Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.02.1989

Informatikstudium-Voraussetzung für Karriere?

Dr. Sören Christensen, Leitung Produktvertrieb Informationstechnologie, mbp Software & Systems GmbH, Dortmund

Den Stein der Weisen gibt es nicht. Die Schule stellt erste Weichen, dann folgen Lehre, Fach- oder Hochschule. Eine gute Lehre schlägt ein schlechtes Studium. Wie optimal ausgebildet werden sollte, wohin man den Bildungsexpreß hinleitet, bleibt umstritten. Mancher Politiker hat sich schon als Weichesteller versucht, mancher guter Ansatz ist später im deutschen Regelwerk erstickt.

Weil es für alle keine gemeinsame Ideallinie einer Ausbildung gibt, wurden und werden für viele die falschen Weichen gestellt. Das erfordert mühsames Umrangieren - auch Umschulung genannt. Eine der umstrittenen Bildungsrichtungen war die Frühspezialisierung. Mit den Vertiefungsfächern Kunst, Sport und Musik ließ sich ein "wunderbares Abitur bauen". Längst kehrt man reumütig zurück und läuft heute Gefahr, die Wende zu überziehen. Der Bildungsexpreß stand schon mehrfach auf dem Abstellgleis.

So wurde Anfang der sechziger Jahre einem momentanen Engpaß bei Lehrkräften mit einem "Maßnahmenbündel" so kräftig begegnet, daß wir an den Folgen noch lange zu zahlen haben: Die Grundgehälter der Lehrkräfte wurden angehoben, für eine generelle Höllerstufung gesorgt und zusätzliche, höherwertige Planstellen geschaffen. Alles ohne Not und im Sinne einer "guten" Planwirtschaft an Marktmechanismen vorbei. Gäbe es den

Staatsinformatiker mit gesicherter 28-Stundenwoche, 14 Urlaubswochen und Pension, wäre eine neue Schwemme vorprogrammiert. Das wäre der Karriereweg für viele.

Karriere ist eben ein relativer Begriff. Karriere kann das Erreichen einer Spitzenposition mit größtmöglicher Verantwortung sein, kann Erreichen von Macht, Einkommen, kann aber auch eine Selbstverwirklichung sein. Allgemein ist Karriere das Erreichen, höchstmöglicher Ziele in Relation zu den erworbenen Eigenschaften, Fähigkeiten und persönlichen Neigungen.

Viele träumen von Karriere, aber nur wenige setzen ihre Träume um. Den meisten fehlen Stehvermögen und Fleiß, die notwendig sind, um ihre Kenntnisse und Fähigkeiten wirksam umzusetzen.

Wie" baut" man Karriere? Sicher nicht, indem man einen bestimmten Studiengang einschlägt, und sei es heute Informatik, sich beruhigt zurücklehnt und selbstzufrieden abwartet. Das ging schon immer schief: In der Nachkriegszeit fehlte Wohnraum, da waren Architekten und Ingenieure gefragt. Heute gibt es in der Bundesrepublik Deutschland zehnmal so viele Architekten wie in den USA.

Spezialisierung, dezidiertes Fachwissen sind wichtige Komponenten. Spezialwissen allein ist aber nicht lebensfähig. Das gilt für alle Aufgabenbereiche. Letztlich bestimmt der Markt, was produziert werden muß und wie. Für Akquisition und Umsetzung von Aufträgen zum Beispiel muß man sie jeweilige Marktsprache beherrschen, um Signale heraus zu hören und in Produktanfoderungsprofile wandeln zu können. Dazu hilft nicht in erster Linie "eingleisiges" Fachwissen, vielmehr hilft übergreifendes Wissen und Erfahrung.

Auch Spezialisten gewinnen an Profil, wenn sie über den Tellerrand ihrer Profession angrenzendes Wissen erschließen. Vielfalt und Breite in einem Studium oder eine Lehre vertiefen das Allgemeinwissen und erleichtern so das Erschließen neuer Aufgabenbereiche und Inhalte.

Die Fachrichtung Maschinenbau ist dafür ein gutes Beispiel. Sie kann leicht Ausgangspunkt einer mehrgleisigen Ausbildung sein. Sie erlaubt nach dem Vordiplom die Vertiefung in viele Teilfachrichtungen und angrenzende Fachbereiche. Wer als Maschinenbaustudent für die Lösung eines definierten Problems oder Verfahrens beispielsweise die Informatik eigenständig als "Werkzeug" nutzt, gewinnt nicht nur weiteres Fachwissen hinzu, sondern auch persönliches Profil. Gelingt es dem Studenten darüber hinaus, studienbegleitend mit einem geeigneten Job den Anwendungsbezug herzustellen, hat er sich frühzeitig mehrere Gleise erschlossen, über die er seinen Karriere-Expreß rollen lassen kann. Es fällt ihm leichter, zielorientiert zu arbeiten und Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen.

Das Erlernen der ersten Fremdsprache fällt schwer. Das Erlernen weiterer Fremdsprachen wird immer einfacher. Ähnlich ist es auch mit der Einarbeitung in neue Aufgabengebiete.

Einmal erarbeitetes Wissen muß ständig aktualisiert und verbreitert werden, sonst ist es schnell wertlos. Die Halbwertzeit des Wissens sinkt ständig. In einem sich schnell wandelnden technologischen Umfeld besteht man leichter, wenn man gelernt hat zu Lernen. Es macht deshalb wenig Sinn, wahrend des Studiums "Einwegwissen" aufzuhäufen.

Die Konsequenz heißt nicht dünne Bretter bohren. Aber Eichenbohlen in Längsrichtung durchzubohren, ist praxisfern. Wichtiger ist die Transformation von erarbeitetem, theoretischem Wissen in praktische Nutzanwendung. Für die Überholspur des Karriereweges ist es wichtig, ständig über ein Kreativitätspotential zu verfügen. Ideen zu haben ist wichtig, die guten herauszuselektieren und Ideen anderer nutzbringend aufzunehmen ist wichtiger, sie umzusetzen bringt den Erfolg.

Ebenso wichtig wie das Lernen zu lernen, ist das Lernen zu arbeiten, und zwar mit Spaß und Ideen. Schließlich verbringen wir einen guten Teil unseres Lebens damit. Die positive, eigenmotivierte Einstellung zu den gestellten Aufgaben führt zwangsläufig zu besseren Ergebnissen, schafft Raum und Zeit für weiterführende Ansätze und Ziele.

Wer diese Ziele kreativ und zäh verfolgt, hat schnell Probleme mit dem Faktor Zeit, muß nach Ansätzen suchen, die auch dieses Problem eingrenzen.

Wer so denkt und handelt, wächst schnell in die Rolle eines "Leistungsmagneten", qualifiziert sich Für neue Aufgaben. Er ist gefragt. Seine Aktionen entfalten Eigendynamik, viele führen zum Erfolg.

Während der Erfolg für alle sichtbar ist, bleibt der oft steinige Weg dorthin vielen verborgen. Außenstehende sprechen deshalb gern von Glück. Sicher ist für die Karriere auch Glück notwendig. Aber Glück stellt sich selten zufällig ein.

Ein Informatikstudium kann ein interessantes Element für eine Karriere sein, mehr aber nicht. Bedenken sollte man auch, daß die vermittelten Berufsbilder im Mittel fünf Jahre hinter dem Ist herhinken und die Ausbildung durchschnittlich fünf Jahre beansprucht. Zehn Jahre sind in Hochtechnologie sehr viel.