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25.02.2000 - 

Absolventenbarometer 2000

Informatiker wählen ihren Traumarbeitgeber

CW-Bericht, Alexandra Glasl Betriebswirte arbeiten am liebsten bei Unternehmensberatungen, Ingenieure bevorzugen Autobauer - aber wohin zieht es die Informatiker? Über 2000 Studenten haben abgestimmt und mit ihrer Wahl selbst die Sieger-Firmen überrascht.

Sie haben noch kaum Erfahrungen im Ausland gesammelt, wollen aber später international arbeiten. Sie stellen sich auf weniger Überstunden, dafür aber auf ein überdurchschnittliches Gehalt ein. Die Informatikstudenten von heute sind nicht etwa überheblich, sondern nur gut über die Arbeitsmarktlage informiert. Auch das ist ein Ergebnis des aktuellen IT-Absolventenbarometers, für den das Nürnberger Institut für Personal-Marketing Trendence über 2000 IT-Studenten an 40 deutschen Hochschulen interviewt hat und dessen Ergenisse exklusiv in der COMPUTERWOCHE veröffentlicht werden.

So haben 90 Prozent der befragten Studenten, die alle bereits das Vordiplom hinter sich haben, noch keine Erfahrung im Ausland gesammelt, sei es während eines Studienaufenthalts oder eines Praktikums. Mehr als jeder zweite von ihnen strebt aber einen Beruf an, in dem er auch international arbeiten kann. Die internationale Ausrichtung war denn auch ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des attraktivsten Arbeitgebers. An die Spitze haben die Befragten Siemens gesetzt (siehe Seite 154: "Von der Stammhauslehre in den Dschungel"). Für Winfried Hartl vom zentralen Personalbereich kommt das eindeutige Votum überraschend: "Bei den Ingenieuren wissen wir um unsere starke Position, bei den Informatikern hätten wir uns das nicht träumen lassen."

Dicht auf Siemens folgen IBM Deutschland auf dem zweiten und Sun Microsystems auf dem dritten Platz (siehe Seite 155: "Attraktive Arbeitgeber: Die Großen machen das Rennen"). Auch auf den weiteren Plätzen tummeln sich mit Firmen wie SAP, Daimler-Chrysler, Microsoft, Dasa oder Nokia nur Konzerne von Weltrang. Einzige Ausnahme: Auf Platz fünf rangiert mit der Fraunhofer-Gesellschaft eine Forschungseinrichtung, die aber auch Institute in den USA und Asien betreibt. Vor allem bei Big Blue erwarten die Studenten globale Entwicklungsperspektiven, während bei der Entscheidung für die Java-Schmiede Sun eindeutig die interessanten Produkte und Technologien ausschlaggebend waren.

Zu den wichtigsten Beweggründen für die Studenten gehören neben den Produkten oder der Internationalität auch die interessanten Aufgaben und der erfolgreiche Marktauftritt eines Unternehmens. Attraktive Zusatzleistungen und bessere Aufstiegsmöglichkeiten spielten dagegen keine wesentliche Rolle. Auffällig war, dass bei der Wahl von Siemens die beiden Punkte "sicherer Arbeitsplatz" und "attraktiver Standort" viel mehr ins Gewicht fielen als bei den Konkurrenten.

Dass Sicherheit auch bei der "Generation @" gefragt ist, zeigt ein weiteres Ergebnis der Trendence-Studie: Für 70 Prozent der Befragten ist ein langfristiges Verdienstpotenzial wichtiger als ein hohes Einstiegsgehalt. Allerdings versteht ein Informatiker, angeregt durch den überhitzten IT-Arbeitsmarkt, unter hoch etwas ganz anderes als Ingenieurs- oder Betriebswirtschaftsstudenten, die von Trendence bereits im vergangenen Jahr befragt wurden. Letztere stellen sich auf ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von jährlich 71000 beziehungsweise 74000 Mark ein, damit geben sich nur 25 Prozent der befragten IT-Studenten zufrieden. Jeder zweite erwartet mehr als 80000 Mark, 16 Prozent der Befragten sehen sich im ersten Berufsjahr sogar schon bei 100000 Mark und mehr. Dass die Erwartungen der Studenten keineswegs überzogen sind, zeigt ein Vergleich mit der aktuellen Gehaltsstudie der COMPUTERWOCHE. Danach verdient ein 28-jähriger IT-Mitarbeiter im Durchschnitt 85420 Mark, während DV-Profis zwischen 31 und 35 Jahren durchschnittlich 101176 Mark im Jahr erwarten können.

Viel Geld für weniger Stress - getreu dieser Devise rechnen zwei Drittel der IT-Studenten mit höchstens 45 Wochenstunden Arbeit, während sich ein Drittel der Ingenieure und der Betriebswirte auf bis zu 55 Wochenstunden einstellen. Ein deutlicher Unterschied zwischen den Studienrichtungen ist auch bei der Laufbahnplanung auszumachen. Während vor allem Ingenieure längerfristig orientiert sind - 41 Prozent wollen zwischen fünf und sechs Jahre beim ersten Arbeitgeber bleiben -, haben dies nur 36 Prozent der angehenden Informatiker vor. 18 Prozent von ihnen sind mit einer Verweildauer von ein bis maximal zwei Jahren sogar sehr kurzfristig orientiert. "In diesen Antworten spiegelt sich die aktuelle Marktlage wider", analysiert Carl Kjellberg von Trendence.

Ein weiteres Indiz für den engen Personalmarkt ist, dass bereits jeder dritte Befragte über einen Studienabbruch nachgedacht hat. Wie gut die Arbeitsmarktlage für die IT-Studenten derzeit ist, zeigt auch die Tatsache, dass drei Viertel nicht nur während der Ausbildung jobben, sondern dabei auch studienrelevante Praxiserfahrung sammeln. Über die bevorzugten Arbeitsgebiete haben sich über 30 Prozent der angehenden Informatiker dagegen noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Die restlichen präferieren eindeutig die Softwareentwicklung (24 Prozent), gefolgt mit großem Abstand von den Bereichen Multimedia (sieben Prozent) und IT-Consultant (6,6 Prozent). Von Orientierungslosigkeit ist dagegen nichts zu spüren, wenn es um die Anforderungen an den Arbeitgeber geht: Auf die abwechslungsreichen Aufgaben folgt gleich die Forderung nach flexiblen Arbeitsbedingungen. Im Wunsch nach großem Gestaltungsfreiraum unterscheiden sich die Informatiker deutlich von ihren Kommilitonen aus der Betriebswirtschaft und den Ingenieurswissenschaften, die diesen Aspekt erst unter ferner liefen nannten.

Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben

Entscheidend für den IT-Nachwuchs ist es zudem, Fähigkeiten zu erwerben, die ihm langfristig nutzen, eigenverantwortlich zu arbeiten und ein Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Schneller Aufstieg oder die Chance zu einer Management-Ausbildung werden beim ersten Arbeitgeber dagegen selten als Messlatte angelegt.

Auch wenn sich viele der befragten Studenten nicht auf ein Aufgabengebiet oder gar eine konkrete Berufsbezeichnung festlegen wollen, spiegelt die Untersuchung ihre klare Konzentration auf die IT-Branche wider. Softwarehäuser, Computerhersteller, IT-Beratungen und Systemintegratoren sowie die Telekommunikation bilden das Spitzenquartett. Einen hohen Stellenwert genießen aber auch Forschungsinstitute und Hochschulen als Arbeitgeber, die auf Platz fünf und sechs folgen. Weit abgeschlagen sind dagegen die klassischen Anwenderbranchen chemische Industrie, Versicherung oder Maschinenbau, die aber nichtsdestotrotz einen hohen Bedarf an IT-Kräften haben. Allein bei den befragten Studentinnen stehen Nicht-IT-Branchen höher im Kurs: Sie wollen aber lieber in der Werbung, im Tourismus oder der Marktforschung arbeiten als etwa in der chemischen Industrie.

Die Teilnehmer

Das "Absolventenbarometer 2000 - Deutsche IT-Edition" beruht auf einer Internet-Umfrage von etwa 2040 IT-Studenten (Informatik, Wirtschaftsinformatik, Angewandte Informatik, Technische Informatik etc.). Das Personal-Marketing-Institut Trendence hat die 40 größten Hochschulen ausgewählt und alle immatrikulierten Informatiker im Hauptstudium zur Befragung eingeladen. Neun Prozent der Teilnehmer waren Frauen, der Rest Männer, was auch dem Geschlechterverhältnis in IT-Studiengängen entspricht.

Abb.: Wichtige Anforderungen

Abwechslung und einen großen Gestaltungsspielraum wünschen sich angehende Informatiker von ihrem Arbeitgeber. Quelle: Trendence