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03.02.1989

Informationsmanagement: Infobörse statt Datenfriedhof

Jürgen Schnelle. Leiter Information Management Bull AG, Köln

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen dem datenverarbeitenden DV-Leiter und dem Informationen managenden Informationsmanager? Verhält es sich etwa gar so wie mit dem Lehrling und dem Auszubildenden, der letztendlich doch ein "Stift" bleibt. Die Antwort ist ein klares Nein. Der Informationsmanager ist nicht einfach ein umgetaufter DV-Leiter, aber die sich ihm stellende Aufgabe ist recht komplex: Er hat die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort für die richtigen Empfänger bereitzustellen. Dies ist leichter gesagt als getan.

Obwohl die Qualität und Intensivität des Einsatzes der Informationstechnologie heute unbestritten ein signifikantes Maßstab für den Unternehmenserfolg ist, so gehört das Informations- und Kommunikationsmanagement bislang nur ansatzweise zum unternehmerischen Aufgabenfeld. Dabei weckt das

Informationsmanagement schon vom Begriff her besondere Ansprüche. Es stilisiert die Hoffnung auf Veränderung, auf eine Überleitung der Datenverarbeitung zu einer ganzheitlichen, unternehmensbezogenen Denk- und Handlungsweise, die von der Firmenspitze auszugehen hat. Die strategische Informationsplanung ist deshalb eine Aufgabe des Top-Managements.

Erfreulicherweise beginnt sich in den Chefetagen die Erkenntnis durchzusetzen, daß die Informationsverarbeitung als strategische Waffe der Unternehmensführung nutzbar ist. Aus diesem Grunde stehen die Chancen gut dafür, daß das Informationsmanagement nicht nur als Public-Relations-Alibi genutzt und der DV-Leiter nicht nur marketingwirksam zum Informationsmanager umetikettiert wird.

Der Informationsmanager hat einerseits zu erforschen, welche Informationen wer, wann, wie und wo benötigt. Andererseits ist es seine Aufgabe, diese Wünsche zu gewichten und die erforderlichen informationstechnologischen sowie informationslogistischen Vorkehrungen zu treffen, damit die Informationen in der erforderlichen Aussagekraft und Zeitnähe auch tatsächlich bereitgestellt werden. Er sollte Motor, Koordinator und Organisator gesamtunternehmerischer Ziele sein. Hierzu ist es unerläßlich, daß er in die unternehmerischen Grundsatzfragen einbezogen wird, bei der Unternehmensplanung und -kontrolle ebenso wie bei der Festlegung der Entwicklungs-, Fertigungs- sowie Marketingstrategien und der Vertriebsstruktur. Auch beim Cash-flow-Management und der Personalführung und -verwaltung sollte der Informationsmanager konsultiert werden.

Wenn ein Unternehmen von der Daten- zur Informationsverarbeitung überwechseln will, so ist eine Bestandsaufnahme der vorhandenen und der zusätzlich benötigten Informationen und ihrer Aussagekraft zu machen. Es ist zu analysieren, welche Informationsarten im Unternehmen für welchen Verwendungszweck geeignet sind. Dabei geht es um Fragestellungen wie: Welche Informationsarten sind vorhanden, welche wollen wir künftig haben, wie wollen wir sie miteinander verknüpfen und für welche Aufgabenstellungen nutzen? Eines der informationslogistischen Hauptprobleme in vielen Unternehmen ist es nämlich, daß Informationen zwar verfügbar sind, aber letztendlich nicht zu den Personen gelangen, die sie eigentlich benötigen.

Nach der Informationsanalyse ist ein Abgleich der Anforderungen auf horizontaler und vertikaler Ebene erforderlich. Unter vertikaler Ebene sind die einzelnen Geschäftsbereiche und unter horizontaler Ebene der interdisziplinäre Informationsfluß zu verstehen. Vor diesem Hintergrund ist die aus dem 19. Jahrhundert stammende arbeitsteilige Betrachtung der betrieblichen Abläufe überholt. Das ganzheitliche Denken ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg der Informationsverarbeitung und des Informationsmanagements.

Die Informationsverarbeitung ist ein Instrumentarium,

durch das Informationen gezielt in alle Richtungen - und so papierarm wie möglich - fließen können: vom Vertrieb in die Entwicklung und in die Konstruktion, in die Materialwirtschaft (Disposition, Einkauf, Lager), die Produktionsplanung, die Produktion (Fertigungs- und Maschinensteuerung), die Qualitätssicherungt bis hin in die Montage, Lagerhaltung und Auslieferung. Um Störungen des betrieblichen Ablaufs vermeiden und vorhandene Ressourcen optimal einsetzen zu können, ist ein möglichst exaktes und zeitgetreues Abbild des Betriebsgeschehens erforderlich. Alle Veränderungen und Regelabweichungen müssen kurzfristig erkannt und analysiert als Information bereitgestellt werden.

Die einzelnen Arbeitsbereiche eines Unternehmens sind durch ein hochkompliziertes Informationsnetz miteinander zu verbinden. Dabei stellt sich dem Informationsmanager die wichtige Aufgabe, den vertikalen und horizontalen Informationsfluß miteinander zu verknüpfen. Denn in der Regel weiß der Sachbearbeiter im Bereich X nichts von den

Informationswegen des Sachbearbeiters im Bereich Y. Diese Informationsverknüpfungen stellen den schwierigsten Schritt beim Übergang von der konventionellen Datenverarbeitung zur Informationsverarbeitung dar. Sie bilden jedoch eine wichtige Grundlage dafür, daß aus Datenfriedhöfen Informationsbörsen werden, aus denen brandheiße Informationen abrufbar sind.

Die Informationsverarbeitung befindet sich noch in einem frühen Stadium. Doch die Dinge sind bereits in Fluß. Dabei bieten sich dem Informationsmanager unterschiedliche Werkzeuge an, solche, die auch bereits in der konventionellen DV verfügbar sind, bis hin zu Instrumenten der Künstlichen Intelligenz. Expertensysteme heben die Informationsverarbeitung auf ein neues Niveau. Gegenüber herkömmlichen Computerprogrammen, die nur Daten (Fakten) verarbeiten können, haben Expertensysteme die exzellente Fähigkeit, Denkprozesse nachzubilden. Neben Fakten und Regelwissen fließen auch Erfahrungen, vages Wissen und Schlußfolgerungen in den Informationsprozeß ein.

Der Wandel von der Datenzur Informationsverarbeitung hat auch erhebliche Konsequenzen für die Vertriebs- und Marketingstrategien der Computerhersteller. Diese müssen sich mehr und mehr an ganzheitlichen Unternehmenskonzepten und an einer veränderten Denkungsweise ihrer Geschäftspartner beim Anwender ausrichten. An die Stelle des applikationsbezogenen klassischen DV-Chefs tritt der mehr betriebswirtschaftlich orientierte und mit einem Managementbewußtsein ausgestattete Informationsmanager. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Probleme und Lösungsansätze für konkrete Geschäftsfelder. Für die Verkäuferspezies des "homo technicus" brechen daher schwere Zeiten an, wenn es ihr nicht gelingt, sich in die neue Spezies des "homo informaticus" zu wandeln.