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02.06.2014 - 

Beratermarkt

Informatiker sind in der Strategieberatung begehrt

Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.
Informatiker sind analytisch und abstraktionsfähig - diese Eigenschaften machen sie für Strategieberatungen wie McKinsey und die Boston Consulting Group (BCG) interessant. Die Ansprüche sind aber hoch: Informatiker sollten sich auch mit Betriebswirtschaftslehre und ProzessKnow-how auskennen.

Freitag ist in Dubai Sonntag und damit frei. Das ist so üblich in arabischen Ländern. In der Stadt am persischen Golf unterhält die Management-Beratung McKinsey eine Niederlassung. Seit gut einem halben Jahr ist dort das Home Office von Nils Barnickel, 33. Während seine Kollegen im Berliner Home Office freitags die Woche nach- und die neue vorbereiten, macht er das donnerstags. Dieser Bürotag als letzter Arbeitstag der Woche ist üblich in der Beratung. Er dient auch der Bindung der Mitarbeiter, die sonst ständig auf Reisen sind. Mit drei Kollegen ist Barnickel im Mittleren Osten unterwegs. Gemeinsam suchen sie nach Lösungen, wie es eine große Telefongesellschaft schaffen kann, Produktneuheiten schneller auf den Markt zu bringen.

Nils Barnickel, McKinsey: "Die Themenvielfalt und das internationale Arbeiten haben mich beim jetztigen Arbeitgeber besonders gereizt."
Nils Barnickel, McKinsey: "Die Themenvielfalt und das internationale Arbeiten haben mich beim jetztigen Arbeitgeber besonders gereizt."
Foto: McKinsey

In Berlin hat er Informatik mit den Nebenfächern Philosophie und Volkswirtschaftslehre studiert. Dann war er für ein Praktikum bei den Vereinten Nationen sechs Monate in New York und Westafrika. Anschließend hat Barnickel am Berliner Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme in der Forschung und Beratung angefangen und parallel seine Dissertation verfasst. Nach vier Jahren war er mit der Promotion fertig und auf der Suche nach einem anderen Job.

IT-Themen tauchen ständig auf

Über das Karrierenetzwerk E-fellows kam er mit McKinsey ins Gespräch und wurde zu einem Recruiting-Tag eingeladen. Dort wurden Case-Studies mit erfahrenen Beratern durchgenommen. "Ich fand es spannend, dass McKinsey sich mit den großen und offenen Fragen des Topmanagements auseinandersetzt. Mich hat die Vielfalt der unterschiedlichen Themen fasziniert und die Möglichkeit gereizt, weltweit in internationalen Teams zu arbeiten." Im Februar 2012 hatte er dann seinen ersten Arbeitstag im Business Technology Office in Berlin. "Wir beraten Klienten in IT-Strategien und an der Schnittstelle zwischen Business und IT. Darum geht es auch in Dubai." Sein IT-Wissen braucht er sehr wohl. Zwar nicht zum Programmieren, aber als Hintergrund. Als Informatiker versteht er die Komplexität einer IT und findet schnell einen gemeinsamen Nenner mit dem Kunden als Fachmann.

Von seinem Studium profitiert er in fachlichen und methodischen Dingen: "Ich habe gelernt, zu abstrahieren, Kompliziertes zu vereinfachen." Das ist wichtig in seinem Job, in dem er von vielen Leuten unterschiedliche Informationen bekommt. "Daraus ziehe ich das Wesentliche, um den Gesamtzusammenhang zu verstehen."

Seit IT immer mehr zum strategischen Faktor wird, bemühen sich auch Strategieberatungen um Informatiker.
Seit IT immer mehr zum strategischen Faktor wird, bemühen sich auch Strategieberatungen um Informatiker.
Foto: Olivier Le Moal/Fotolia.com

"Informatiker sind stark in der Analyse, zahlenaffin und umsetzungsstark", weiß Carsten Baumgärtner. Der 44-Jährige ist Partner bei der anderen großen Strategieberatung, der Boston Consulting Group (BCG), und dort verantwortlich fürs Recruiting. BCG hat in Deutschland rund 1000 Berater, davon ist etwa jeder Zehnte Informatiker. "Diesen Anteil wollen wir erhöhen, weil IT durch die zunehmende Digitalisierung in allen Branchen und als strategisches Element an Bedeutung gewinnt." Big Data zum Beispiel: "Um die Kunden im Umgang mit gigantischen Datenmengen bestmöglich zu unterstützen, arbeiten wir mit ganzheitlichen Lösungen, die neue Technologien mit strategischer Beratung verknüpfen." Dafür wurde zu Jahresbeginn BCG Digital Ventures gegründet. In dieser Geschäftseinheit beschäftigen sich rund 300 Berater ausschließlich mit IT-Themen.

"Aufwärtskompatibel" sollen sie sein

Rund 200 Berater will BCG in diesem Jahr einstellen. "Wir suchen sehr gezielt nach Informatikern", sagt Baumgärtner. Wer studiert, praktische Erfahrung auch im Ausland sowie Interesse an Neuem hat und etwas bewegen will, gerne Menschen berät und eine runde Persönlichkeit ist: solche Kandidaten sind willkommen. Anfänger ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse nehmen zuerst an einem dreiwöchigen Mini-MBA teil. "Den Rest lernen sie in unseren interdisziplinären Teams von erfahrenen Kollegen sowie durch Trainings."

Carsten Baumgärtner, Boston Consulting Group: Informatiker sind gut in der Analyse, zahlenaffin und umsetzungsstark.
Carsten Baumgärtner, Boston Consulting Group: Informatiker sind gut in der Analyse, zahlenaffin und umsetzungsstark.
Foto: Boston Consulting Group

"Informatiker gesucht, die aufwärtskompatibel sind" - so ist die Karriereseite von BCG überschrieben. In den führenden Beratungen herrscht das Up-or-out-Prinzip. Alle zwei bis vier Jahre steigen die Berater eine Stufe nach oben - oder aus. Viele wechseln früher oder später zu Kunden, zumal es weiter oben in der Hierarchiestruktur immer enger wird.

Stefan Winkler ist seit August 2010 bei BCG. Der 35-Jährige hat Informatik studiert und in Wirtschaftsinformatik promoviert. Große Beratungen legen Wert auf Mitarbeiter mit Promotion und MBA. Dafür werden sie sogar bezahlt von der Arbeit freigestellt. Während des Studiums und der Promotion war Winkler in Beratungsunternehmen tätig. "Die enge Zusammenarbeit mit Kunden und die immer wieder neuen inhaltlichen Herausforderungen sind die wesentlichen Gründe, weshalb Beratung genau das Richtige für mich ist."

Winkler hat sich initiativ bei BCG beworben und im Münchner Büro angefangen. Vier Tage in der Woche ist er bei Kunden in Deutschland, dem angrenzenden Ausland und manchmal weiter weg. Durchschnittlich macht er drei bis vier Projekte jährlich gemeinsam mit drei bis vier Kollegen. "BCG bietet Informatikern die Möglichkeit, in IT-Projekten ihr Fachwissen einzubringen." Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, Erfahrungen in anderen Branchen und Funktionen zu sammeln. "Das ist für mich der Reiz, da ich mich kontinuierlich weiterentwickeln kann." Unterstützt wird Winkler durch Experten bei BCG sowie im Trainingsprogramm.

Winkler ist derzeit Consultant bei BCG und auf dem Sprung zum Projektleiter. Er geht fest davon aus, dass er auch in Zukunft Beruf und Familie erfolgreich verbinden kann: "Bislang funktioniert das sehr gut."

McKinsey-Mann Barnickel hat einen dreijährigen Sohn. "Für mich ist die Unterstützung der Familie wichtig, gerade weil ich oft unterwegs bin. Sonst könnte ich diesen Job nicht machen." Solange es ihm Spaß macht, will auch er als Strategieberater arbeiten. "Entweder bleibe ich, bis ich Direktor werde. Oder ich wechsle zu einem Klienten. Vielleicht gehe ich auch zurück zu den Vereinten Nationen oder gründe eine IT-Firma in Dakar, der Heimat meiner Frau." (hk)

Informatiker haben gelernt, in Prozessen zu denken

Florian Schaudel, McKinsey: "Von 100 Bewerbern, die bei uns beginnen, schaffen es zehn bis 15 bis zum Partnerstatus.
Florian Schaudel, McKinsey: "Von 100 Bewerbern, die bei uns beginnen, schaffen es zehn bis 15 bis zum Partnerstatus.
Foto: McKinsey

Florian Schaudel, 39, ist seit zwölf Jahren bei McKinsey und zurzeit Partner im Business Technology Office. Dessen Mitarbeiter beraten in allen wichtigen IT- und Technologiefragen. An Informatikern ist Schaudel deshalb stark interessiert.

CW: Welches Können und Wissen macht Informatiker für die Strategieberatung interessant?

SCHAUDEL: IT spielt heutzutage so gut wie in allen Fachbereichen unserer Kunden eine wichtige Rolle. Durch ihre Fachkenntnisse können Informatiker daher für die Kunden eine Technologieperspektive bieten. Fast noch bedeutender ist jedoch, dass Informatiker gelernt haben, in Prozessen zu denken, große Probleme in kleine Aufgaben zu strukturieren und damit einen Lösungsansatz zu verinnerlichen, der in der Strategieberatung besonders hilfreich ist.

CW: Und woran mangelt es den jungen IT-Experten?

SCHAUDEL: Informatiker haben im Studium wenig bis nichts von der Betriebswirtschaftslehre mitbekommen. Deshalb bilden wir sie in internen Kursen darin aus.

CW: Wie viele Berater arbeiten bei McKinsey, und wie viele davon sind Informatiker?

SCHAUDEL: In Deutschland haben wir etwa 1200 Berater, davon sind etwa zehn Prozent Informatiker. Feste Quoten oder Planstellen haben wir nicht, aber die Erfahrung zeigt, dass es in diesem Jahr zu rund 250 Neueinstellungen kommen wird.

CW: Werden Informatiker so eingesetzt, dass sie ihr fachliches Wissen aus dem Studium nutzen können?

SCHAUDEL: Ja, wir pflegen ein System, in dem die Berater frei die Projekte aussuchen können, an denen sie mitmachen wollen.

CW: Welcher Typ eignet sich für die Strategieberatung?

SCHAUDEL: Das sind herausragende Persönlichkeiten, hervorragende Akademiker mit ausgeprägten analytischen Fähigkeiten, die aber auch starke soziale Kompetenzen mitbringen. Unsere Kollegen haben ein breites Interesse und möchten bei Klienten etwas bewegen.

CW: Und wer wird scheitern an dem Leben aus dem Koffer?

SCHAUDEL: Ich denke nicht, dass viele daran scheitern. Manche werden nach zwei, drei Jahren feststellen: Ein Leben aus dem Koffer entspricht nicht meinem Lebensmodell, und dann beispielsweise zu Kunden wechseln oder ein Startup gründen.

CW: Von 100 Absolventen, die als Berater anfangen: Wie viele davon werden Partner von McKinsey, also die höchste Karrierestufe erreichen?

SCHAUDEL: Das werden geschätzt zehn bis 15 sein.

CW: Wie erfolgt der Ein- und Aufstieg von Informatikern?

SCHAUDEL: Sie beginnen mit einem Kurs, den wir Mini-MBA nennen. Anschließend werden sie in Projekten eingesetzt. Dort lernen sie sowohl von ihren erfahrenen Teamkollegen als auch in Kursen. Jeder erhält in den ersten beiden Jahren rund fünf bis neun Wochen Trainingszeit.

Konsolidierung im Beratermarkt

2013 ist der Umsatz in der Unternehmensberatungsbranche in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 6,3 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro gestiegen. Für 2014 erwarten die Unternehmen ein Plus von 5,5 Prozent - und eine weitere Konsolidierung im Consulting-Markt, teilt der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) weiter mit. Nach dessen Angaben zog im vergangenen Jahr eine gewaltige Konsolidierungswelle über den Consulting-Markt. Pricewaterhouse-Coopers und Booz & Company gehen jetzt gemeinsame Wege. Und viele große Consulting-Firmen sind interessiert an spezialisierten Unternehmensberatungen.

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