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Informatikprofessor kritisiert Bachelor- und Master-Diskussion


02.04.1999 - 

Informatikprofessor kritisiert Bachelor- und Master-Diskussion Fachhochschulen verschwinden in die Bedeutungslosigkeit

Der Bachelor- und der Master-Abschluß sowie die Forderung nach größeren Kompetenzen für die Rektoren beschäftigen die Hochschulen, die Ministerialbürokratie und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Rainer Bischoff* setzt sich in einer persönlichen Stellungnahme in der CW kritisch mit diesen Themen auseinander.

Lassen wir die Universitäten außen vor und betrachten die Fachhochschulen (FH):

- Das FH-Diplom könnte im Ausland bekannter sein, getan hat man dafür nicht viel;

- die angloamerikanischen Abschüsse Bachelor und Master sollen das deutsche Hochschulsystem und hier insbesondere das FH-System aufmöbeln;

- die HRK meint - mit den Vertretern der Fachhochschulen dort - der sogenannte Bachelor Honours entspräche dem FH-Diplom.

Nun, es gibt Studiengänge im angloamerikanischen Sprachraum, für die man vier Jahre, also acht Semester, zum Bachelor-Abschluß braucht, meist aber sind es sechs Semester. Den Bachelor Honours als Regelabschluß gibt es praktisch nicht. Man erhält ihn bei besonders guten Leistungen, was länger dauern kann, aber nicht Faktum der Regelstudienzeit ist.

Bachelor mit drei Jahren, also sechs Semestern, gibt es genug. Hier wird keine Anpassung gewollt, sondern neu definiert. Mit diesem Trick bekommt man das FH-Diplom auf "Bachelor Honours" also letztlich auf "Bachelor". Das ist Politik, und zwar schlechte, leider von FH-Professoren mitgetragen.

Das FH-Diplom bei vier Jahren Dauer entspricht qualitätsmäßig dem durchschnittlichen angloamerikanischen Master. Der Bachelor-Abschluß hingegen ist überall schlecht anerkannt. Er hat den Stallgeruch als "undergraduate". Die deutsche Wirtschaft im Ausland liebt ihn nicht.

Das Niveau fast aller Bachelor-Studiengänge, auch mit Honours, ist - verglichen mit dem FH-Diplom - weit unter dessen Niveau, von Praxisorientierung in den meisten Fällen keine Spur. Warum also den Bachelor? Ganz offensichtlich für die zum Teil universitäre Führungsriege der HRK, denen das FH-Diplom ein Dorn im Auge ist.

Ein ausländischer Student, der den Bachelor oder Master machen will, wird ihn an einer deutschen Hochschule wohl kaum machen. Da geht er gleich nach Großbritannien oder in die USA. Und diejenigen, die diese Abschlüsse machen wollen, werden an die Universität gehen und nicht an die FH.

An der FH sollen nur 20 Prozent - so die in den Ländern geplanten Regelungen - den Master machen dürfen. Übrigens: Das Universitätsdiplom soll dem Master entsprechen; das FH-Diplom nicht, sagt die HRK. 80 Prozent der FH-Absolventen werden - falls sie weiter an der FH studieren - den Bachelor machen müssen. 20 Prozent machen den Master mit drei bis vier Semestern auf den Bachelor drauf.

Es gibt schon Überlegungen, diese in Klassen zu teilen. Die höchste Klasse darf dann wohl an der Uni promovieren, nicht wie heute mit einem Nachhol-Muß von fünf bis sechs Semestern, sondern dann vielleicht von vier bis fünf Semestern als "Kompromiß".

Was haben die Fachhochschulen damit erreicht? Sie haben demonstriert, daß ihr Diplom dem Bachelor entspricht. Und wer ist der Verlierer? Die Absolventen und später auch die Institution. Die Absolventen in der Wirtschaft schweigen. Sie werden sich noch wundern müssen.

In den meisten Studiengängen sind die Einstiegs- und Aufstiegschancen in der Wirtschaft für FH-Absolventen und Uni-Absolventen kaum unterschiedlich: Die Praxisorientierung mit der dafür notwendigen theoretischen Fundierung macht das aus. Wo bleibt die immmer wieder festgestellte Gleichwertigkeit, aber Andersartigkeit des FH-Diploms? "Wir müssen universitärer werden", sagte einmal ein FH-Dekan und richtete einen Master-Studiengang mit zehn Semestern ein. Wie wird er sich demnächst fühlen?

Begleitet wird das ganze durch die Forderung: Mehr Macht den Rektoren beziehungsweise Präsidenten. Es ist schon witzig: In der Wirtschaft redet man von Lean-Management und Teamorientierung und mehr Verantwortung, und in der Hochschullandschaft passiert genau das Gegenteil. Die alten Institutionen bleiben zum Teil, unklare Aufgaben und Abgrenzungen stärken den, der immer da ist, den Rektor.

Die heutige, demokratische Führung durch Fachbereiche und Senate wird ausgehöhlt. Die bessere Ansicht setzt sich heute durch, in Zukunft aber eine, die falsch sein kann. Die Existenz von Studiengängen wird dann daran hängen. Heute baden falsche Entscheidungen die aus, die sie getroffen haben. In Zukunft kann man den Rektor nur entlassen. Machthunger und damit die Gefahr des Machtmißbrauchs werden zum Alltag werden. Seilschaften werden Tür und Tor geöffnet. Ein Beirat, meist aus hohen abgehalfterten Politikern und Managern bestehend, bekommt entscheidende Befugnisse: Man trifft sich etwa zweimal im Jahr, hört sich den Jahresbericht des eloquenten Rektors an und stimmt zu.

Das Ende-Szenario sieht wie folgt aus: Absacken der FH auf Bedeutungslosigkeit, frustrierte Professoren, absinkende Qualität und schlechtgeführte Hochschulen.

*Professor Dr. Rainer Bischoff gehört zum Fachbereich Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Furtwangen. Von 1991 bis 1998 war er Vorsitzender des Fachbereichstages Informatik an Fachhochschulen.