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27.10.1978

Information als Produktionsfaktor und Schlüssel zur Personalfunktion

Fritz Bisani

Prof.-Fachhochschullehrer für Personalwesen und Unternehmensführung an der Gesamthochschule, Essen

Daß Informationen einen Produktionsfaktor darstellen, wurde von der Betriebswirtschaftslehre erst verhältnismäßig spät erkannt und wird demzufolge auch erst in der neueren Zeit in der Fachliteratur gewürdigt. Zunehmende Spezialisierung und Arbeitsteilung rücken die Information als Mittel der Koordination immer stärker in den Vordergrund. Besonders die Möglichkeiten des EDV-Einsatzes, der Übergang von der ersten zur dritten Anlagengeneration, verbunden mit einem enormen Anstieg des

Preis-/Leistungsverhältnisses innerhalb von wenig mehr als 10 Jahren, versprachen die Lösung aller Informationsprobleme. Anstele von Insellösungen sollten Integrationsmodelle treten. In zahllosen Zeitschriften-Aufsätzen spiegelt sich die Einstellung von anfänglicher Zurückhaltung über Euphorie zu Enttäuschung und Frustration wider. Zwischenzeitlich hat die Betrachtung nüchterner Überlegung Platz gemacht. Standen in den ersten Jahren die Bereiche Produktion, Absatz und Finanzwesen im Vordergrund, rücken heute im Zeichen der Personalkostensteigerungen und zunehmender Probleme des Arbeitseinsatzes Personalinformationssysteme an ihre Stelle.

Produktionsfaktor: Information

Die Bedeutung der Information als Produktionsfaktor wurde erst erkannt, als mit steigender Spezialisierung der Arbeitsaufgaben und zunehmender innerbetrieblicher und zwischenbetrieblicher Arbeitsteilung die Führungs-, Leitungs- und Koordinationsprobleme im Betrieb immer schwieriger wurden. Die betriebswirtschaftliche Literatur hat sich diesem Problem erst sehr spät zugewandt und versucht, eine betriebswirtschaftliche Infomationstheorie zu entwickeln (Zimmer, Wacker, Weilemann/ Scheitlin).

Die Diskussion erhielt lebhaften Auftrieb, als sich mit der Entwicklung immer schnellerer und leistungsfähigerer EDV-Anlagen neuartige Lösungsmöglichkeiten abzeichneten. Anstelle von

Insellösungen wurden nunmehr weitgehend geschlossene integrierte Gesamtsysteme propagiert.

Erst Euphorie, dann Frustration

Wirtschaft und Verwaltung haben recht unterschiedliche Haltungen zum Thema Management-Informationssysteme (MIS) eingenommen, die sich auch in der zahlreichen Zeitschriftenliteratur niederschlagen. Die erste Stufe der Entwicklung war gekennzeichnet von einer reservierten, teilweise sogar ablehnenden Haltung und entsprach der Norm, die in der Regel jeder Innovation folgt. Gekennzeichnet sind solche Perioden meist durch ein fundamentales Unwissen über die technischen Möglichkeiten der neuen Entwicklung. Eine dadurch bedingte emotionale Abneigung wird durch scheinbar rationale Begründungen bemäntelt. Dieser Phase folgt dann eine ebenso nur emotional bedingte Phase der Computer-Euphorie, bei der die Möglichkeiten der Datenverarbeitung und deren Realisierbarkeit hoffnungslos überschätzt wurden. Eine Entwicklung, bei der vor allem eine Reihe von verhängnisvollen Veröffentlichungen und Zusagen von EDV-Herstellern und

-Beratungsfirmen übertriebene Hoffnungen weckten, die nicht zu realisieren waren. Während dieser Periode entstand die große Masse der MIS-Literatur. Die Tatsache, daß leider eine Reihe von Herstellerfirmen und Software-Häusern sowie von Beratern entweder die Anwendungsprobleme negierten, einseitig Hardware-Aspekte in den Vordergrund stellten oder einfache, ungeeignete oder nicht voll ausgereifte Software-Pakete propagierten und diese als fertige Management

-Informationssysteme verkauften, ist dafür verantwortlich, daß die Periode der Euphorie sehr rasch in eine noch heute weitgehend vorherrschende Phase der Frustration umschlug.

Literaturboom

Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema sind in der

Euphorie-Phase zwischen 1968 und 1973 herausgekommen Autoren aus Firmen, die ähnliche Systeme eingeführt haben oder einführen wollten, äußerten sich meist in Zeitschriftenbeiträgen oder Readern. Viele einseitige Darstellungen, die gewissen Gestaltungsidealen entsprachen, kamen von Beradungsfirmen und EDV-Herstellern. Forschungsergebnisse und Arbeitsberichte aus den Universitäten, denen meist empirische Erhebungen zugrunde lagen, heizten den Literaturboom trotz oft hoher Theoriehaltigkeit noch an. (Eine Auswahl aus der MIS-Literatur wurde in der Zeitschrift "Literatur-Berer Wirtcchaft in der Nr. 1, 1977, S. 3 bereits von Prof. Fritz Bisani zusammengestellt.).

Im Vordergrund: Personalinformationssysteme

Obwohl der Personalfunktion im Rahmen der Unternehmung immer mehr eine Schlüsselrolle zukommt, beschäftigten sich die meisden MIS zuerst mit den quantitativ leichter erfaßbaren Bereichen der Fertigung, des Absatzes und des Rechnungswesens. Personalfragen blieben zuerct weitgehend ausgeklammert, allenfalls wurden nur die statistisch leicht erfaßbaren Daten, wie Fehlzeiten, Fluktuation und so weiter, mit einbezogen. Erst nachdem die Ford-Werke 1967-69 ihr IPIS (integriertes Personal-Informationssystem) entwickelt und in Zeitschriftenbeiträgen vorgestellt hatten, erfolgte eine größere Anzahl von Veröffentlichungen auch zu diesem Thema. Domsch (1973) stellte eine Gestaltungsidee für ein geschlossenes PIS vor. Eine geschlossene Darstellung versucht Reber über diesen Problembereich zu geben. Im Rahmen von Forschungsprojekten versuchte Hackstein, durch die Profilvergleichsmethode eine Gestaltungsidee für Informationssysteme für Personaleinsatz, -planung und -entwicklung zu schaffen, ein Vorgehen, das von Heinrich/Pils stark kritisiert wird. Sie entwickeln statt dessen eine eigene Idee, die auf dem Zusammenwirken von Ur-, Kern- und Einwirkungsaufgaben beruht. Eine Besonderheit stellen hier die Schriften der DGFP dar, bei denen Arbeitskreise von interessierten Mitgliedsfirmen aus der Sicht der Anwender Möglichkeiten des EDV-Einsatzes im Personalwesen aufzeigen, ohne den Ehrgeiz zu entwickeln, zu

"Ideal-Integrationsmodellen" zu gelangen. (Wer sich einen Überblick über den Einsatz von EDV-Systemen im Unternehmensbereich verschaffen will, findet gute Informationssysteme in AWV (Personalinformationssysteme) und Heinrich/Pils, sowie in BIFOA-(...) berichten 69/1 und 71/3.

Nachdem im öffentlichen Bereich die Probleme des Datenschutzes immer drängender werden, gewinnt - hervorgerufen durch den verstärkten Einsatz der EDV im Personalwesen - auch der Datenschutz im Unternehmen für das Arbeitsrecht zunehmend an Bedeutung. Zusammenfassende Darstellungen dieser Problematik finden sich bei Hentschel und anderen sowie Hummerich/Gola.

Auszugsweise entnommen dem Artikel

"Management -Informationssysteme, insbesondere Personalinformationssysteme aus der Zeitschrift "Literaturberater Wirtschaft", Nr. I, S. 3, 1977