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30.04.1981

Informationsanalyse statt Organisations-Strukturuntersuchung, Folge 26

Die Abfrage nach abteilungsspezifischen Begriffen offenbart anfangs nämlich weniger die tatsächlichen Routinen, sondern zeigt das Erwartungshandeln und die informellen Beziehungen auf. Die Gesamtliste läßt sich wie ein Soziogramm lesen und gegebenenfalls entsprechend auswerten.

Ursprünglich war aus dem methodischen Arsenal der empirischen Soziologie lediglich die Inhaltsanalyse ins Auge gefaßt worden. Sie entstand vor dem Zweiten Weltkrieg in den USA und war im wesentlichen eine Dokumentenanalyse für sozialwissenschaftliche Themen. Die Inhaltsanalyse untersuchte quantitativ die Inhalte von Kommunikationen, das heißt von Nachrichten, Reportagen, Berichten, Protokollen unter anderem, Mit Aufkommen der nichtnumerischen Informationsverarbeitung in den 60er Jahren wurde es möglich, auch große Materialmengen zu dokumentieren und nach verschiedenen Aspekten zu korrelieren. Mit der Inhaltsanalyse hatte man es in der Regel mit Häufigkeiten zu tun, auch wenn sie linguistisch für Text- und Sprachanalysen ausgeweitet worden ist. Die Versuche, in die Semantik vorzustoßen, kamen erst wesentlich später, da die damaligen Informatiker noch wenig zahlreich waren. Mein Zugang damals ab 1967 leitete sich ebenfalls von der dokumentarischen Durchdringung komplexer Sachverhalte ab, zum Beispiel für die Patentdokumentation und für den Aufbau großer Adreßbestände. Die Multiplikatoren-Datei, die ich für ein Generalvikariat aufzubauen hatte, erinnerte mich an gleiche Vorschläge für das Bundespresse- und -Informationsamt im Jahre 1965. Mit Hilfe einer einfachen Dokumentation wollte ich zu den Sachverhalten und ihren mannigfachen Verknüpfungsmöglichkeiten vordringen. Wie gesagt, aus der methodisch bekannten Inhaltsanalyse kam empirisch das hinzu, was ich heute unter der Informationsanalyse verstehe.

Auf der Suche nach relevanten Größen und Beziehungen in einem nicht von vornherein einsichtigen Kommunikationsgeflecht stößt man auf methodische Fragen. Es muß bei den Analytikern eine selbstkritische Reflexion der eingesetzten Methoden stattfinden, um die unreflektierte Anwendung empirischer Verfahren tunlichst zu vermeiden. Das bedeutet, den Aussagegehalt von Ergebnissen kritisch zu überprüfen. Eine scheintypische Übereinstimmung von angenommenen Beziehungsindikatoren kann gleichsam unkausal wie zufällig sein. Die Gültigkeit sozialer Indikatoren kann sich nicht allein aus den spektakulären Berichten eines Feldexperimentes ableiten. Indes das Durchboxen eines überwiegend theoretischen Konzeptes wäre genauso riskant. Selbst hochkorrelierte Faktoren können im System unkausal nebeneinander bestehen und bilden daher innerhalb des Systems keine folgerichtige Relevanz des Zusammenhangs oder einer angenommenen Verbindung (Kommunikation) zwischen den Faktoren.

Die Eingriffsmöglichkeiten des Forschers in den Gegenstandsbereich der praktischen Kommunikation sind sehr beschränkt. Es dürfen in Meßvorgängen der Mensch- zu Mensch-Beziehungen keine psychologischen Prozesse in Gang gesetzt werden. Im Anfang des Einsatzes empirischer Methoden sind sie besonders schädlich.

Im Vorangegangenen sollte der Unterschied zwischen einer sich oft zufällig ergebenden Information - zu der in der Regel planmäßigen Organisationsstruktur deutlich hervortreten. Ein methodischer Unterschied besteht in der Partizipationsfrage auch zur Konfliktforschung. Die Teilnahme aller Mitarbeiter in Betrieben und Verwaltungen ist zwar bei ergonomischen Dollpunkten durchaus zu befürworten, bei der Gestaltung der funktionalen Technikwürde indes eine scheindemokratische Abstimmung zur Organisationsgestaltung sofort die Frage nach der Entscheidungskompetenz aufrühren. Die Wirkungsforscher wollen Technik gestalten. Um Konflikte zu vermeiden, wollen sie nicht nur beraten, sondern "die Leute sollen mitentscheiden". Nicht nur im Sinne: ich frag die mal, was die davon halten sondern im Sinne der vollständigen Partizipation und der kollektiven Verantwortung aller Teilnehmer.

Wird fortgesetzt