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04.03.1983 - 

STC-Brinkmeyer: Die rein operative Datenverarbeitung geht ihrem Ende entgegen

Informative DV kommt über optische Speicher

Frankfurt (pi) - Unabhängige Anwenderstudien beziffern den zusätzlichen Speicherbedarf in den klassischen Anwendungsgebieten der Informationsverarbeitung auf eine Million Gigabyte bis 1990. Nur mit schnellen optischen Datenspeichern kann dieser Online-Bedarf gedeckt werden. Dies konstatiert Heinz Brinkmeyer, Produktmanager der Frankfurter Storage Technology Corporation (STC). Brinkmeyers Hauptargument dabei ist, daß die für eine Million Gigabyte erforderlichen konventionellen 400 000 Magnetplattenspeicher vom Typ IBM 3380 sich nicht einmal von allen Herstellern der Welt zusammengenommen produzieren ließen - jedenfalls nicht in der Zeit bis 1990, in der dieser Bedarf anfallen wird.

Müssen die folgenden Bildschirmanfragen der Einkaufsabteilung eines Großunternehmens für alle Ewigkeit unbeantwortet bleiben müssen, weil die dazu notwendigen Massendaten nicht online zur Verfügung stehen: "Welche Beeinflussung ergab sich aus der Lieferantenlauswahl und den bestellten Artikeln in den vergangenen Jahren?" "Welchen Einfluß hatte dies auf Produktqualität, Fertigung, Betriebsergebnisse?" "Welcher Lieferant liefert was (Online-Angebotsarchiv)?"

Mangelware Hardware

Großunternehmen, die heute 1000 und mehr Bildschirme mit ihrem Rechenzentrum verknüpft haben, müssen damit rechnen, daß die EDV-gewöhnten Benutzer immer komplexer werdende Fragen vom Computer beantwortet haben wollen. Unterstellen wir, daß moderne Retrieval-Software prinzipiell in der Lage ist, diese komplexen Fragen zu beantworten, muß dennoch der Bildschirm leer bleiben, weil die entsprechenden Daten nicht präsent sind? Wird das elektronische Büro nicht an fehlender Software, sondern an mangelnder Hardware scheitern? Wird es dahin kommen, daß der von vielen prophezeite weltweite Austausch eines immensen Informationsvolumens zwar mit Hilfe der modernen Telekommunikation technisch möglich ist, es aber keinen Marktplatz gibt, wo diese unermeßliche Anzahl von Informationen aufbewahrt ist?

Die derzeit beste Lösung für diese Massenspeicherprobleme ist, so Brinkemeyer, der optische Datenspeicher, dessen Zukunft in den USA bereits begonnen hat. Großunternehmen planen dort im großen Stil den Einsatz dieses Archiv-Datenspeichers. In den nächsten 20 Jahren wird er die beste Lösung für Archivdaten sein, auf die man stets einen schnellen Zugriff haben will.

Ungeliebter Mikrofilm

Schon heute hegt der Preis für diesen auswechselbaren Datenspeicher bei etwa 100 Dollar (vier Gigabyte Kapazität). Er ist damit preiswerter als der Mikrofilm, jenem Zwitter aus Elektronik und Zelluloid, der - trotz aller Erfolge - nur ein Schattendasein fristet, weil ihn keiner wirklich mag. Der Grund liegt unter anderem darin, daß man aus mikroverfilmten Ursprungsdaten nur sehr schwer neue Informationen gewinnen kann. Und was auf Mikrofilm gespeichert ist, kann operativ kaum genutzt werden.

Im Jahr 2000 werden auf einer einzigen optischen Platte 300 Gigabyte ihren Speicherplatz finden. Die Daten können sofort abgerufen und weiterverarbeitet werden. Dennoch bleiben die Ursprungsdaten - wie beim Mikrofilm - erhalten, können nicht überschrieben werden, sind also dokumentensicher. Wenngleich noch keine Aussage darüber vorliegt, wie dann die mittlere Zugriffszeit aussehen wird, heute liegt sie bereits bei 100 Millisekunden und erfüllt damit die Forderung der Anwender an ein Online-Speichersystem für wenig frequentierte Daten.

Die Frage, ob der optische Datenspeicher eine Alternative zur Magnetplatte oder zum Magnetband werden kann, stellt sich nicht, wenngleich an Möglichkeiten des Updating auch auf diesem Medium in vielen Labors gearbeitet wird. Dies wird noch Jahre dauern, und vor allem hat der optische Datenspeicher eine andere Aufgabe, als Magnetband oder -platte.

Er beschleunigt die geschichtliche Entwicklung der Informationsverarbeitung in eine neue Ära: Wir stehen inmitten eines Wandels von der rein operativen Datenverarbeitung zu der informativen Datenverarbeitung. Betrachten wir einmal ein Unternehmen und seine typischen Anwendungsgebiete für die informative Datenverarbeitung.

Operativ/informativ

Wer dem in der Tabelle angedeuteten Aufgabenspektrum mit derzeit modernsten Verfahren gerecht werden will, kommt an Online-Datenträgern, also Magnetplatten nicht vorbei. Diese aber seien, wie einleitend erwähnt, in der (demnächst) erforderlichen Menge nicht produzierbar. Die Lösung leitet sich historisch ab:

In der ersten Phase der DV war das Rechenzentrum eine in sich geschlossene Einheit, in der man vorher manuell erfaßte Daten verarbeiten ließ, und wo Ergebnisse in Form von Listen gedruckt oder mikroverfilmt wurden. Mittlerweile ist sie ein Dienstleistungsbetrieb, der die Anwenderwünsche online erfüllt.

Die Herausforderung für die EDV-Abteilung besteht darin, die vom Anwender gewünschten Daten und Programme innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung zu stellen.

Gigantische Archive

Alle am Bildschirm durchgeführten Arbeiten haben eins gemeinsam: Sie dienen der operativen Datenverarbeitung. Aber die operative EDV besteht nicht nur aus dem progammierten Zugriff auf bestimmte Daten. Sie produziert selbst ständig neue Ergebnisse, die wiederum archiviert und gepflegt werden müssen. So sind im Laufe der Jahre gigantische Magnetplattenarchive entstanden, die weltweit ein Volumen von einer Milliarde Rollen haben. Die Anzahl der produzierten Mikrofilme ist sogar unübersehbar.

Der Wandel von der operativen zur informativen Datenverarbeitung kann nur auf der Basis dieses Datenkapitals erfolgen. Doch die Frage lautet: Wie können wir uns diese Ressourcen schnell und direkt verfügbar machen?

Die informative Datenverarbeitung ist geprägt von dem Wunsch der Benutzer, auf der Basis früherer Massendaten Interdependenzen herzustellen zwischen dem, was war, und dem, was sein soll, sein kann, sein wird. Das bedeutet: Magnetband- und Mikrofilmarchive müssen online-fähig gemacht werden - vernünftigerweise mit der optischen Speicherplatte .

Denn während mit der operativen Datenverarbeitung die klassischen Aufgaben eines Unternehmens, mit klar eingegrenzten Daten und Programmen (in der Einkaufsabteilung etwa Artikelbezeichnung, Liefermenge, Preis und Lieferanten) realisiert werden, richtet sich die informative Datenverarbeitung sowohl auf Archiv- wie auf aktuelle Daten aus den jeweiligen Bereichen.

Durch Einsatz der optischen Speicherplatten behält der Anwender stets Vergangenheit und Gegenwart im Griff; und dies werde mehr denn je darüber entscheiden, ob er in der Lage sei, auch die Zukunft im Griff zu behalten.

Kontra COM und Tape

Der optische Datenspeicher ist sicherlich kein Ersatz für die Magnetplatte, deren Stärke weiterhin in der operativen Datenverarbeitung liegt. Aber auf Dauer wird er Konkurrenz; für Magnetband und auf jeden Fall für den Mikrofilm sein, weil er die Möglichkeiten der Massenspeicherung mit denen des direkten und schnellen Zugriffs kombiniert. Beides sind Vorbedingungen für die informative Datenverarbeitung, deren Zeitalter nun angebrochen ist.