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16.01.1981 - 

Folge 11

Informationsanalyse statt Organisations-Strukturuntersuchung

16.01.1981

Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Oberbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein des Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt."

Nach diesen allgemein bekannten Thesen des Marxismus wäre jegliche Untersuchung der gesellschaftlichen und ökonomischen Herrschaftsstrukturen eigentlich überflüssig. Denn angeblich hat der historische Materialismus die Ketten von Raub und Ausbeutung, die Machtausübung in der industriellen Gesellschaft, bereits eindeutig erklärt. Das gerät dann zu einer recht primitiven Auffassung von den Machtmitteln: Im Feudalismus waren es die Hunde der Großgrundbesitzer, später dann die Bajonette und Kanonen; heute könnten diesen Rang die Datenbanken und Bildschirmgeräte einnehmen. Für Max Weber hatte Macht hingegen "jeder, dem es regelmäßig gelingt, innerhalb einer sozialen Beziehung seinen Willen anderen gegenüber durchzusetzen", gleichgültig worauf sich diese Möglichkeit im Einzelfall gründen mag.

Den heutigen Nachläufern der historischen Analyse geht es dar um, das gesellschaftliche Sein den Betroffenen bewußt werden zu lassen. Damit so meinen sie, können sie eine partizipative Systementwicklung einleiten. Ferner können dann bereits eingeschlagene Entwicklungsrichtungen verlassen und gegebenenfalls rückgängig gemacht werden. Solches wird als Wirkungsforschung bezeichnet. Die vom Technikeinsatz hauptsächlich betroffenen Gruppen sind nach Meinung der Wirkungsforscher "keineswegs identisch mit den Gruppen, die den maßgeblichen Einfluß" auf die Technologie-Entwicklung ausüben. Jetzt kommt die Warnung: "Die Nichtbeteiligung wichtiger sozialer Gruppen an diesem Entscheidungsprozeß ist aber auch aufgrund funktionaler Überlegungen sehr bedenklich. In einer Gesellschaft, in der die Bürger zunehmend mündiger werden, wird eine ständig wachsende Zahl von Betroffenen das Ungleichgewicht dieser Situation erkennen und als ungerecht empfinden. Falls diese Situation nicht geändert wird, muß es zwangsläufig über kurz oder lang zu heftigen sozialen Konflikten kommen.

Erste Anzeichen für einen solchen Entwicklungsprozeß sind unübersehbar." (Zitiert aus CW vom 16. und 23. Mai 1980 "Gast-Kommentar" jeweils auf Seite 6, worin auf den GMD-Spiegel 1/80 bezug genommen wird.)

Nach diesen Ideologie-Enthüllungen, die von den Marxschen Thesen ausgingen, zurück zur Frage der Notwendigkeit von Organisations-Strukturuntersuchungen, etwa für die Einführung der Informationstechnik. Die Marxisten haben eine klare Position, da sie alles revolutionär aus der Geschichte ableiten, besteht keine Notwendigkeit zur Untersuchung anders als zum Beweis der historischen Wahrheit. Wenn irgendwo sei es im Kibbuz oder in sozialistischen Ländern - etwas nicht funktioniert, ist nach Ansicht heutiger Utopisten nicht die solchen Systemen innewohnende Struktur schuld, sondern das Vorhandensein konkurrierender Systeme in der Außenwelt, die die Durchführung besserer, eigener Überzeugungen behindern. Damit wird zugleich deutlich, daß Grundstrukturen nicht beschrieben zu werden brauchen, wohl aber Systeme von funktionellen Elementen, die zur Zielerreichung beitragen oder sie hemmen. Es wird riskant, wenn das Modell einer sozialen oder ökonomischen Utopie zum Ausgangspunkt der Analyse von funktionellen Elementen im zu schaffenden System wird.

Wird fortgesetzt