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08.12.1989 - 

Im Daten-Haus der Zukunft herrscht Transparenz

Informationsmanager denken in integrierten Abläufen

Erfolgreiche Unternehmen treiben, den Wandel von der Datenverarbeitung zum Informationsmanagement voran. Statt Closed-Shop-Denken gilt es im Daten-Haus der Zukunft, integrierte Ablaufe zu realisieren. Der Datenwildwuchs aus den 70er und 80er Jahren weicht dabei einer einheitlichen Struktur. Voraussetzungen und Argumente für ein unternehmensweites Datenmodell erörtern Prof. August-Wilhelm Scheer vom Institut für Wirtschaftsinformatik (IWi) der Universität in Saarbrücken und Wolf Dietrich Lorenz *.

CW: Warum ist ein unternehmensweites Datenmodell für Informationssysteme künftig erforderlich?

Scheer: Die Daten eines Unternehmens werden immer mehr als wichtigste Ressource der Informationsverarbeitung erkannt. Je mehr die Benutzerschnittstelle durch Einsatz hoch-

entwickelter Sprachen vereinfacht wird, um so wichtiger wird die Verfügbarkeit mächtiger Datenstrukturen. Diese Datenstrukturen zu dokumentieren, ist deshalb bereits ein wichtiges

Argument zum Aufbau eines unternehmensweiten Datenmodells. Ein weiteres Argument ist, daß ein Datenmodell als Grundlage für den Entwurf integrierter Abläufe, also Prozeßketten oder Geschäftsvorfälle dient. Man kann sogar sagen, das Denken in Prozeßketten sowie in Datenstrukturen bestimmt heute den Entwurf wirksamer Informationssysteme.

CW: Wie definieren Sie die Konstruktion eines unternehmensweiten Datenmodells?

Scheer: Ein Unternehmensdatenmodell umfaßt die wesentlichen Informationsobjekte mit den zwischen ihnen bestehenden Beziehungen eines Unternehmens. Informationsobjekte

sind dabei zum Beispiel Kunden, Lieferanten, Artikel oder Kostenstellen. Beziehungen

drücken einen Zusammenhang aus, der zwischen diesen Objekten bestehen kann, so zum Beispiel zwischen Artikeln und Kunden die Beziehung Kaufen.

CW: Welche Dimensionen deckt diese neue Entwicklung im Unternehmen ab?

Seheer: Ein Unternehmensdatenmodell soll flächendeckend alle Anwendungen eines

Unternehmens aus Sicht der Daten dokumentieren. Sowohl Stammdaten als auch Bewegungsdaten werden gleichermaßen erfaßt. Hierzu bietet sich Konstruktionssprache des Entiry-Relationship-Modells als besonders wirksames Unterstützungsinstrument an.

CW: Wo sehen Sie die Grenzen eines unternehmensweiten Datenmodells?

Scheer: Wie immer bei neuen Entwicklungen besteht die Gefahr, die Möglichkeiten zu überschätzen. Ein Unternehmensdatenmodell stellt noch keine Softwarelösungen zur Unterstützung konkreter Aktivitäten bereit, sondern bildet erst die Voraussetzung zur Entwicklung integrierter Anwendungssysteme. ln gleicher Weise ist mit einem

Unternehmensdatenmodell noch keine geeignete Aufbauorganisation für integrierte Informationssysteme geschaffen. Es macht zwar Zusammenhänge zwischen Funktionsbereichen sichtbar, definiert aber selbst keine organisatorischen Regelungen.

CW: Wie lange hat das einmal erarbeitete Modell Bestand?

Scheer: Da Gegenstand eines Unternehmensdatenmodells die logischen Beziehungen zwischen Informationsobjekten sind, haben diese Strukturen relativ lange Bestand. Ich möchte sogar behaupten, daß sie innerhalb der gesamten Informationstechnologie die größte Stabilität besitzen, wenn man im Vergleich dazu die Kurzlebigkeit von Hardware, den Einsatz von Datenbankkonzepten oder sogar von Anwendungssoftware sieht.

CW: Wo liegen die Schwierigkeiten der Realisierung?

Scheer: Eine wesentliche Schwierigkeit besteht darin, das geeignete Detaillierungsniveau

des Modells festzulegen. Hier kann man schrittweise vorgehen .

Im ersten Schritt wird lediglich ein grobes Modell mit den strategisch wichtigsten Objekttypen und ihren Beziehungen entwickelt. In einem zweiten Schritt wird dann das Gesamtmodell verfeinert. Nach meiner Erfahrung kann bereits ein Datenmodell in der Größenordnung von 200 bis 800 Objekt- und Beziehungstypen ein Großunternehmen adäquat abbilden .

CW: Wie weit können Tools die Verwirklichung dieses komplexen Netzes unterstützen?

Scheer: Viele CASE-Tools unterstützen bereits die Erstellung von Diagrammen nach der

Entity-Relationship-Methode.

Hierbei bieten sogar Workstationkonzepte komfortable Grafiksysteme an. Es ist bei integrierten Systemen auch möglich, aus den Beschreibungen des Entity-Relationship-Modells unter Zuhilfenahme der Schlüsseldefinitionen sowie der Attributlisten automatisch die Tabellendefinitionen in der konkreten Datenbeschreibungssprache eines Datenbanksystems zu generieren.

Trotz dieser bereits eindrucksvollen Verbindung ist aber eine verstärkte Tollunterstützung weiterhin zu fordern.

CW: Ebnet eine solche abteilungsübergreifende Datentransparenz Hierarchien ein?

Scheer: Das Unternehmensdatenmodell allein nicht, aber Integrationskonzepte, die auf ihm aufbauen. Weisen sie nämliche straffe Unternehmensprozesse und höhere

Datentransparenz auf, ermöglichen sie auch kürzere Berichtswege. Aus diesem Grunde wird in der Tat das Unternehmen der Zukunft flachere Organisationsstrukturen aufweisen als es die jetzigen Unternehmen tun.

CW: Welche besonderen Qualifikationen müssen Mitarbeiter mitbringen, die dieses Modell erstellen?

Scheer: Ein Unternehmensdatenmodell zu gestalten ist ein längerer Prozeß. Die Mitarbeiter müssen einmal das methodische Wissen zur Datenstrukturierung besitzen und zum

anderen die notwendigen fachlichen Zusammenhänge kennen. Hierbei erscheint mit der zweite Punkt besonders wichtig, wie meine Erfahrungen aus der Erarbeitung mehrerer konkreter Anwendungen belegen.

Abteilungsübergreifende Zusammenhänge zu erkennen und in einem Unternehmensdatenmodell abzubilden, erfordert übergreifendes Wissen aus den Bereichen Betriebswirtschaft, Technik und Informationsverarbeitung. Hier können deshalb auch externe Berater, die Erfahrungen auf dem Gebiet der Datenmodellierung besitzen, Unternehmen hilfreich zur Seite stehen .

*Wolf Dietrich Lorenz hat die Leitung von CSE, Conferences, Seminars Education, dem Kongreßveranstalter der IDG Communications Verlag AG, München

Profitable EDV in der Praxis

Der Org./DV-Leiter soll künftig weit mehr als nur Rationalisierung betreiben: Er soll profitabel zu Wettbewerbsvorteilen und strategischem Erfolg beitragen. Am 23. und 24. Januar 1990 präsentieren auf dem CSE-Kongreß "Informationsmanagement. Perspektiven, Konzepte, Lösungen in München erfolgreiche EDV-Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen dazu ihre Lösungskonzepte, Praxiserfahrungen und Realisierungsempfehlungen von Anwendern für Anwender. Den Erfolgsfaktor "unternehmensweites Datenmodell" stellt Wirtschaftsinformatiker Prof. A.-W. Scheer aus Sicht der Praxis vor.

Informationen: CSE Conferences Seminars, Education, IDC Communications Verlag AC;, Rheinstraße 28, 8000 München 40, Telefon 0 89 / 3 60 86-169.