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Unkorrekte Buchführung schon 1995

Informix droht der Börsenausschluß

03.10.1997

Bereits im August mußte der Hersteller aus dem kalifornischen Menlo Park einräumen, daß wegen eines buchungstechnischen "Rechenfehlers" für das Geschäftsjahr 1996 rund 100 Millionen Dollar Umsatz zuviel angegeben worden waren. Die Security & Exchange Commission hatte die Abrechnungspraxis als unzulässig kritisiert, nach der Informix-Produkte, die lediglich in die Vertriebskanäle geleitet worden waren, schon als verkauft verbucht wurden (siehe CW Nr. 34 vom 22. August 1997, Seite 7: "Unkorrekte Buchführung...").

Ausmaß ist weit größer als angenommen

Wie das Unternehmen jetzt eingestand, ist das Ausmaß der falsch verbuchten Softwareverkäufe für 1996 weit größer als ursprünglich angenommen. Auch bei der Abrechnung des Geschäftsjahres 1995 gab es Unregelmäßigkeiten. Die Revision der Ergebnisse für 1996 werde auf 1995 ausgedehnt, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung der deutschen Informix-Tochter in Ismaning. Nach neuesten Erkenntnissen belaufe sich der für das Geschäftsjahr 1996 zuviel angesetzte Umsatz auf 200 Millionen Dollar. Für 1995 rechne man mit einer Korrektur der Umsatzzahlen um weitere 50 Millionen Dollar. Die endgültigen Ergebnisse seien erst Anfang November 1997 zu erwarten.

Wegen des verspäteten Einreichens der Geschäftsergebnisse für das zweite Quartal 1997 hat die Aufsichtsbehörde der Nasdaq (National Association of Securities Dealers) inzwischen ein Verfahren eingeleitet, das auf einen Ausschluß des Informix-Papiers zielt. Eigenen Angaben zufolge bemüht sich das Unternehmen im Rahmen eines Hearings bei der Aufsichtsbehörde um eine Sondergenehmigung für den weiteren Aktienhandel. Bis zu diesem Anhörungstermin, der für Ende Oktober 1997 anberaumt sei, würden die Informix-Aktien an der Nasdaq unter einem speziellen Kürzel ("IFMXE") gehandelt, so die Darstellung der deutschen Niederlassung.

Informix meldete für das Geschäftsjahr 1996 einen Umsatz von 939 Millionen Dollar. Die jetzt fälligen Korrekturen drücken dieses Ergebnis um mindestens 20 Prozent. Lasse man die Service-Einnahmen außer Betracht, so seien die Softwareverkäufe um etwa ein Drittel zu hoch angesetzt worden, meint der IDC-Analyst Carl Olofson. "Ich habe niemals zuvor von einem Softwarehersteller gehört, der seine Umsatzerlöse in solch einem Umfang falsch dargestellt hat", so Olofson. "Im Grunde genommen ist das Unternehmen letztes Jahr überhaupt nicht gewachsen."

Doch selbst die jetzt vorliegenden Zahlen könnten sich noch als zu optimistisch erweisen. Wie Informix-Mitarbeiter mitteilten, handelt es sich dabei vorerst nur um "grobe Schätzungen". Die Kalifornier haben offensichtlich alle Hände voll zu tun, die Manipulationen überhaupt vollständig nachzuvollziehen. Nach den Worten von CEO Robert Finocchio sind derzeit "Tausende von Leuten damit beschäftigt, herauszufinden, was geschehen ist".

Unterdessen wurde bekannt, daß sich die National Australia Bank (NAB) wegen der Finanzprobleme des Herstellers gegen den Einsatz der Datenbank "Informix Extended Parallel Server, Version 8", entschieden hat. Bemerkenswert ist dieser Schritt insofern, als das Informix-System bei der technischen Bewertung dem Konkurrenzprodukt "Oracle 8" überlegen gewesen sein soll. Aufgrund der besseren Finanzsituation Oracles habe die NAB aber den Mitbewerber gewählt.