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05.12.1980

Informationsanalyse statt Organisations-Strukturuntersuchung, Folge 7

Es konnte in Einzelfällen ebenso festgestellt werden, daß die Mengen an Informationen zwar angefordert und geliefert, aber nur sehr sporadisch gelesen worden sind. Hieraus ließen sich zwei Einstellungen ableiten:

1. Ein Mehrfaches an Informationen wird aus Statusgründen zum Beispiel wegen der hierarchischen Nähe zur Verwaltungsleitung angefordert. Bezugslisten von Periodika spiegeln scheinbar die Wichtigkeit=Informiertheit einer Amtsstelle wider.

2. Bei neuen Stäben ist das keine Wichtigtuerei, sondern die fehlende Übersicht zu Informationsangeboten oder der Wunsch, aktueller als andere informiert zu sein.

Diese zweitrangigen analytischen Betrachtungen zur Organisationstheorie erhalten eine höhere Bedeutung im öffentlichen Dienst, wenn dort zentral ein Informationssystem installiert werden soll. Was vordem eindeutig durch Verwaltungsauftrag und Stellenplan geregelt erschien, wird mit den Möglichkeiten der Informationstechnik zur Grundsatzfrage, insbesondere bei Pilotinstallationen.

DV-Organisatoren haben es bei Einführungsuntersuchungen im sogenannten öffentlichen Dienst ungleich schwerer als bei industriellen oder kaufmännisch geführten Verwaltungen. Dort geht man nämlich aus Wirtschaftlichkeitserwägungen vorbehaltloser mit dem Begriff der Automation um; einfach weil man sie als die notwendige ökonomische Alternative versteht. Im öffentlichen Dienst dagegen gibt es die Entscheidungsvorbehalte. Das Verwaltungshandeln wird drinnen viel existenzieller empfunden als es draußen erlebt wird. Denn die vorbesprochene undurchsichtige Behörde steht dem Bürger als ein monolytischer Block gegenüber. Im Innenverhältnis tritt das Verstecken hinter der Amtlichkeit immer dann zutage, wenn es einen Angriff auf das Amt, aber insbesondere auf das Innenleben der Tätigkeiten im Amt abzuwehren gilt. Solch einen Angriff auf die Büro-Existenz stellt sicherlich die Einführung von Automaten dar, die das Verwaltungshandeln zwar nicht ersetzen, aber doch wesentlich unterstützen sollen. Wie beim Anbruch der ersten Management Information Systeme in den kommerziellen

Verwaltungen, die der komplexen Realität nicht gerecht werden konnten, droht das Schicksal des Einbruchs auch der Verwaltungsautomation.

Was ist automationswürdig?

Ich habe versucht nachzuweisen, daß die Frage was automatisiert werden sollte, in Großverwaltungen und behördenähnlichen Strukturen zu wenig akzeptablen Ergebnissen führt. Besser man fragt die Beteiligten so nicht! Im Abschnitt zu den "Widersprüchlichkeiten" (vergleiche CW Nr. 44.) (zur Reorganisations-Akzeptanz) habe ich bekannt, daß dennoch ein richtiger Dialog mit dem Bearbeiter stattfinden soll. Nur, die Frage, was an seinem Arbeitsplatz automatisierbar sei, ist eigentlich ihm gegenüber unfair. Zwar gibt es gelegentlich Genies mit großer Ausdruckskraft für Visionen der technischen Zukunft doch die sind sehr rar. In der Zeit als es nur Pferdedroschken gab konnte man die Leute auch nicht nach ihren eigenen Vorstellungen zu Autos und Flugzeugen befragen. Heute wird zwar die Furcht der Wegrationalisierung durch die winzigen Siliziumplättchen in unseren Landen plakativ verbreitet jedoch dem einzelnen Angestellten ist es unvorstellbar, daß ausgerechnet seine ihm von Vorgesetzten auch noch als sehr wichtige Tätigkeit von so einem Winzling überflüssig gemacht wird Sein Selbstverständnis müßte darunter leiden, wenn er sich vorzustellen hätte, daß er plötzlich durch einen fremdbestimmten Knopf nichts Wichtiges mehr tun darf. Allein schon der Ausdruck "automationswürdig" rührt doch an der Würde des Menschen.

Wird fortgesetzt