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24.10.1975 - 

5. GI-Jahrestagung in Dortmund

Informatiker-Alchemisten der Computerwelt?

Dortmund - Bewegt sich die Informatik erst im Vorfeld der Wissenschaft und sind Informatiker so etwas wie Alchemisten der Computerwelt? Diese provozierende Frage stellte Dr. Hartmann J. Genrich auf der 5. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik, die vom 8.-10. Oktober in der Dortmunder Universität stattfand. Der Computer-Altmeister Prof. Dr. e. h. Konrad Zuse, Hünfeld, mahnte die rund 500 Teilnehmer des Computer-Scientist-Festivals, im zukünftigen Programm der Informatik müsse die "harmonische Vereinigung von Theorie und Praxis" stehen. Offenbar müssen die Informatiker - das ist eine der Erkenntnisse der Jahrestagung - im Spannungsfeld zwischen hohem theoretischen Anspruch und der noch ein wenig vorläufigen Realität leben lernen.

An 14 Lehrstühlen beziehungsweise Instituten für Informatik der westdeutschen Hochschulen studieren derzeit rund 1500 zukünftige Diplom- Informatiker. Erst wenige Absolventen fanden den Weg in die Praxis bei Hersteller und Anwender. Viele bleiben auch nach dem Examen im Elfenbeinturm der Universitäten, um selber zu lehren. Sicher werden noch Jahre vergehen, bis das hier erarbeitete Wissen von der Hochschul-Ebene herunter durchgesickert ist bis in die Lehrpläne der Grundschulen. Genau das aber erwartet die Öffentlichkeit, wenn man etwa den jüngst ausgesprochenen Empfehlungen des Ad-hoc-Ausschusses "Ausbau der DV-Ausbildung" beim Bundesforschungsministerium glauben will. (Siehe CW 42, Karriere- Seiten.)

Verzahnung mit Fachhereichen

Auch diese Empfehlungen fordern größere Praxisnähe der Informatik. Mit der Wahl des Tagungsortes Dortmund hatte die Gesellschaft für Informatik offenbar die Absicht, gerade die Bemühungen der Uni Dortmund in dieser Richtung zu honorieren. Deren Abteilung für Informatik strebt an, insbesondere durch die Initiative der jungen Professoren Dr. Volker Claus und Dr. Jörg Mühlbacher, ein Informatikstudium mit enger Verzahnung zu anderen Fachbereichen zu verwirklichen: so mit der Betriebswirtschaft und der Elektrotechnik. Umgekehrt gibt es in beiden Bereichen bereits ideale Voraussetzungen: die Disziplin "Betriebsinformatik" und einen Lehrstuhl für DV bei den Technikern.

Im Wintersemester 1975/76 studieren rund 500 Informatiker in Dortmund. Fünf Diplomanden gab es 1975, im nächsten Jahr wächst die Zahl auf 25. In Zukunft soll die Jahresproduktion bei 70 bis 120 Diplom-Informatikern liegen. "Das sind die Leute, noch in 30 und 40 Jahren verantwortlich in der Datenverarbeitung tätig sein werden", kommentiert Volker Claus.

Wissenschaftliche Themen standen natürlich im Vordergrund der GI-Jahrestagung und ihrer Arbeitskreis -Grundsatz-Fragen fanden dagegen ihren Niederschlag in den Hauptvorträgen, und eben hier war mehr als einmal von der Verantwortung Wissenschaft die Rede. Gerade die Referate von Dr. Hartmann J. Genrich und Prof. Konrad Zuse fanden ein breites Echo: Über die gesellschaftliche Relevanz wissenschaftlicher Tätigkeit darf gesprochen werden. Der elfenbeinerne Turm hat Fenster. "Die Erfahrung zeigt, daß an die Stelle der individuellen Nutzung des Werkzeugs Computer immer mehr die gemeinsame Nutzung durch organisierte Gruppen von Personen tritt. Da aber gesellschaftliche Denkprozesse ihrem Wesen nach Kommunikationsprozesse sind, wird damit die Zweckbestimmung des Computers als Kommunikationsmedium deutlich" sagt er und merkt an, eben hier sei der Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Informatik zu sehen: als exakter Wissenschaft, die streng geregelte Kommunikation und Organisation zum Gegenstand hat.

Mit der neuen Qualität von Kommunikation per Computer könne auch die Informatik neue Qualität gewinnen: "Die Lehre vom Informationsfluß", so Genrich, "steht dann gleichberechtigt neben Physik und Chemie." Das Zeitalter der Alchemisten wäre überwunden.