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09.10.1981

Informationstechnik und Bildung stehen im Widerspruch

Die strukturellen und inhaltlichen Prinzipien von Bildung und Ausbildung entstanden zu einer Zeit, als die jetzt verfügbare und für die nahe Zukunft erkennbare Informationstechnik noch nicht einmal ansatzweise vorhanden war. Fernsehen, Telefon, Rechner, Rechnernetze, Datenbanken, Informationssysteme, Mikrocomputer und Mikroprozessoren haben sich erst in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt. Doch sie haben die "informationelle Umwelt" der Menschen deutlich verändert.

Noch unseren Großeltern oder vielleicht auch unsere Eltern wurde vom Bildungswesen der Imperativ vermittelt, den Menschen in seiner Umwelt verstehen und unterstützen zu sollen, sich für einen bestimmten Beruf zu qualifizieren und im privaten Kreis Informationen zu verarbeiten, die zur Entfaltung des persönlichen Lebens notwendig, Berufschule, Fachschule oder Hochschule gaben dem einen oder anderen unterschiedliche Qualifikationen in seiner speziellen Berufswelt. So gerüstet traten unsere "Vorfahren" in eine Berufswelt, in der es keine technischen Systeme gab, die ähnliche Leistungen vollbringen konnten, wie das menschliche Gehirn.

Durch die Entwicklung der Computer-Technik in den letzten 20 Jahren gibt es heute Systeme, die Informationen mit ähnlichen Ergebnissen wie ein Mensch verarbeiten können. Kognitiv-intelligente Leistung hat für das menschliche Selbstverständnis zunehmend einen veränderten Stellenwert erreicht. Wissen und Können erlauben es dem Menschen zwar, sich selbst und seine Umwelt besser zu verstehen, sie sind aber nur noch begrenzt eine hinreichende Komponente für den Arbeitsprozeß. Dort breitet sich die Informationstechnik mehr und mehr aus. Der Mensch fragt sich, was ihm langes Lernen und Verstehen der Welt hilft, wenn sein computer, Datenbanken etc.), die es immer einfacher gestatten, Informationen zu "konsumieren" ohne selbst "auf Vorrat" zu lernen.

Man fragt sich deshalb auch nicht ohne Grund: Was sollen wir heute noch lernen, um die angebotenen Informationen zu verstehen und zu verarbeiten, die einem leicht und billig zugänglich gemacht werden?

Unreflektierter Einfluß wächst

Fest steht eins: die bisherige Legitimation vieler Maßnahmen im Bildungswesen wird im nächsten Fluß(?) der technischen Medien wächst.

Es wird zur Krise des Lernenden kommen, der nämlich unsicher wird, was er in solch einer Situation noch lernen soll und zur Krise des Bildungswesens, das einen modifizierten Auftrag suchen müßte, aus dieser Krise herauszukommen, dies aber nicht tut. Um diesen Problemen frühzeitig begegnen zu können, brauchen wir in der Zukunft Bildung und Ausbildung in allen Schichten und Nationen dringender als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Das Anwachsen von Wirtschaft, Technik und Wissenschaft führte im 20. Jahrhundert zur "Informationsexplosion". Und die Geschwindigkeiten nehmen noch zu. Während heute ein Rechner zur Addition einer 6stelligen Zahl 1/1000 000 Sekunde braucht, arbeiten Wissenschaftler an Techniken, die um ein Vielfaches schneller sind als die heutigen. Mit der neuen Lasertechnik in Verbindung mit Glasfaser können heute bereits 10 Milliarden Zeichen pro Sekunde übertragen werden, das sind etwa 10 000 Taschenbücher.

Doch mit der Weiterentwicklung der Technik werden die Systeme vom Preisgefüge her jedem zugänglich. Der Mikroprozessor einmal erschaffen, kann mit einem Minimum an Material in unendlichen Stückzahlen produziert und zu Billigstpreisen veräußert werden. So werden die Preise von Schachcomputern oder elektronischen Spielzeugen in einigen wenigen Jahren nicht mehr denen eines heute üblichen Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenkes entsprechen.

Ein absolutes Stiefkind

Das Bildungswesen im Bereich der Informationstechnologie ist in unserer sozialen Struktur heute noch ein absolutes "Stiefkind". Obwohl mehr als 600 000 Beschäftigte in den Bereichen EDV in Randgebieten beschäftigt sind, gibt es erst seit Juli 1981 den Entwurf eines gehobenen Berufsbildes für den "Wirtschaftsinformatiker". Alle übrigen Angaben und Definitionen über Ausbildungen sind zum größten Teil Produkte der Industrie oder entsprechender Institute. Lerninhalte, Ausbildungsziele, Qualifikationsnachweis oder Prüfungsmodalitäten werden in unserer Gesellschaft vorwiegend von Leuten bestimmt, die darin ihren Profit sehen. Kann sich eine Industrienation erlauben, den Fortschritt der Technik nur einigen wenigen cleveren Managern zu überlassen?