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21.10.1994

Infoworld kuerte die 100 innovativsten Client-Server-Anwender Im Vordergrund steht das Unternehmen - nicht Technik

MUENCHEN (CW) - Ausser bei Grossunternehmen gelten Client-Server- Techniken hierzulande noch als gefaehrliches Neuland. In den USA ist das anders. 500 Firmen waren bereit, der CW- Schwesterpublikation "Infoworld" ihre Projekte zu beschreiben, aus denen das Wochenblatt die 100 innovativsten Unternehmen heraussuchte. Drei der interessantesten Installationen sollen hier beschrieben werden. Weitere Informationen finden sich in der Tabelle der "Infoworld Top Ten" (Seite 75).

Amerikanische Beispiele werden haeufig mit dem Argument abgetan, dass sie nicht auf hiesige Verhaeltnisse uebertragbar seien. Moeglich ist, dass das Hire-and-Fire-System jenseits des grossen Teiches mit seinen Auswirkungen auch auf Management-Verfahren innovationsfoerdernd wirkt. Wichtiger sind jedoch, und das zeigen die von "Infoworld" aufgefuehrten Aktivitaeten, unternehmerischer Mut und klare Investitionsentscheidung.

Aus der Umfrage der CW-Schwester ging auch hervor, dass Client- Server-Projekte zwar oft mit Downsizing verbunden, damit aber keineswegs identisch sind. Die US-Anwender haben sich fast ausschliesslich aus Gruenden fuer verteilte DV entschieden, die mit ihrem Kerngeschaeft zusammenhaengen. Die Technik kam erst bei der Frage nach der besten Form der Realisierung ins Spiel. Diese Grundhaltung ist sicher auch auf europaeische Verhaeltnisse uebertragbar.

Downsizing spart Kosten

Nur ein Ziel hatte der Umstieg von Mainframe-Systemen auf Client- Server bei der Motorola-Division General Systems Sector (GSS), Tempe, Arizona. Der Hersteller von Funktelefonen wollte Geld sparen. Das Unternehmen hat sein Ziel inzwischen erreicht. Kostete die Datenverarbeitung mit zwei Mainframe-Umgebungen 1991 rund 3,2 Prozent des Umsatzes, so liegt dieser Wert jetzt bei 0,9 Prozent. Die damit verbundenen Einsparungen betragen laut GSS 50 Millionen Dollar, gemessen am Umsatzwachstum sogar 120 Millionen Dollar.

Klare Vorgaben waren fuer William Connor, Corporate Vice-President IT, der Schluessel zum Erfolg des Projekts: "Die Entscheidung gegen Grossrechner und fuer eine Unix-basierte Client-Server-Umgebung wurde, einmal gefasst, nicht mehr diskutiert." Auf diese Weise sei eine Polarisierung zwischen Mainframe-, PC- und Unix-Anhaengern verhindert und jedem Mitarbeiter eine klare Perspektive eroeffnet worden.

Den zweiten Bruch mit der Vergangenheit vollzog die GSS nach ersten Erfahrungen mit Unix-Software. Die Produkte hatten dieselbe Funktionalitaet wie vergleichbare Mainframe-Anwendungen, erwiesen sich aber als weit billiger in Anschaffung und Wartung. Deshalb wurde kurzerhand die Entwicklungsabteilung geschlossen. Dazu Connor: "Wir schreiben nie wieder Individualsoftware." Einige der Cobol-Programmierer wurden entlassen oder gingen in Rente, die meisten aber liessen sich auf 4GL-Tools vor allem von Informix umschulen. Diese Kenntnisse sollen sie ausschliesslich fuer Client- Anwendungen einsetzen. Die Optimierung der Datenbanken ist Aufgabe von Dienstleistern.

Unabhaengigkeit und Sparsamkeit bestimmten die Software-Auswahl. Sobald klar war, welches Produkt den Anforderungen am besten gerecht wuerde, holte man von verschiedenen Lieferanten Angebote ein und waehlte das guenstigste.

Ungewoehnlich war die Entscheidung fuer X-Terminals anstatt PCs. "Die grafischen Bildschirme kosten zwar anfangs mehr, muessen aber nicht immer wieder in kurzen Abstaenden gegen leistungsstaerkere Systeme ausgetauscht werden, argumentiert Connor unter Anspielung auf den explodierenden Speicherbedarf von Windows-Anwendungen. Trotzdem wird es bei GSS weiterhin rund 5000 PCs geben.

Schaffung eines neuen Produkts

Am Anfang stand die Idee fuer eine neue Dienstleistung. Die Marketiers der MCI Communications Corp., Arlington, Virginia, wollten Ende 1990 unter der Bezeichnung "Friends & Family" einen Billig-Gruppentarif fuer Ferngespraeche einfuehren, und zwar schnell. Hundert Tage bekamen die 45 Mitarbeiter der DV-Abteilung, um das Projekt auf die Beine zu stellen, fuer das eine Datenbank mit hohem Fassungsvermoegen und ausgetueftelten internen Verknuepfungen vonnoeten war. Die Antwortzeiten durften nur Sekundenbruchteile betragen. Fuer die Einfuehrung des neuen Tarifs waere es toedlich gewesen, wenn die Feststellung, ob ein Anrufer den Service in Anspruch nehmen darf, zu minutenlangen Wartezeiten gefuehrt haette. Nach einiger Unsicherheit darueber, wie ein solches Konzept mit Mainframe-Technologie umzusetzen waere, fiel die Entscheidung zugunsten einer PC-Loesung. Heute gehoert "Friends & Family" mit zehn Millionen Kunden zu den Cash-cows des Unternehmens.

Am Netzknoten in Washington DC haengt jetzt eine Reihe von High- end-OS/2-Servern, ueber die die Workstations der elf Kundenservicezentren versorgt werden. Kern des Konzepts ist jedoch ein relationales Datenbankpaar (SQL Server for OS/2), das fuer dieses Projekt modifiziert wurde. Darueber werden die Abrechnungen erstellt und die Anrufer ihrer Friends-&-Family-Gruppe zugeordnet. Selbstverstaendlich ist das Servicenetz via IBMs LAN Server, Novells Netware und Cisco-Router sowie ueber Glasfaserkabel mit dem Rest des Telecom-Konzerns verbunden.

Das PC-Projekt mit verteilter DV hat die MCI-Techniker auf den Geschmack gebracht. Geplant ist, die rund 4000 Telefonisten mit Client-Server-Technik auszustatten, dann aber nicht mehr mit OS/2, sondern mit Unix. Vorgesehen sind zudem die objektorientierten Entwicklungswerkzeuge von Nextstep.

PCs statt Mainframe

Nur etwa ein Drittel der "Infoworld Top 100" haben Downsizing als Ziel ihres Client-Server-Projekts angegeben. Zu ihnen gehoert der Tabak- und Wollhaendler Standard Commercial Corp. aus Wilson, North Carolina. Dort wurde 1990 der Entschluss gefasst, eine IBM 4341 durch PCs zu ersetzen. Saemtliche Anwendungen vom Auftragseingang bis zur Auslieferung sollten neu geschrieben oder durch fertige Produkte ersetzt werden.

Um das noetige Know-how aufzubauen, wurden zuerst drei PC- Programmierer angestellt und die sechs Mainframe-Entwickler auf LAN-Techniken umgeschult. Im Fruehjahr 1991 begann das Projekt. Als Clients waren Windows-PCs vorgesehen, fuer die mit Powersofts Powerbuilder entwickelt wurde. Auf Server-Seite laufen inzwischen High-end-PCs von Compaq als File-Server unter Windows NT und die SQL-Server-Datenbank von Sybase auf einer Sun-Workstation unter dem Solaris-Unix.

Der inzwischen aufgrund von Instabilitaet ins Gerede gekommene Powerbuilder war nach Auskunft von Dino Harrell zu Projektbeginn das leistungsfaehigste Tool fuer Windows-Entwicklungen. Zufrieden war der stellvertretende DV-Leiter vor allem mit der reibungslosen Kooperation zwischen den Windows-Tools und der Datenbank. Er betont vor allem den Nutzen von Stored Procedures, mit deren Hilfe verschiedene Enduser-Anwendungen auf gemeinsame Back-end- Prozeduren zugreifen koennen.

Weniger zufrieden aeusserte sich Harrell dagegen ueber das Ablaufverhalten von Powerbuilder-Anwendungen. Deshalb hat er etwa fuenf Prozent der Programme mit Microsofts Visual Basic schreiben lassen. Bei den Standardanwendungen wurde dafuer gesorgt, dass jeweils nur ein Spreadsheet, und zwar im selben Release-Stand, eingesetzt wird. Inzwischen ist das Projekt abgeschlossen und der Mainframe verkauft.

Die Top 10

Die Top 10 der "Infoworld" sind der Gipfel eines Eisberges. Befragt wurden Hunderte von Unternehmen. Voraussetzung war, dass es sich bei ihrer Client-Server-Installation nicht um eine High-Tech- Insel handelte, sondern dass das Unternehmen durchgaengig innovativ arbeitet und um den Einfluss der Technik auf Verkauf, Marketing, Finanzfluesse, Personal und Management wusste.

Im Auftrag der IDG-Schwesterpublikation haben die Analysten der Trish Associates, Santa Clara, ein 44 Fragen umfassendes Formular versandt. Die 181 interessantesten von knapp 500 Antworten wurden ausgewaehlt und unter die Lupe genommen. Die Top 10 sind in der untenstehenden Tabelle dargestellt.

Gewertet wurden die unternehmensweite Client-Server-Strategie, der Umfang des Einsatzes und die Art der Implementierung. Bei diesen Punkten wurden die Anzahl und Investionen fuer Client-Server- Projekte ebenso beruecksichtigt wie Austattung der Mitarbeiter mit PCs und die Groesse der DV-Abteilung. Ausserdem wurden die Leistungen von Unternehmen am freien Markt staerker gewichtet als die von Universitaeten.