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23.04.1976

Informationsästhetik

Formale Aussagen über Ästhetik zu machen ist das Ziel der Informationsästhetik. So, wie sich beispielsweise die Fläche eines Rechteckes aus Länge mal Breite ergibt, wäre es im Sinne der Lehre wünschenswert, einen ähnlichen Formalismus für Ästhetik anzugeben.

Obwohl der Begriff "Informationsästhetik" ganze 20 Jahre alt ist, darf man das Bestreben, Ästhetik exakt zu fassen als weitaus älter ansehen. Ansätze finden sich bei vielen Malern des Mittelalters, wie Dürer, Rembrandt und Leonardo da Vinci. Dies beweisen Skizzenblätter der Genannten aus jener Zeit. Die mittelalterlichen Maler haben immer wieder versucht, Landschaften und Personen durch konstruktives Anwenden von Kreisen, Quadraten, Rechtecken und Geraden (Goldener Schnitt) zu beschreiben. In diesem Zusammenhang ist interessant, daß in der heutigen Zeit eine Vielzahl von Anhängern der geisteswissenschaftlichen Kunst, die durchaus das Bestreben der damaligen Maler zur exakten Fassung von Ästhetik anerkennen, der heutigen Informationsästhetik eher ablehnend gegenüberstehen. Diese Tatsache ist, insbesondere für Anhänger der Informationsästhetik, ein nicht verständliches Phänomen, das es zu beseitigen gilt.

Meßgröße das "bit"

Ein Bild kann bezüglich seiner Ästhetik auf mehreren Ebenen betrachtet werden. Zum Beispiel kann eine solche Betrachtung sich nur mit der Anordnung der Zeichen im Bild (syntaktische Ebene) auseinandersetzen, ohne Rücksicht auf die Bedeutung und das Verhältnis zum Betrachter (Semantik und Pragmatik). Mit genau dieser Betrachtungsweise befaßt sich die Informationsästhetik.

Um den Zusammenhängen zwischen Ästhetik und Informationsgehalt nachzugehen, sind Bilder erforderlich, die möglichst frei sind von Semantik und Pragmatik. Da der manuell schaffende Künstler aber immer emotional und assoziativ arbeitet, ist der Computer bei der Herstellung solcher Bilder ein ideales Hilfsmittel.

Der Einfluß der Verhaltensforschung

Bereits 1885 hat der Verhaltensforscher Merkel festgestellt, daß der Zeitaufwand, den der Mensch beim Aufsuchen eines Zeichens aus einer gegebenen Menge benötigt, mit dem Logarithmus zur Basis 2 (2log) wächst und nicht, wie man annehmen möchte, linear. In den letzten Jahren auf diesem Gebiet angestellte Untersuchungen haben weiterhin gezeigt, daß das Zentrum des menschlichen Gehirns in der Lage ist, maximal 16 bit/sec bewußt aufzunehmen. Ein Wert, der intelligenzunabhängig ist und für die Langzeit -Speicherung optischer wie akustischer Informationen gleichermaßen gilt. Der Informations- und Lust-Gewinn ist dann am größten, wenn die Zuflußkapazität von 16 bit/sec für 10 Sekunden anhält. Bei einer Zuflußdauer von mehr als 10 Sekunden entsteht eine Überforderung im Sinne einer Verwirrung, bei weniger als 10 Sekunden das Gefühl der Langeweile.

Stand und Ausblick

Faßt man die Ergebnisse der Informationsästhetik zusammen, so darf gesagt werden, daß viele Ansätze zur Formalisierung einer experimentellen Verifizierung bedürfen. Um das zu erreichen fehlt es an entscheidenden Mitteln: Anschauungsmaterial, Testpersonen und nicht zuletzt Wissenschaftlern, die sich hauptamtlich damit auseinandersetzen.