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06.07.1979 - 

Argumente aus dem "Programm Informationstechnik" des BMFT:

Information ist für die Gesellschaft so wichtig wie Energie

BONN - Mit einer Milliarde Mark will Bundesforschungsminister Dr. Volker Hauff das neue Programm "Informationstechnik" fördern, das - siehe auch COMPUTERWOCHE Nr. 24 vom 15. 6. 1979 - die drei bestehenden Einzelprogramme auf dem Gebiet der Informationstechnologie ablösen soll. Von den existierenden Programmen (Drittes DV-Programm 1976 - 1979; Technische Kommunikation 1978-1982; Elektronische Bauelemente 1974-1878) wird das DV-Programm, wie mehrfach berichtet, auslaufen, das Bauelementeprogramm wird ebenfalls beendet, nur die "Technische Kommunikation" ohne inhaltliche Veränderung in das Milliarden-Programm "Informationstechnik" übernommen.

Wegen der "beginnenden wechselseitigen Verzahnung" von technischer Kommunikation, Datenverarbeitung und elektronischen Bauelementen plädiert das BMFT für die Bündelung. Aus dem Konzept des Forschungsministers auszugsweise einige wesentliche Abschnitte.

Entwicklungstendenzen und Auswirkungen der Informationstechnik in den 80er Jahren

Bei zunehmender Leistung und gleichzeitiger Abnahme des Platzbedarfs und der Gerätekosten werden weiterhin neue und breite Anwendungsschichten erschlossen.

Während bislang aus Gründen der Wirtschaftlichkeit mehrere Benutzer auf eine gemeinsame größere Anlage zugriffen, ist eine Tendenz zum "persönlichen" Computer zu erwarten, der die Lücke zwischen Taschenrechner und Computer-System schließt und sowohl für technische und kaufmännische Aufgaben wie auch für die Datenhaltung und Textverarbeitung geeignet ist.

Das Zusammenwirken von Datenverarbeitung und Nachrichtentechnik ermöglicht neue Formen der dezentralen Datenverarbeitung und eine freizügige, standortunabhängige Informationsverarbeitung. Über die heute üblichen Betriebsformen der Datenfernverarbeitung hinaus wird die Verarbeitungskapazität und Speicherkapazität in den Endgeräten zunehmen und ihnen eine gewisse Teilautonomie verleihen. Größere Kapazitäten werden bei Bedarf über Verbundnetze verfügbar- sein. Einfache Endgeräte können über Funk oder Leitungsnetze mobil eingesetzt werden und vom Bediener oder in Fahrzeugen mitgeführt werden.

Über neue Medien, wie zum Beispiel Bildschirmtext, werden der Informationstechnik neue, breit gestreute Zugangsmöglichkeiten eröffnet. Kleine Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, werden sich so bei erschwinglichen Kosten der Informationstechnik bedienen können.

Neuartige, preiswerte und kompakte Massenspeicher (beispielsweise mit einer mehr als tausend jeweils tausendseitiger Buchbände entsprechenden Kapazität pro optischer Speicherplatte) können den Bild- und Datenstationen hinzugefügt werden,

werbsfähigkeit eingesetzt werden. Kleinrechner, Endgeräte und elektronische Bauelemente werden dabei zusammen mit intelligenten Bürogeräten und neuen Kommunikationstechniken grundlegend die Arbeit in Büro und Verwaltung verändern. Die Marktforschung schätzt den Umsatz mit Geräten der Textverarbeitung Mitte der 80er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland auf eine halbe Milliarde Mark; das ist fünfmal so viel wie 1978.

Engagement des BMFT

Im Rahmen der im Forschungsbericht der Bundesregierung erklärten forschungspolitischen Ziele sind für ein Programm "Informationstechnik" folgende Zielsetzungen zu diskutieren:

A) Die Wirkungen der Informationstechnik auf die Gesellschaft müssen rechtzeitig erkannt werden; unerwünschte gesellschaftliche Folgen und Risiken, die aus der zunehmenden Ausbreitung der Informationstechnik entstehen können müssen vermieden oder abgebaut werden.

B) Zur Erhaltung ihrer Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit muß die deutsche Wirtschaft an der Weiterentwicklung der Informationstechnik teilhaben. Sie muß in die Lage versetzt werden, die modernen Informationstechnologien von Grund auf zu beherrschen und ihren Fortschritt zu nutzen.

C) Die Informationstechnik muß für die Verbesserung vor allem, öffentlicher Dienste systematisch genutzt werden. Dazu müssen dort, wo dies nicht bereits im Gefolge wirtschaftlicher Anreize geschieht, solche Dienste entwickelt und erprobt werden.

Die Verletzlichkeit einer informationstechnischen Gesellschaft

In dem Maße, wie sich Staat und Wirtschaft auf die Informationstechniken abstützen, hängt ihre Arbeitsfähigkeit von der störungsfreien Funktionsfähigkeit des technischen Instrumentariums ab. Heutige Computersysteme haben die Eigenschaft, bei Funktionsstörungen oder Bedienungsfehlern, die das Betriebssystem nicht verarbeiten kann, den Betrieb mehr oder weniger schlagartig aufzugeben. Dies kann - bis zur Fehlerbeseitigung - den Zusammenbruch derjenigen Organisationseinheiten bedeuten, die sich voll auf das System abstützen. In besonderen Fällen (Verteidigung, Luftfahrt, industrielle Automation) behilft man sich durch die Installation mehrerer gleichartiger Systeme. Im Normalfall ist diese Lösung aber wirtschaftlich nicht tragbar und vielfach auch technisch schwer realisierbar (zum Beispiel aktuelle Führung aller Bestandsveränderungen in mehreren unabhängigen Maschinen). Hier sind Lösungen durch Mikroredundanz im System selbst erforderlich, die durch den Preisverfall hochintegrierter Bauelemente möglich werden. Derart fehlertolerante Systeme würden nicht mehr schlagartig zusammenbrechen, sondern bei auftretenden Fehlern lediglich in der Leistung nachlassen.

Einer der Hauptfaktoren der Verletzlichkeit liegt in der zunehmenden Komplexität der technischen Systeme sowie ihrer Anwendungen. Informationssysteme der verschiedensten Art bedienen sich vor allem deshalb der elektronischen Informationsverarbeitung, weil sie vielfältige Verknüpfungen und Verflechtungen ermöglicht, die dann zu neuen Informationen führen. Dieser Trend zu immer größer werdender Komplexität macht die Systeme aber zunehmend undurchschaubar, änderungsfeindlich und unkontrollierbar. Das gleiche gilt in der Folge für die Informationen und Verarbeitungs- sowie Verteilvorgänge in den Systemen - also letztlich für die Betreiber in Staat und Wirtschaft selbst.

Mit der sogenannten "Softwarekrise" wird ein Zustand beschrieben, bei dem Betriebssysteme oder große Anwendungssoftware bereits einen solchen Komplexitätsgrad erreicht haben, daß Verbesserungen an einer Stelle (wenn sie überhaupt möglich sind) Fehler oder Verschlechterungen an anderer Stelle nach sich ziehen und bei dem nur noch ganz wenige Spezialisten den Gesamtzusammenhang der Softwarekonstruktion erkennen. Dies erschwert die Veränderung, notwendige spätere Anpassungen und die Wartung von Softwaresystemen oder macht sie unter wirtschaftlichen Bedingungen vielfach unmöglich.

Es ist heute Stand der Erkenntnis, daß das Gesamtsystem (sei es ein Betriebssystem oder eine Problemlösung beim Anwender) so konzipiert werden muß, daß separierbare Teile entstehen, deren Entwicklung und spätere Pflege unabhängig voneinander erfolgen können. Hierzu müssen der Grad und die Art der Kopplung der definierten Teilsysteme beschrieben und Schnittstellenvereinbarungen getroffen werden. Das Ziel ist die Zerlegung eines Komplexes in möglichst autonome Teilsysteme, die miteinander korrespondieren. Die Korrespondenz autonomer Teilsysteme (Datenfernverarbeitung, Computerverbund, Verbund verschiedener Informationstechniken) bewahrt darüber hinaus davor, daß heute noch autonom existierende Systeme in einer Weise zu Supersystemen verschmolzen werden, daß der Informationsaustausch dann (da automatisch im System anstatt kontrollierbar zwischen Systemen) vollends anonym wird (wichtig für den Datenschutz).

Der Preisverfall der Hardware durch neue technische Entwicklungen wird sich auch auf die Programmiertechniken auswirken und zu neuen Gütekriterien führen. Nicht mehr die speicherplatzsparende Programmierung wird vorrangig sein, sondern Verständlichkeit, Änderbarkeit und Kontrollierbarkeit der Software.

Die Entwicklungs- und Ausbreitungsgeschwindigkeit der Informations-Einzeltechnologien wie Datenverarbeitung, Technische Kommunikation, Textverarbeitung, Drucktechnik, Elektronische Bauelemente sowie ihr wechselseitiges Zusammenwirken führen zu einem informationstechnischen Lawineneffekt, der unsere Arbeitswelt und unsere privaten Lebensgewohnheiten nachhaltig beeinflussen kann. Es entsteht damit in den 80er Jahren ein informationstechnisches Potential, das eine auf ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit angewiesene Industrienation wie die Bundesrepublik ,nicht ungenutzt lassen darf.

Dies spricht dafür, daß in den nächsten Jahren informationstechnische Büro- und Verwaltungssysteme in großem Umfang zur Erhaltung der Wettbewerb.

Wettbewerbsfähigkeit und Innovation

Technische Kommunikation und Informationsverarbeitung sind charakteristisch für moderne Industriegesellschaften. Information ist eine Ressource, deren Bedeutung für unsere Gesellschaft durchaus der der Energie entspricht.

In der Vergangenheit war es vorrangig, einen Rückstand deutscher Hersteller bei Anlagen und Geräten aus eigener Entwicklung und Fertigung aufzuholen. Dies hat sich in den drei DV-Programmen der Bundesregierung niedergesgeschlagen. Die deutsche DV-Industrie hat zwischen bewiesen, daß sie jetzt oder in Kürze in der Lage ist, leistungs- und wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen. Die produktbezogene DV-Förderung wird deshalb mit dem Auslauf des 3. DV-Programms beendet.

Für die Beherrschung der Informationstechnik wird es in Zukunft wichtiger sein, über das Systemwissen und bestimmte Basistechnologien zu verfügen:

1. Hersteller und Anwender brauchen das Wissen und die Erfahrung in der Ausgestaltung und im Umgang mit den modernen Informationstechniken.

Nicht nur das Zusammenwirken und Zusammenwachsen verschiedener Einzeltechnologien wie Elektronik, Technische Kommunikation und Datenverarbeitung erfordert fundiertes Grundlagenwissen der Systemtechnik. Vor allem dezentralisierte technische und organisatorische Lösungen verlangen ein weitaus größeres Maß an systemtechnischer Durchdringung als die klassische Datenverarbeitung.

2. Hersteller und Anwender brauchen ein hohes Maß an Innovation mit moderner Informationstechnik zur Erhaltung oder Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit. Dies gilt auch für die öffentliche Verwaltung. Hemmnisse, die einer notwendigen Modernisierung durch Einführung neuartiger informationstechnischer Verfahren, Geräte oder Bausteine entgegenstehen, müssen überwunden werden. Hier sind ganz besonders die Entwicklungen auf dem Gebiet der Technischen Kommunikation angesprochen.

3. Die Verfügbarkeit von modernen elektronischen Bauelementen und anderen Komponenten der modernen Informationstechnik ist entscheidend für die weitere Entwicklung einer Vielzahl von Geräte- und Anlagenherstellern der Informationstechnik .

Die Finanzierung von Entwicklungsvorhaben auf diesen Gebieten aus den eigenen Umsatzerlösen führt - wie die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt - aus Kostengründen schnell auf eine starke Einengung der technologischen Basis und zur Übernahme fertiger ausländischer Lösungen. Auch wenn dies im Einzelfall unbedenklich erscheint, muß insgesamt vermieden werden, im Bereich der Informationstechnologien in grundsätzliche Abhängigkeiten zu geraten. Deshalb liegt eine Förderung der Forschung im Bereich der technologischen Grundlagen der Informationstechnik im öffentlichen Interesse, um einerseits bei der breiten Anwendung der Informationstechnik in Wirtschaft und Verwaltung vom jeweils neuesten Wissensstand ausgehen zu können und um andererseits auch dort prinzipiell die Möglichkeit von Eigenentwicklungen offenzuhalten, wo dies aus wirtschaftlichen Erwägungen zur Zeit nicht geschieht.