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14.10.1988 - 

Leiter Verbindungsbüro Berlin der IBM Deutschland

Information im Überfluß

Ein Blick in die Geschichte macht es deutlich: Die Menschen, gleichgültig wo sie lebten, haben es immer mit einem Überfluß an Informationen zu tun gehabt. Der Grad der Aufnahme dieser Informationen, die Feststellung ihrer Relevanz, hat immer über "Wohl und Weh" entschieden.

Als man am Ende der vierziger Jahre unseres Jahrhunderts mit der elektronischen Datenverarbeitung, dem Computer, Bekanntschaft machte und ihn als Hilfsmittel, als Intelligenzverstärker, erkannte, war deshalb daran nichts Außergewöhnliches.

Intelligenz, hier als Fähigkeit bezeichnet, wahrzunehmen und Wahrnehmungen festhalten zu können, aus Wahrnehmungen Folgerungen und Bewertungen abzuleiten, und schließlich, Wahrnehmungen, Folgerungen und Bewertungen miteinander verknüpfen zu können, fand Unterstützung durch den Computer. In den Rechner konnten Daten und Instruktionen eingegeben, festgehalten und ausgegeben werden, konnten Wahrnehmungen, Folgerungen und Bewertungen miteinander verknüpft werden. Die "Information im Überfluß" schien also mit Hilfe der Technik gebändigt.

Wenn dieses Thema heute dennoch für erörterungswürdig gehalten wird, muß es dafür Gründe geben. Ende der sechziger Jahre begann man, über "umwälzende Herausforderungen" nachzudenken und die Information in einer anderen Qualität zu sehen.

Die Stanford University, der Club of Rome und eine Vielzahl anderer bedeutender Institutionen begannen in vielfältigen Untersuchungen zu zeigen,

- daß sich in immer kürzeren Zeitabständen das gesicherte Wissen der Menschheit ebenso wandelt wie Lebensumstände und deren Determinationen,

- daß der Wert von Erfahrungen immer neu und in immer kürzeren Zeitabständen zu überprüfen sei.

Damit ist die Bedeutung der Information als Untermenge des "Faktors Zeit" beschrieben. Zeit beziehungsweise Information war nun nicht mehr nur als Rahmen- beziehungsweise Basisgröße zu sehen, sondern als wichtigster Aktionsparameter, dessen Beherrschung der Wissenschaft, Wirtschaft und Gesselschaft gleichermaßen zur Herausforderung unserer Tage wurde.

Rascher Wandel bedeutet mehr Wahrnehmung, bedeutet mehr Information und bedeutet deshalb auch mehr Erfahrung. Er bedeutet, daß Erfahrung nicht zukunftsrelevant sein muß, vielleicht gar nur in seltenen Fällen sein kann.

Wir beginnen zu verstehen, weshalb

- die Diskussionen um den Wertewandel,

- die Frage nach der persönlichen Einbindung in eine immer größere "Strukturdynamik",

- die nostalgische Hinwendung an die Vergangenheit und

- die Sorge um unser, angesichts der "Information im Überfluß" geringer werdendes gesichertes Wissen

verstärkt in unser Bewußtsein treten.

Der "Überfluß" begegnet uns in Vergangenheits-basierten Argumentationen ebenso wie in den Wahrnehmungen der Realität.

Die Herausforderung liegt nun darin, Realität zu bewerten und dafür zu sorgen, daß diese Bewertung gleichzeitig bekannte, "abgesicherte" Argumentationen verändert.

Hier nun ist das weitgefächerte Instrumentarium der Informationstechnik angesiedelt: Es ermöglicht das immer schnellere Erfassen, Speichern und Verarbeiten von Informationen und hält diese in einer großen Zahl von "Bibliotheken" bereit. Es ermöglicht den Transport dieser Informationen über Netzwerke und macht zugleich Computerleistung überall verfügbar. Es ermöglicht den suchenden und findenden Griff in die "Bibliotheken" (Datenbanken etc.).

Mit dieser Aufzählung ist die Hilfsfunktion der Informations-technik wohl deutlich geworden und hervorgehoben, daß die Bewertung der Information nach wie vor natürlich nur durch den Menschen erfolgen kann.

Die immer leistunssfähigere Technik - langst ist aus der Rechenmaschine, dem Computer, eine "Zeitmaschine" geworden - ermöglicht uns, den "Überfluß an Informationen" immer wieder zur Abbildung einer neuen Realität zu nutzen. Fortschreibungen von Vergangenheitsinformationen, wie man dies so gern in Prognosen tut, können nun mehr und mehr durch Simulationen, Spiele mit der Intelligenz und der Phantasie begleitet werden.

Bei allen Ausbildungswünschen sollte deshalb die Bildungs-forderung nicht vergessen werden. Denn wer Informationen bewerten will, muß für die Zusammenhänge, in die diese Informationen gestellt sind, eine Empfindlichkeit, eine Wahrnehmungsfähigkeit erworben haben. Dies vorausgesetzt, wird die "Information im Überfluß" eine beruhigende Basis sein.