderungen ist den Studenten eine Verbesserung der katastrophalen Ausbildungssituation an der Universität. So wollen es die Informatik-Studenten nicht länger hinnehmen, sich bei ihren Praktika und Diplomarbeiten mit Ellenbogentaktik gegen ihre Kommilitonen durchsetzen beziehungsweise wegen totaler Überlastung den Platz am Computer auslosen zu müssen. Sie sehen den Erfolg ihrer Ausbildung als gefährdet an, wenn die Rechnerausstattung an den Ausbildungsstätten nicht verbessert wird. Dazu gehöre unter anderem die Vernetzung der Computer. Klage führen die Betroffenen auch über die stiefmütterliche Behandlung des gesamten Informatikbereiches. Der Fachbereich heiße nach wie vor "Mathematik und Informatik", obwohl drei Viertel der Studierenden in diesem Fach Informatik-Studenten seien. Mehr Autonomie wäre ihrer Meinung nach wünschenswert.

Interdisziplinäres Denken bei den Studenten gefragt

Daß die überlasteten Professoren ihre Vorlesungen und Seminare zum großen Teil ihren Assistenten überlassen, wollen die Studenten ebenfalls nicht länger akzeptieren. Aufgrund der rigorosen Sparpolitik des Bildungsministeriums könnten die Hochschulen die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter insgesamt nur dadurch halten, daß bis zu zwei Drittel von ihnen durch Drittmittelprojekte, das heißt durch von der Industrie bezahlte Vorschußprojekte, finanziert werden.

Last - but not least - steht mehr interdisziplinäres Denken auf der Wunschliste der Studenten. Dadurch wollen sie verhindern, auch künftig als "Fachidioten" auf- die Unternehmen losgelassen zu werden.

Zusammen mit ihren Kommilitonen aus den anderen Fachbereichen fordern die Informatik-Studenten von den zuständigen Politikern schnellstmöglich eine Reform des Bildungssystems.