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06.02.1987

Informationstechnik bringt Kreativität ins Unternehmen

Jürgen Schultzke, Wirtschaftsprüfer und Sprecher der Geschäftsführung Arthur Andersen & Co. GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Steuerberatungsgesellschaft

Frankfurt/M.

In Wall Street Büros stehen bereits Tausende Personal Computer. Doch wie renommierte Broker zu berichten wissen, stehen nicht wenige davon immer noch ungenutzt herum. Die geeignete Software fehlt oder Menschen, denen diese Geräte anvertraut wurden, können sie einfach noch nicht bedienen.

Technik allein bewegt noch nichts, wenn die Menschen nicht in der Lage sind, sie zu beherrschen. Der Computer ist im Laufe seiner gerade erst dreißigjährigen Geschichte immer leistungsfähiger geworden; so leistungsfähig inzwischen, daß es den Menschen Mühe macht, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, sein Leistungsvermögen auch tatsächlich auszunutzen.

Die Unternehmen sind in den vergangenen Jahren nicht mehr nachgekommen, die ständig verbesserte Hardware durch entsprechende Software zu nutzen. Neuesten Untersuchungen zufolge sind die meisten Informationssysteme in den US-amerikanischen Unternehmen im Schnitt sieben Jahre alt. Es gibt längst nicht genügend Softwarespezialisten, um diese Rückstände aufzuarbeiten. So hinken die Unternehmen bei der Realisierung ihrer Softwareprojekte im Schnitt drei Jahre hinter der geplanten Entwicklung her.

Die Angst der Öffentlichkeit, durch Künstliche Intelligenz oder Expertensysteme könnten immer mehr Arbeitsplätze verlorengehen und Wissen und Erfahrungen ganzer Berufsgruppen überflüssig werden, ist daher nicht recht begründbar. Mit Sicherheit stehen wir noch ganz am Anfang einer Entwicklung, die weder das Wissen oder die Erfahrungen noch die Kreativität des Menschen ersetzen wird oder kann, die vielmehr einzig dazu beitragen soll, die Möglichkeiten, die die Elektronik uns heute bietet, auch tatsächlich zu nutzen. Über Expertensysteme wird heute zwar viel gesprochen, doch die Zahl der Systeme, mit denen tatsächlich schon gearbeitet wird, ist noch verschwindend gering: Der Nürnberger Betriebswirtschaftler Peter Mertens hat bei seinen auf die deutschsprachigen Länder begrenzten Recherchen ganze elf voll funktionsfähige Systeme ausgemacht.

Wer von Künstlicher Intelligenz spricht, sollte nicht dem Irrtum verfallen, der Computer könnte in absehbarer Zukunft zu einer intelligenten oder gar "kreativen Maschine" werden. Sie wird den Menschen auch nicht kreativer machen, als er bereits schon ist. Sie kann immer nur ausführen, was ihr vorgegeben wird. Daran werden auch die kühnsten und raffiniertesten Softwaresysteme nichts ändern. Was die Maschine freilich macht, das macht sie allerdings absolut zuverlässig, fehlerfrei und ungleich besser als der Mensch. So gesehen ist sie durchaus in der Lage, die menschliche Kreativität zu fördern und zu unterstützen, schon allein dadurch, daß sie ihn von all der lästigen Routine befreit und ihm Zeit zum Nachdenken, zu schöpferischer Arbeit gibt.

Hierzu hat der Computer von Beginn an gedient, obwohl es sicherlich nicht sein Hauptzweck war. Er wurde zunächst mehr für operative, sprich: kurzfristige Ziele, eingesetzt. Mit steigender Leistungsfähigkeit, mit größerem Speichervolumen, begann er jedoch zunehmend auch strategische Aufgaben zu übernehmen.

Als Chips nicht nur immer kleiner, schneller, leistungsfähiger und intelligenter, sondern gleichzeitig auch immer billiger wurden, begann die Elektronik den einzelnen Arbeitsplatz zu erobern. Chips wurden mit der Zeit zu jenen modernen Bausteinen der Industrie, die einzelne Techniken miteinander verzahnten.

Mit der Verbindung zwischen Daten- und Fernmeldetechnik entstand dabei eine Technik ganz besonderer Qualität. Die Datenverarbeitung wurde zur Informationsverarbeitung und aus der Information selbst - neben Arbeit, Boden und Kapital - der vierte Produktionsfaktor.

Die Informationsverarbeitung durchdringt die Betriebsabläufe an jedem Punkt, vereinfacht sie dabei, macht sie leistungsfähiger, während die anfallenden Daten gleichzeitig auch für zusätzliche Aufgaben, etwa die Beratung oder Betreuung von Kunden oder für ganz neue Dienstleistungen, genutzt werden können.

So macht die Elektronik die Unternehmen tatsächlich kreativer; sie dient ja längst nicht mehr ausschließlich der Rationalisierung und Automatisierung, weil es mit ihrer Hilfe vielmehr möglich wird, auf neuen Wegen Wettbewerbsvorteile herauszuholen, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden und somit von ihr abzusetzen.

Dabei hilft sie auch den Mitarbeitern, selbständiger zu arbeiten, sich aus eigener Initiative zugleich besser und schneller zu informieren. An seinem PC vermag der Manager nun - für sich selbst und in kurzer Zeit - Daten abzurufen, sie miteinander zu verknüpfen und so Entscheidungen zu treffen. Die Kreativität kann dadurch nur gefördert werden ebenso wie die Motivierung. Letztlich wird dadurch auch die Entscheidungsfindung im Unternehmen effizienter.

Doch wie macht man aus Informationen einen Produktionsfaktor? Zuallererst darf die Einsicht nicht fehlen, daß die Informationstechnik ein strategisches Instrument ist. So selbstverständlich dies klingt, so schwierig ist es offenbar, danach auch zu handeln. Vielfach mangelt es an der geeigneten Infrastruktur, oft fehlt dafür aber auch das Verständnis "ganz oben".

Arthur Andersen in den Vereinigten Staaten hat schon vor Jahren vorgeschlagen, für all diese Fragen auf Vorstandsebene einen "Chief Information Officer (CIO)" einzusetzen und ihn für die Integration sämtlicher Informationsprozesse innerhalb des Unternehmens verantwortlich zu machen. Sein Ziel muß es sein die Datenverarbeitungs-Organisation zu vereinfachen und sämtliche Automationsinseln zu integrieren. Wichtig ist ferner, den Mitarbeitern den Zugang zur Datenverarbeitung zu erleichtern. Dabei genügt es nicht, ihnen einen Personal Computer auf den Tisch zu stellen. Das Unternehmen hat auch für die geeignete Infrastruktur zu sorgen. Dazu gehört die Software, dazu zählt die Einweisung an den Geräten und später die ständige Weiterbildung.

Auszug aus dem Referat für das Frankfurter Symposium über "Mikroelektronik und die Folgen für die Kreativität" der Deutschen Olivetti GmbH und der Stadt Frankfurt am Main am 27. und 28. November 1986 in Frankfurt.