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02.09.1977

Informationsbedarf nur für die Alltags-Routine?

EDV - Spezialisten, die sich nur um ihre jeweiligen Aufgabenstellungen und vielleicht gerade noch die Randgebiete kümmern, verlieren sehr schnell den Überblick. Man kennt die verkrüppelten Typen: Everything about CICS, etc. - und sonst gar nichts.

Das gilt in beinahe gleichem Maße auch für die EDV-Chefs, obwohl es zunächst nicht den Anschein hat. Denn der Manager ist ja gerade nicht Spezialist, sondern Führungskraft mit Querschnittsaufgaben der Integration und Planung. Indes wer stur und nur dies tut, für den wird Terminüberwachung und Budgetplanung zur eingefahrenen Alltagsroutine. Hier ein bißchen Kontrolle, wie gehabt, da ein bißchen Personalführung, wie gehabt, Tabellen, Diagramme, Netzplane, alles effizient, alles Routine - und sonst gar nichts. Neue Anregungen - vor allem für Hardware, die Software läuft ja drauf - holt man sich auf Seminaren des Herstellers, der dem verdienten Miete-Zahler auch so zwei bis drei Jahre die obligate Informations-Reise in die Staaten organisiert, auf der klar wird, wo der Wachstumspfad so hinführt. Von solcherlei Geselligkeit kennt man natürlich auch Kollegen mit natürlich auch den gleichen Problemen, und da bestätigt sich dann, daß verdächtig ist, wer andere Wege geht. Auch EDV-Leiter können in einer Welt leben, die sie sich frei halten von Informationen, die sie nur "belasten" würden.

Kein Interesse für die Trends

Wen interessiert denn schon, daß bereits Mitte der achziger Jahre die Datenverarbeitung die arbeitsintensivste aller Branchen (Landwirtschaft möglicherweise ausgenommen) sein wird, wenn der Trend anhält, daß die Produktivität der Programmierer weiterhin um nur drei Prozent jährlich steigt. Wie der Präsident der International Federation for Information Processing Dr. R. Tanaka auf dem IFIP-Kongreß 77 wieder ausführte, werden dann 90 Prozent der Gesamtaufwendungen für die DV auf Personalkosten und Schulung für dies Personal und nur noch 10 Prozent auf die Hardware entfallen.

Wen interessiert denn schon, daß eine große Umfrage des Zentralen Schwedischen Amtes für Statistik ergab, die Gewährleistung der Privatsphäre durch Datenschutz sei nach Arbeitslosigkeit und Inflation eines der wichtigsten Probleme des Landes. Zwei Drittel der Schweden meinen, im Computer wurden mehr Informationen über den Bürger gespeichert, als tatsächlich notwendig wäre. Wen interessiert denn schon, daß der wohl bekannteste Computerindustrie-Experte der USA, Frederick K., Withington (von Athur D. Little, inc.) im Antitrustverfahren gegen IBM aussagte, daß auf dem US-Markt IBMs Anteil von 71 Prozent im Jahre 1961 auf heute 68,4 Prozent sich kaum verändert hat.

Wen interessiert denn schon, daß die ersten Itel Advanced Systems (IBM-kompatible Zentraleinheiten Ó la Amdahl vom Typ 148 und 158) erfolgreich installiert wurde und daß die zufriedenen Anwender berichten, keinerlei Schwierigkeiten mit der Übernahme der IBM-Software auf die Billig-Maschinen gehabt zu haben.

Wen interessiert denn schon, daß Hewlett-Packard die bekannten Minicomputer HP 21X und HP 1000 derart erweitert hat, daß nunmehr bis zu 1,8 Megabyte Hauptspeicher verfügbar ist.

Wen interessiert denn schon, daß auf dem letzten Weltturnier für Computer-Schach in Toronto das titelverteidigende russische Programm Kaissa von dem amerikanischen CHESS 4:6 geschlagen wurde, das bei jeder Zugauswahl durchschnittlich 400 000 mögliche Positionen überprüft.

Bunte Computerwelt

usw. usw. die Computerwelt ist sehr bunt. Man kann sich von ihr abkapseln. Da wird man Spezialist, der nur noch die Alltagsroutine kennt, selbst wenn er Manager ist. Die anderen erkennen Trends, hören Gras wachsen, sind offen für Alternative. Auch Dinge interessieren sie, von denen man nur vermuten kann, daß sie möglicherweise mal die Alltagspraxis berühren.

Keineswegs seltsamerweise gehören die wirklich erfolgreichen EDV-Chefs in den begehrenswerten Positionen bei den großen Firmen fast alle zum Typ derer, die viel der Alltagsroutine delegieren können und heute zu erkunden versuchen, worauf es morgen ankommt. Dabei ist die angenehme Hersteller-USA-Reise nur ein Programmpunkt von vielen.