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16.04.1981

Informationsanalyse statt Organisations-Strukturuntersuchung Folge 24

Der Aufmerksamkeit anderer Soziologen ist es entgangen, daß es forrnal legitimierte,also eine hierarchisch abgeleitete Autorität auch in nicht-hierarchischen Kommunikationen gibt. Das Vertrauen im Sinne der Verläßlichkeit in die Quelle der Information schafft erst Autorität. Das gilt nicht nur für etablierte Nachrichtendienste, sondern auch für kollegiale Zusammenarbeit abseits jeder Hierarchie-Leitersprosse. Und Verantwortung kann nur übernommen werden, wenn Vertrauen in die erforderlichen Informationen besteht; sie kommt nur zustande, falls die Richtigkeit einer Kommunikation gewährleistet ist, formal oder informal - was meist schneller läuft - das bleibt sich gleich.

In der privaten Wirtschaft und im öffentlichen Dienst gerät fast jeder in eine Situation, in der er seine Meinung oder seine höchsteigene Wahlentscheidung äußern muß, ohne daß er sich gleichsam vollständig über die entscheidungsrelevanten Sachverhalte einschließlich der impliziten Umweltbedingungen informiert fühlt. Da er zum Entscheidungsträger geworden ist, trifft er seine Entscheidung bei unvollständigem Informationsumfeld nach eigener Wahl. Er hat die Verantwortung, jedoch nicht die notwendigen Entscheidungsinformationen übernommen. Nun ist es eine alte Regel: Je komplizierter ein Sachverhalt, desto unbefangener gehen Neulinge an die Sache heran und meist mit besserem Erfolg, da ihnen die strukturbedingten Vorurteile - genau das Gegenteil von Vertrauen - fehlen. Das spricht letztlich für den Einsatz von externen Unternehmensberatern; sie waren alle einmal in den meisten Branchen ihrer späteren Tatigkelt völlig unerfahren. Haben sie überlebt, dann wuchs das Vertrauen in ihre Erfahrung im Laufe der Jahre.

lch glaube ferner, daß ein Nichtentscheiden-Wollen ein vorläufiges Ende eines legitimen Entscheidungsprozesss darstellt. Es muß nicht Furcht vor einer falschen Entscheidung sein, sondern die Redlichkeit einzugestehen, daß Vertrauen in vorliegenden Informationen oder die notwendigen Informationen selbst fehlen, das legitimiert die Aussetzung der Entscheidung. Zauderer sind zwar selten genial, aber sie handeln im Sinne der von uns deklarierten Verantwortung umsichtiger.

Es ist eine irreale Vorstellung, daß eine Verwaltungsspitze alle externen Informationen zuerst erhält. Wenn jemand mit dem Briefkopf DER MINISTER FÜR . . . antwortet und "im Auftrage" unterzeichnet, dann antwortet der Minister nicht selbst, sondern die entlehnte Autorität vom Minister. Für Organisatoren ist es interessant zu forschen, ob tatsächlich die Information und ihre Bearbeitung, das heißt die Antwort nicht nur formal, sondern vollständig legitimiert ist. Nach der Verwaltungsrechtslehre müßte es so sein - unanfechtbar -, aber die Informationsanalyse kann Abweichungen und Unstimmigkeiten zu den Kategorien der Funktionsanalyse aufzeigen. Es geht bei diesen Beispielen um den Standort oder die Ausgangssituation der Ansätze von Strukturanalysen, Funktions-und Informationsanalysen. Ich bin von der strukturell-funktionalen Theorie (aus der Soziologie von R. K. Merton und T. Parsons) aus zur Erprobung des kybernetischen Ansatzes gekommen und möchte vor dem Ansatz dessen Zugang an der Situation des Jahres 1969 (nach Erscheinen der "Informationslawine") erläutern.

Es war das Jahr, in dem die FDP das "Kirchenpapier" veröffentlichte, das dem Staat empfahl, die Kirchensteuern nicht mehr für die Anstalten des öffentlichen Rechts einzufordern. Die großen Kirchen überlegten Gegenstrategien. Zwei Bistümer fragten eine Unternehmensberatung, die bereits einige Erfahrungen im Marketing, auch für den hirchlichen Bereich besaß, nach zu treffenden Maßnahmen. Diese sollte die innere Organisation, die nahezu 2000 Jahre lang als eine der stabilsten galt, und das Rechnungswesen den modernen Anforderungen anpassen. Das Rechnungswesen insofern, als bei einem Fortfall der Staatskirchensteuer wenigstens auf eine Spendenorganisation zurückgegriffen werden sollte. Woher nahm man die Adressen?

Es fiel zusammen mit den Entwürfen für ein Bundesmeldegesetz und den Anfängen eines zentralen Melderegisters für Personenstandsdaten. Darin waren auch die Konfessionskennzeichen enthalten. Eine gemeinsame Nutzung und Selektion der Adressen nach Bistümern wurde in Aussicht gestellt. Die Frage nach der Erfassung und Auswertung der Basisdaten ging an mich den EDV Fachmann. Gleichzeitig sollten die Strukturorganisationen in dieser mehrstufigen Verwaltung und die Verfahrensrichtlinien zur Verbesserung der Information angegangen werden. Es war ein Zufall, daß ein Geistlicher Rat zugleich ein Soziologe war und die neuere empirische Sozialforschung aus den USA kannte. Wir kannten beide unser Instrumentarium (...) wußten, daß die Zeit zur vollständigen Erhebung aller Basis- und Strukturdaten für eine Reform der innerkirchlichen Kornnunikation nicht ausreichte.

Zugespitzt lautete die Forderung, innerhalb von drei bis sechs Monaten Vorschläge für eine verbesserte Informations-Infrastruktur vorzulegen. Als vordringliches Ziel erschien mir die gemeinsame Verständigung mit meinen Auftraggebern einerseits und mit ihren Mitarbeitern andererseits, zumal Begriffe auftauchten, die ich anfangs nicht einzuordnen verstand.

Wir ließen Listen herumgehen und baten die abteilungsbezogenen Begriffe zu nennen und sie zu klassieren, nach ihrer geforderten Bearbeitung und der gewünschten Aktualität; das gleiche für Berichte und Literaturwünsche, klassiert nach Inhalten und Bearbeitung sowie erforderlicher Aktualität in der Benutzung. Da über tausend Begriffe und über hundert Penodica genannt worden sind, wurden die Listen abgelocht und mittels einer verfügbaren DV-Anlage sortiert, selektiert und skaliert bewertet. Es entstanden jeweils eine Gesamtbegriffsliste. Abteilungsbegriffsliste und Quellen-Listen.

Wird fortgesetzt