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05.01.1978 - 

Katzerische Gedanken zum Jahreswechsel

Informations-Overkill

Zum Jahreswechsel ist es bekanntlich erlaubt, die Dinge einmal ganz anders zu betrachten, - in Frage zu stellen, was allerheiligst ist. Und vielleicht ist es sogar ganz nützlich, mal alles aus anderem Blickwinkel zu werten. Zum Beispiel den Fortschritt in der EDV:

Wer soll das lesen?

Nehmen wir das Drucksystem IBM 3800, die "Laser-Druckmaschine" in "Elektrophotographietechnik". IBM preist das Wundering so an: "Wer erfaßt schon, ob das einzelne EDV-Formular einige Pfennige mehr oder weniger kostet? Wo aber Monat für Monat Hunderttausende von Seiten zu drucken und zu verteilen sind, addieren sich Pfennige zu Kosten und Sekunden zu Stunden an Druck- und Verteilzeiten." IBM 3800, das heißt: Gesteigerte Druckleistung, Verbesserte Druckqualität, Vereinfachtes Formularwesen, Reduzierte Papierkosten, da kann man viel sparen, man muß nur entsprechend viel ausgeben.

Welchen EDV-Chef reizt die neue Technologie nicht? Man will das haben. Vielleicht ein paar Schuhnummern kleiner - aber irgendwann schon.

Und so sieht die andere Rechnung aus: Die IBM 3800 Druckmaschine produziert pro Sekunde (-einundzwanzig-) 70 cm engbedrucktes Papier, pro Minute 42 m, pro Stunde 2,5 km. Zerschnitten in DIN-A-Dreieinhalb-Format (etwa 25Î38 cm) sind das 10 000 Formulare pro Stunde. Wenn die 3800 täglich sechs Stunden produktiv ist (etwa bei 16-Stunden-Zweischicht-Betrieb), sind das täglich 60 000 Formulare, 300 000 pro Woche,

1 440 0000 Formulare pro 48-Wochen-Jahr. Da alles immer etwas anders kommt, rechne man mit einer Jahresproduktion von 10 Millionen bedruckten Seiten. Wer soll das eigentlich lesen?

Der andere Blickwinkel

Nun gut. In Silvesterlaune sollte man vielleicht weiterrechnen, diesmal nicht aus Sicht des EDV-Fachmanns, sondern einmal aus dem Blickwinkel dessen, der das alles bezahlt:

Unterstellt, jedes Formular wird irgendwie auch bearbeitet, transportiert, sogar gelesen und archiviert. Durchschnitts-Zeitbedarf: Zwei Minuten. Sonst hätte man es wohl nicht drucken sollen! Dann sind das 20 Millionen Minuten oder 333 333 Stunden pro Jahr, die Mitmenschen mit dieser Jahresproduktion beschäftigt sind. 40 Wochenstunden Arbeitsleistung, 48 mal im Jahr ergeben 2304 Stunden, davon seien 1800 produktiv: Dann folgt, daß im statistischen Mittel 185 Sachbearbeiter von einem dieser Wunderdrucker total beschäftigt werden. Bleibt nur noch auszurechnen, daß es bei durchschnittlichem Jahressalär von alles in allem 45 000 Mark, abgesehen von den Kosten für den Drucker und das System und die Eingabe und so weiter, insgesamt stolze 8.3 Millionen Mark per anno kostet, daß... ja was eigentlich? 8,3 Mio. DM! Wahnsinn oder Triumpf der Technik? Vielleicht beides. So teuer kann ein Drucker sein.

Milchmädchenrechnung? Natürlich! Aber gibt das nicht doch zu denken? Muß denn alles immer größer und schneller werden? Oder: Vielleicht anders? Stichwort: Aktenlose Sachbearbeitung und so weiter.

Beste Wünsche für ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr.