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Informationsanalyse statt Organisations-Strukturuntersuchung\Folge 12

23.01.1981

Wenn also in einer allwissenden Behörde einer auftritt, der in unserem Metier ehrlich glaubt, mit einer umfassenden Datenbank und Monitoren für die Leitenden lassen sich alle politischen, semantischen und linguistischen Probleme auf einen Schlag lösen, der bekommt Schwierigkeiten. Sein System mag technisch möglich sein; er hat sicherlich nur vergessen, die Elemente nach dem Grad ihrer Nützlichkeit, geschweige denn nach ihren sozialen Beziehungen zur Tendenz der Verwaltung richtig einzuordnen. Utopien mögen als Denkanstöße nützlich sein. Ihre Ausprägungsform als Gesamtmodell erregt nicht nur allein meinen Argwohn. Monolineare, durchgehende Entwicklungsgesetzmäßigkeiten sind sehr problematisch, weil die soziale Wirklichkeit voller störender, partikulärer Impulse und Tendenzen, also diskontinuierlich ist. Einfache Modelle, die regelhafte und möglichst kontinuierliche Prozesse abbilden, haben zudem den Vorzug, für die Anwender verständlich zu sein. Mein Argwohn gegen allzu komplizierte Modelle ergibt sich aus einem Vergleich der Befürworter, nicht der Urheber von Systemvorstellungen dieser Art. Es sind dieselben, die für den Aufbau einer "Argumentationsgegenmacht" zur Verhinderung von Technologieanwendungen - auch durch "Wirkungsforschung" - wie auch langfristig für Anwendung der allgemeinen Netztheorie eintreten. Das Verstecken hinter uberaus komplexen, abstrakten Modellen erscheint als eine Abart der Verhinderungsstrategie.

Die Struktur bleibt resistent

Der aufmerksame Leser mag sich fragen, was die ideologisch vorgefärbten Verhinderungsstrategien für die Organisations-Strukturuntersuchungen bedeuten? Eben nichts, denn im Rahmeh der klassischen Organisationsuntersuchungen werden sie kaum erfaßt. Denn Systemveränderungen ergeben selten kurzfristige Veränderungen der Struktur. Der Grundaufbau eines Unternehmens, das ja zweckorientiert arbeitet, dessen Marktpotentiale auch kaum kurzfristig geändert werden können, bleibt gleich egal ob eine rote oder schwarze Managementspitze vorherrscht. Nehmen wir wieder das Beispiel einer Behörde: Die Hierarchie bleibt selbst bei einem politischen Wechsel der Verwaltungsspitze gleich, obwohl ihr persönlicher Stab (und die Grundsatzfragen) total ausgewechselt sein mögen. Selbst nach Fortfall des politischen Auftrages arbeitet die Kernmannschaft noch eine geraume Zeit weiter; sie wickelt ab. Auch bei Verkürzung des Organisationsplanes bleibt die Grundstruktur erhalten. Das heißt, die Struktur bleibt resistent gegenüber den Veränderungen der Herrschaftssysteme.

Wir aber verwenden doch lieber den Begriff des Systems - nach der Systemtheorie - und nicht den des zu verändernden politischen Systems. Gleichwohl wird deutlich, daß ein Abbiid der Verwaltungsstruktur eigentlich sehr wenig über die innewohnenden Kräfte, die unter Umständen auch die Struktur verändern könnten aussagt. Höchstens durch einen personellen Vergleich zur Handhabung von politischen oder system-verändernden Themen fallen gewisse Identitäten auf. Richtigerweise stützt man das durch eine Kommunikations- oder Informationsanalyse ab. Letztere haben mit Gesinnungsschnüffeleien nichts zu tun. Aber es gibt in jedem Ressort Leitende und Mitarbeiter, deren Begriffsvorrat zugleich Einstellungen zum System erkennen lassen. In einer industriellen Verwaltung besteht nicht die Notwendigkeit der Verwendung von Tendenzbegriffen; die fachbezogene Sprache herrscht vor. In öffentlichen Verwaltungen ist des etwas anderes; hier lassen sich außerhalb der herrschenden Fachsprache Indeenverwandtschaften "fachübergreifender Art" agglomerieren. Warum das Ganze, werden Sie fragen? Nun, eingangs hatte ich das Bekenntnis abgelegt, daß die informellen Beziehungen durchaus positiv in einer Verwaltung zu werten sind, zumal sie die Schwerfälligkeit mildern. Ich meine sogar, eine Verwaltung, die linke und rechte Flügel, herrschende und antagonistische Auffassungen in sich vereint, tut gut das zu wissen. Mit der Verdrängung von antagonistischen Werthaltungen werden viele gute Ideen totgeschlagen. Und wer maßt sich schon an, allein zu entscheiden, was die Tendenz nun wirklich ausmacht, es sei denn, er oder sie hätte einen politischen oder kanonischen Auftrag dazu. Wiederum kurz gesagt, die Auslotung informeller Beziehungen durch Anforderung und Abgabe von Informationen ist wichtiger als die formale Struktur.

Wird fortgesetzt