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05.09.1986 - 

Münchner Sommerschule: "Sprachwissenschaft im Computerzeitalter"

Informatiker und Linguisten in einem Hörsaal

Wenn "künstlich intelligente" Computer eines Tages normale menschliche Sprache "verstehen" sollen, so werden die Informatiker dieses Ziel kaum erreichen, holen sie nicht auch Rat bei erfahrenen Sprachwissenschaftlern ein. Und wollen jene, also die Linguisten, mit ihrem Fach ernsthaft weiterkommen, so tun sie gut daran, das moderne Werkzeug Elektronenrechner intensiv zu benutzen, denn es kann ihnen ganz neue Einsichten erschließen.

Wo zwei bisher so weit auseinanderliegende Fächer, wie die Informatik hier und die Linguistik da, zusehends mehr gemeinsame Interessen entdecken, da liegt es eigentlich nahe, sich einmal in aller Ruhe gemeinsam an einen Tisch zu setzen, Wissen auszutauschen und bei dieser Gelegenheit gleich auch noch "computerlinguistischen" Nachwuchs aus- und weiterzubilden. So wie das derzeit in München, im Rahmen einer "Sommerschule" über "Sprachwissenschaft im Computerzeitalter", geschieht.

Maschinelle Übersetzung ist ein weiteres Ziel

Auf einer Pressekonferenz vor Beginn der Sommerschule betonte Hans Uszkoreit vom Stanford Research Institute, die Zusammenarbeit von Linguisten und Informatikern - die natürlich, idealerweise, in ein und derselben Person stattfindet - soll unter anderem zu modernen Frage-Antwort- und insbesondere Expertensystemen führen, mit denen man in möglichst natürlich klingender Sprache kommunizieren kann. Und ein weiteres Ziel der Zusammenarbeit sei das der maschinellen Übersetzung; hier hätten Computerleute zwar schon vor längerer Zeit "ganz naiv" begonnen, zunächst einmal Wörterbücher aufzubauen - "doch dann haben sie gesehen, daß sie von der Problematik eben doch zuwenig verstehen". Deshalb haben sie dann später doch noch die Linguisten zu Hilfe gerufen ...

Neben leistungsfähigen maschinellen Übersetzungssystemen, die laut Uszkoreit aber auch die Arbeitsmarktchancen echt lebender Übersetzer beeinträchtigen können, sind weitere Arbeitsziele Datenbankschnittstellen, die Anfragen in natürlicher Sprache erlauben, sowie ganz allgemein natürlichsprachliche Schnittstellen für beliebige andere Programme und - sogar - Betriebssysteme.

Schon heute, so war zu hören, kommen fortschrittliche Unternehmen der DV-Branche nicht mehr ohne Computerlinguisten aus, wollen sie ihre Produkte weiterentwickeln. Doch leider fehlt es an gut ausgebildeten Leuten - und eben deshalb wird ja nun auch die Münchner Sommerschule veranstaltet. Denn bislang gibt es in Deutschland sonst keine Möglichkeit, war zu erfahren, das neue Feld der Computerlinguistik in vollem Umfang kennenzulernen; allzu verstreut sind nämlich die einschlägigen Lehr- und Fortbildungsmöglichkeiten bisher noch.

Informationen: Institut für Deutsche Philologie der Universität München, Schellingstraße 3, Zi. 308, 8000 München 22, Telefon 0 89/21 80-24 50.